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Ursula Mauch

Ursula Mauch wurde 1935 im Kanton Aargau geboren und wuchs in einer Familie auf, die eine Metzgerei führte. Eigentlich war vorgesehen, dass sie im elterlichen Geschäft Verkäuferin wird, doch ein inspirierender Chemielehrer weckte in ihr früh die Begeisterung für die Naturwissenschaften. Nach einem Jahr an der Handelsschule Neuenburg und einem Praktikum in einem Labor absolvierte sie am Technikum Winterthur – der heutigen ZHAW – ein Chemiestudium, als eine von nur zwei Frauen ihres Jahrgangs.

1959 wanderte sie mit ihrem Mann in die USA aus, wo sie mehrere Jahre lebte und drei Kinder grosszog. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz arbeitete sie als Chemie- und Physiklehrerin an der Berufsschule Aarau. 1976 gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann das Beratungsunternehmen Infras, das sich auf Umwelt- und Energiepolitik spezialisierte. Die Idee zu dieser Arbeit entstand nach einem Aufenthalt am MIT in den frühen 1970er-Jahren, als sie sich intensiv mit den Debatten um die Grenzen des Wachstums auseinandersetzte.

Politisch engagierte sich Ursula Mauch zunächst im reformorientierten Team 67 und wurde 1974 in den Grossen Rat des Kantons Aargau gewählt. Ab 1977 gehörte sie der Sozialdemokratischen Partei an und zog 1979 als erste Frau aus dem Kanton Aargau in den Nationalrat ein, dem sie während 16 Jahren angehörte. 1987 wurde sie zudem die erste Frau, die Präsidentin einer Bundesratsfraktion wurde. In dieser Funktion verstand sie sich als pragmatische, aber entschlossene Brückenbauerin zwischen den Generationen und Geschlechtern. Über diese Zeit sagte sie rückblickend:

«Das Wichtigste, was unsere Fraktion und unsere Partei erreicht hat, war die Wahl von Ruth Dreifuss als Bundesrätin. Wir haben es fertig gebracht, die Wahl eines weiteren Mannes als Bundesrat zu verhindern. Das haben wir so perfekt gemanagt, dass ich sicher bin: Es wird nie mehr ein frauenloses Bundesratsgremium geben».

Ihr politisches Wirken war geprägt von umwelt- und energiepolitischen Themen, darunter der Widerstand gegen Atomkraftwerke und die Mitgestaltung des Umweltschutzgesetzes. Ursula Mauch steht exemplarisch für eine Generation von Frauen, die in Naturwissenschaft, Politik und Umweltfragen Neuland betreten und so die Grundlagen einer nachhaltigen und gleichberechtigteren Schweiz mitgestaltet haben.