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Rosemarie Weibel

Rosemarie Weibel wurde 1962 im Kanton Bern geboren. Ihr Vater, gelernter Schuhmacher, arbeitete als Magaziner und ihre Mutter, gelernte Kindergärtnerin, kümmerte sich um Haus und Kinder und um den grossen Gemüsegarten, gab zuhause Flötenstunden, hie und da Stellvertretungen. Als Rosemarie Weibel dreizehn Jahre alt war, wurde ihr Vater invalid. Damit lastete die Familie (mit drei Kindern, das Jüngste gerade 2 Jahre alt) auf den Schultern der Mutter, die wieder fest in den Beruf einstieg. Umstände, die Rosemarie Weibel früh lehrten, Verantwortung zu übernehmen und Eigenständigkeit als Grundwert zu begreifen.

Ihr Weg in die Rechtswissenschaft verlief zunächst alles andere als geradlinig. Nach der Schule besuchte sie eine Handelsschule, arbeitete in verschiedenen Berufen und kam eher zufällig in den Rechtsbereich, als sie in einer Kanzlei eine Stelle als Sekretärin antrat. Dort begegnete sie einem liberalen Anwalt und dessen Ehefrau, der ersten Anwältin im Tessin. Gegen gesellschaftliche Zweifel und mit grossem persönlichem Einsatz studierte sie an der Universität Zürich Rechtswissenschaften und machte danach das Anwaltspatent.

Beruflich spezialisierte sich Rosemarie Weibel auf das Familien-, Arbeits- und Sozialversicherungsrecht und deren Schnittpunkte zum Migrationsrecht, stets mit einem besonderen Augenmerk auf soziale Gerechtigkeit und auf Menschen in wirtschaftlich schwierigen Situationen. Sie engagierte sich in der Federazione delle Associazioni Femminili Ticino und arbeitete mit Gewerkschaften zusammen, unterstützte juristische Weiterbildungen insbesondere zum Gleichstellungsgesetz und redigierte die Plattform sentenzeparita.ch, die Gerichtsurteile zum Gleichstellungsgesetz dokumentiert. Für sie stand das Recht nie isoliert, sondern immer im Zusammenhang mit konkreten Lebenswirklichkeiten: Sie verstand juristische Arbeit als Verbindung von Rationalität, Empathie und sozialer Verantwortung.

Sie ist Mitwirkende in feministischen und rechtspolitischen Netzwerken wie dem Coordinamento donne della sinistra und dem Schweizerischen Institut für feministische Rechtswissenschaft und Gender Law (FRI). Besonders wichtig ist ihr die horizontale, kollegiale Organisation solcher Gruppen – ohne Hierarchien, mit geteilter Verantwortung und rotierender Leitung. Diese Formen der Zusammenarbeit verkörpern für sie eine «andere Politik», getragen von Beziehungen und gegenseitiger Unterstützung.

In ihrem juristischen Wirken beschäftigte sie sich mit Themen wie Lohngleichheit, häuslicher Gewalt, Diskriminierung im Arbeitsrecht und den rechtlichen Unsicherheiten für Migrantinnen nach Trennungen oder Scheidungen. Dabei vertrat sie stets die Überzeugung, dass Gleichstellung und soziale Gerechtigkeit untrennbar verbunden sind. Sie ermutigt junge Frauen, Hoffnung und Beharrlichkeit nicht zu verlieren, Netzwerke zu schaffen und Solidarität zu leben – im Bewusstsein, dass Fortschritt in der Gleichstellung nicht selbstverständlich ist und politische Veränderung aus Beziehungen entsteht, nicht nur aus Programmen.

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