{"id":1123,"date":"2026-02-09T17:04:57","date_gmt":"2026-02-09T17:04:57","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/?p=1123"},"modified":"2026-02-09T17:06:17","modified_gmt":"2026-02-09T17:06:17","slug":"julia-onken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/2026\/02\/09\/julia-onken\/","title":{"rendered":"Julia Onken"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #333333;\">Julia Onken wurde 1942 geboren und wuchs in einer famili\u00e4ren Konstellation auf, die von Br\u00fcchen, Widerspr\u00fcchen und starken Spannungen gepr\u00e4gt war. Fr\u00fch lernte sie, Menschen genau zu beobachten und zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten zu unterscheiden. Diese biografischen Erfahrungen bildeten den N\u00e4hrboden f\u00fcr ihr sp\u00e4teres Interesse an psychologischen, gesellschaftlichen und geschlechtsspezifischen Fragestellungen. Ihr Zugang zu den Frauen- und Gleichstellungsfragen erfolgte nicht \u00fcber das Recht, sondern \u00fcber das Leben selbst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Als Autodidaktin entwickelte sie ein feines Gesp\u00fcr f\u00fcr psychologische Dynamiken, Machtverh\u00e4ltnisse und strukturelle Ungleichheiten. Ihre Ausbildung in angewandter und transpersonaler Psychologie absolvierte Julia Onken sp\u00e4ter in Z\u00fcrich und Freiburg. Fr\u00fch begann sie, mit Menschen in herausfordernden Lebenssituationen zu arbeiten, unter anderem in einem Gef\u00e4ngnis. In ihrer psychologischen Praxis verband sie pers\u00f6nliche Erfahrungen konsequent mit einer Analyse gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Sie erkannte, dass individuelle Krisen von Frauen h\u00e4ufig Ausdruck struktureller Benachteiligungen sind, sei es in finanziellen Abh\u00e4ngigkeiten, in der fehlenden Anerkennung von Sorgearbeit oder in der \u00f6ffentlichen Abwertung weiblicher Stimmen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Das Frauenstimmrecht von 1971 erlebte Julia Onken nicht als biografischen Einschnitt, sondern zun\u00e4chst als Hintergrundrauschen. Erst sp\u00e4ter, im Zuge eigener Trennungs- und Abh\u00e4ngigkeitserfahrungen, wurde ihr die politische Dimension weiblicher Entrechtung in ihrer ganzen Tragweite bewusst. Diese Erkenntnisse fielen auf einen bereits bereiteten Boden aus literarischer Bildung, feministischer Sensibilit\u00e4t und psychologischer Reflexion.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">In den 1980er-Jahren gr\u00fcndete sie das Frauenseminar Bodensee, das zu einem zentralen Ort feministischer Bildungsarbeit wurde. Dort verband sie pers\u00f6nliche Entwicklung, psychologisches Wissen und gesellschaftskritische Analyse. Im Zentrum ihrer Arbeit standen Selbstwert, Selbstwirksamkeit, Sprache und die Frage, warum Frauen trotz hoher Kompetenz so selten \u00f6ffentlich auftreten und geh\u00f6rt werden. Mit ihren Seminaren, Ausbildungen und Publikationen leistete Julia Onken einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarmachung jener subtilen Mechanismen, durch die Frauen bis heute entwertet und begrenzt werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333333;\">Julia Onkens Lebensweg zeigt exemplarisch, dass der Kampf um Gleichberechtigung nicht nur auf gesetzlicher Ebene gef\u00fchrt wird. Ihre Arbeit macht deutlich, wie eng pers\u00f6nliche Biografien, gesellschaftliche Strukturen und politische Entwicklungen miteinander verflochten sind und wie zentral psychologische Aufkl\u00e4rung f\u00fcr emanzipatorische Prozesse bleibt.<\/span><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" id=\"kmsembed-0_ds0u9e6a\" width=\"826\" height=\"465\" src=\"https:\/\/uzh.mediaspace.cast.switch.ch\/embed\/secure\/iframe\/entryId\/0_ds0u9e6a\/uiConfId\/23449004\/st\/0\" class=\"kmsembed\" allowfullscreen webkitallowfullscreen mozAllowFullScreen allow=\"autoplay *; fullscreen *; encrypted-media *\" referrerPolicy=\"no-referrer-when-downgrade\" sandbox=\"allow-downloads allow-forms allow-same-origin allow-scripts allow-top-navigation allow-pointer-lock allow-popups allow-modals allow-orientation-lock allow-popups-to-escape-sandbox allow-presentation allow-top-navigation-by-user-activation\" frameborder=\"0\" title=\"Interview Julia Onken\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Julia Onken wurde 1942 geboren und wuchs in einer famili\u00e4ren Konstellation auf, die von Br\u00fcchen, Widerspr\u00fcchen und starken Spannungen gepr\u00e4gt war. Fr\u00fch lernte sie, Menschen&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":894,"featured_media":1124,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_customify_content_layout":"","_customify_sidebar":"","_customify_page_header_display":"default","_customify_disable_header":"","_customify_disable_header_top":"","_customify_disable_header_main":"","_customify_disable_header_bottom":"","_customify_disable_page_title":"","_customify_disable_content_vertical_padding":"","_customify_disable_footer_top":"","_customify_disable_footer_main":"","_customify_disable_footer_bottom":"","_customify_breadcrumb_display":"","_customify_header_transparent_display":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1123","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-podcasts-de"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1123","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/users\/894"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1123"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1123\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1125,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1123\/revisions\/1125"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1124"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1123"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1123"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/frauenrechtsgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1123"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}