 {"id":257,"date":"2022-08-30T13:41:39","date_gmt":"2022-08-30T13:41:39","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/dialektressource\/?page_id=257"},"modified":"2023-08-22T11:00:19","modified_gmt":"2023-08-22T11:00:19","slug":"morphologie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/dialektressource\/linguistik\/morphologie\/","title":{"rendered":"Morphologie"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#8220;1\/4&#8243;][vc_btn title=&#8220;Grundbegriffe&#8220; color=&#8220;orange&#8220; align=&#8220;center&#8220; button_block=&#8220;true&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Fdlf.uzh.ch%2Fsites%2Fdialektressource%2Fstrukturlinguistik%2Fgrundbegriffe%2F|title:Grundbegriffe&#8220;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/4&#8243;][vc_btn title=&#8220;Phonologie&#8220; color=&#8220;sandy-brown&#8220; align=&#8220;center&#8220; button_block=&#8220;true&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Fdlf.uzh.ch%2Fsites%2Fdialektressource%2Fstrukturlinguistik%2Fphonologie%2F|title:Phonologie&#8220;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/4&#8243;][vc_btn title=&#8220;Morphologie&#8220; align=&#8220;center&#8220; button_block=&#8220;true&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Fdlf.uzh.ch%2Fsites%2Fdialektressource%2Fmorphologie%2F|title:Morphologie&#8220;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/4&#8243;][vc_btn title=&#8220;Syntax&#8220; color=&#8220;juicy-pink&#8220; align=&#8220;center&#8220; button_block=&#8220;true&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Fdlf.uzh.ch%2Fsites%2Fdialektressource%2Fstrukturlinguistik%2Fsyntax%2F|title:Syntax&#8220;][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][vc_tta_accordion active_section=&#8220;100&#8243; css_animation=&#8220;fadeInLeft&#8220; no_fill=&#8220;true&#8220; collapsible_all=&#8220;true&#8220;][vc_tta_section title=&#8220;\u00dcberblick&#8220; tab_id=&#8220;1692003021754-e68bd470-4806&#8243;][vc_column_text]Unter dem Begriff <em>Morphologie <\/em>wird in der klassischen Grammatikschreibung die Lehre vom Wort verstanden. Im Fokus steht entsprechend die Einheit des Wortes bzw. dessen Zusammensetzung aus verschiedenen Morphemen zu einer Einheit sowie Prozesse, die diese Einheit beeinflussen. Dabei wird unter anderem die formale Auspr\u00e4gung von W\u00f6rtern untersucht (z.B. Flexion oder Agglutination) und die Regeln der Wortbildung. Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 446) und Linke et al. (2014: 61).[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][\/vc_tta_accordion][vc_empty_space height=&#8220;10px&#8220;][\/vc_column][\/vc_row][vc_row css_animation=&#8220;fadeInRight&#8220;][vc_column][vc_tta_tour color=&#8220;purple&#8220; controls_size=&#8220;md&#8220; active_section=&#8220;1&#8243;][vc_tta_section title=&#8220;Ablaut&#8220; tab_id=&#8220;1669033838068-4ee3c8be-5a49&#8243;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Der Begriff Ablaut wurde von Jakob Grimm gepr\u00e4gt und bezeichnet die geregelten Vokalalternationsmuster, die in Flexion und Wortbildung der indogermanischen Sprachen auftreten. Beim indogermanischen Ablaut handelte es sich um eine im Ursprung rein kontextbedingte, sekund\u00e4r jedoch grammatikalisierte Vokalalternation.<\/p>\n<p>Im Indogermanischen wurde quantitativ unterschieden zwischen Vollstufe (\/e\/) und Schwundstufe (\u00d8) . Sp\u00e4ter tritt die ebenfalls quantitative Dehnstufe (\/e:\/) durch morphologische Analogie hinzu. Qualitativ wird \/e\/ : \/o\/ (Normalstufe vs. Abt\u00f6nungsstufe) unterschieden.[\/vc_column_text][vc_single_image image=&#8220;724&#8243; img_size=&#8220;large&#8220; add_caption=&#8220;yes&#8220; alignment=&#8220;center&#8220;][vc_column_text]Als die grammatischen Funktionen, die im Indogermanischen noch durch den freien Akzent markiert wurden, auf die ablautende Silbe \u00fcbertragen wurden, sind die Ablautvarianten in Wortbildung (nhd. <em>flie\u00dfen<\/em> : <em>Fluss<\/em>) und Flexion (nhd. <em>singen <\/em>\u2013 <em>sang <\/em>\u2013 <em>gesungen<\/em>) morphologisiert worden. Speziell in der Flexionsstammbildung des germanischen starken Verbs ist der Ablaut entscheidend und bestimmt im Althochdeutschen und Mittelhochdeutschen die Unterteilung dieser Verbkategorie in sieben Flexionsklassen.<\/p>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 4-5). Abbildung von Guido Seiler.[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Agglutination&#8220; tab_id=&#8220;1691734031460-b534a0f0-60d6&#8243;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Agglutination bezeichnet die Aneinanderreihung von Morphemen. In Sprachen des agglutinierenden Sprachtyps tr\u00e4gt dabei jedes Morphem eine eigenst\u00e4ndige semantisch-syntaktische Bedeutung (vgl. im Gegensatz dazu flektierende Sprachen bzw. <a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/dialektressource\/linguistik\/morphologie\/#1691734756270-e6cfb9ce-fe26\">Flexion<\/a>). Das T\u00fcrkische ist eine agglutinierende Sprache: Durch Aneinanderreihung verschiedener Morpheme &#8211; wobei jedes Morphem nur eine semantisch-syntaktische Bedeutung tr\u00e4gt und nicht mehrere &#8211; ergeben sich ganze Phrasen: <em>ev<\/em> &#8218;Haus&#8216; + <em>ler<\/em> &#8218;Pluralmarker&#8216; + <em>im<\/em> &#8218;Possessivmarker 1. Pers. Sg. Nom.&#8216; <em>=<\/em> <em>evlerim<\/em> &#8218;meine H\u00e4user&#8216;.<\/p>\n<p>Im Bereich der Wortbildung bezeichnet Agglutination eine <a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/dialektressource\/linguistik\/morphologie\/#1667892931823-3d46ef9f-a64a\">Komposition<\/a> aus unflektierten Wortst\u00e4mmen. Diese Form der Wortbildung ist nicht nur in agglutinierenden Sprachen zu beobachten. Ein Beispiel aus dem Deutschen w\u00e4re der Begriff <em>Dreik\u00e4sehoch<\/em>.<\/p>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 318).[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Allomorph(ie)&#8220; tab_id=&#8220;1667894229918-0ab25df7-cc1b&#8220;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Ein Allomorph ist die Realisierung eines Morphems in aktualen Sprach\u00e4usserungen. Beispielsweise wird das Morphem {Plural} bei deutschen Substantiven durch mehrere Allomorphe ({-n}, {-en}, {-er}, {-s}, {-\u00f8} oder Vokalwechsel) ausgedr\u00fcckt. Alle diese Formen markieren dieselbe bedeutungstragende Einheit {Plural}. Allomorphe eines Morphems sind synonymisch und treten in (weitgehend) komplement\u00e4rer Distribution auf.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Auftreten verschiedener Allomorphe eines Morphems k\u00f6nnen <strong>phonologische <\/strong>oder <strong>morphologische Bedingungen<\/strong> ausschlaggebend sein. Die naheliegendsten Gr\u00fcnde f\u00fcr das Entstehen von Allomorphen sind lautliche Prozesse wie Assimilation und Dissimilation (gegenseitige Anpassung oder Differenzierung von Lauten). Allomorphe entstehen vor allem deshalb, weil nicht alle Laute im Redefluss gleich gut nebeneinander stehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die allomorphische Verteilung aufgrund morphologischer Bedingungen basiert auf der Zugeh\u00f6rigkeit des Lexems zu einer bestimmten morphologischen Klasse. Ein Beispiel f\u00fcr eine urspr\u00fcnglich durch Assimilation entstandene, heute aber morphologisch bedingte Allomorphie sind die Produkte des i-Umlauts. Als durch die Nebensilbenabschw\u00e4chung das \/i\/ in Nebensilben schwand oder zu [\u0259] reduziert wurde, entfiel der Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Assimilation. Die lautliche Unterscheidung im Stammmorphem wurde jedoch beibehalten, was zu einer nun morphologisch bedingten Allomorphie f\u00fchrte. Seit dem Mittelhochdeutschen ist die Umlautallomorphie deshalb nur noch an bestimmte morphologische Bedingungen gebunden, wie beispielsweise an den Plural in bestimmten Deklinationsmustern.<\/p>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 29) und Ender\/W\u00e4lchli (2013: 96-97).[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Analogie&#8220; tab_id=&#8220;1668429443273-b5b0738c-ce64&#8243;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Analogie bezeichnet eine angleichende Ver\u00e4nderungen eines Elements an ein bereits im Sprachsystem vorhandenes sprachliches Muster. Die Angleichung kann auf verschiedenen sprachlichen Ebenen stattfinden. Im Zusammenhang mit Sprachwandelprozessen kann Analogie zur formalen Angleichung von morphologischen Einheiten f\u00fchren, die lexikalisch oder grammatisch verwandt sind. Es wird zwischen <strong>analogischer Ausbreitung\u00a0<\/strong>(auch proportionale Analogie) und\u00a0<strong>analogischem Ausgleich\u00a0<\/strong>unterschieden.<\/p>\n<p>Bei der analogischen Ausbreitung handelt es sich um die \u00dcbertragung einer morphologischen Bildungsregel in die Paradigmen anderer Lexeme. Der Prozess ist deshalb als paradigmen\u00fcbergreifend zu bezeichnen und erfolgt proportional: <i>x<\/i> verh\u00e4lt sich zu <i>y<\/i>, wie das bereits vorhandene Element <i>a<\/i> zu Element <i>b<\/i>. Hingegen f\u00fchrt der analogische (auch paradigmatische) Ausgleich zur Vereinheitlichung des Stammes in einem alternierenden morphologischen Paradigma. In diesem Fall findet die Analogie innerparadigmatisch statt.<\/p>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 38).[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Flexion&#8220; tab_id=&#8220;1691734756270-e6cfb9ce-fe26&#8243;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Durch Flexion werden die Lexeme gewisser Wortklassen einer Sprache (z.B. Substantive, Verben oder Pronomen) je nach ihrer Funktion im Satz unterschiedlichen morphologischen Abwandlungen unterworfen.<\/p>\n<p>Diese Markierung kann durch die Ver\u00e4nderung des Stamms (Ablaut,\u00a0 Umlaut) und\/oder durch das Anf\u00fcgen von Affixen erfolgen. Entscheidend ist, dass ein einzelnes flexivisches Element mehrere syntaktisch-semantische Informationen ausdr\u00fccken kann. Beispielsweise markiert das Suffix {ern} im Wort <em>Kindern<\/em> sowohl Numerus (Plural) als auch Kasus (Dativ).<\/p>\n<p>Bei der Flexion nominaler Wortarten spricht man in der Regel von <em>Deklination<\/em>, w\u00e4hrend f\u00fcr verbale Flexion der Begriff <em>Konjugation <\/em>verwendet wird. Teilweise wird zwischen <em>innerer Flexion<\/em> (z.B. durch Ablaut) und <em>\u00e4usserer Flexion<\/em> (Affixe werden mit unver\u00e4nderten Wortst\u00e4mmen verbunden) unterschieden.<\/p>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 202).[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Fugenelement&#8220; tab_id=&#8220;1667894054189-59070f17-6c69&#8243;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Fugenelemente bilden eine Morphemkategorie, deren Mitglieder Kompositionsglieder verbinden. Bei Fugenelementen (z.B. <i>-s-, -n-, -en-, -er-, -e-, &#8211;<\/i><i>ens<\/i><i>-, -o-<\/i>) handelt es sich um reanalysierte Affixe (i.d.R. urspr\u00fcngliche Genitiv- oder Pluralmarker), die synchron nicht mehr diese Relationen signalisieren.<\/p>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 214).[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Grammatikalisierung&#8220; tab_id=&#8220;1669038871491-85370acd-78f7&#8243;][vc_column_text]Der Begriff Grammatikalisierung bezeichnet diachrone sprachliche Prozesse, bei denen sich Lexeme oder syntaktische Einheiten zu spezifischen morphologisch-syntaktischen Strukturen verfestigen. Bei diesem Prozess ordnen sich diese Strukturen grammatischen Paradigmen zu, dass heisst, es entsteht eine stabile Verbindung zwischen einer oder mehreren Bedeutungen und einer oder mehreren morphologischen oder syntaktischen Einheiten. Zentrale Annahme ist hierbei, dass die Grammatikalisierung ein gradueller Prozess ist: Der Vorgang der Anreicherung von grammatischen Funktionen und der Eingliederung in bestehende grammatische Paradigmen geht einher mit einem allm\u00e4hlichen Verblassen der Bedeutung der betreffenden Lexeme und dem Verlust an Autonomie.<\/p>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 250).[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Lexem&#8220; tab_id=&#8220;1667891930204-245f9bb5-3ff8&#8243;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Das Lexem ist eine abstrakte Basiseinheit des Lexikons, die im Sprachsystem die Menge der Wortformen (das Wortparadigma) als ein einzelnes \u201eWort\u201c repr\u00e4sentiert. Ein Lexem wird bei der Verwendung als <i>Wortform<\/i> realisiert. Ein Lexem kann auch als Konstituente eines anderen Lexems fungieren.<\/p>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 399).[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Morphem&#8220; tab_id=&#8220;1667892247326-47a34533-3692&#8243;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Von Baudouin de Courtenay um 1880 gepr\u00e4gter Oberbegriff f\u00fcr Beschreibungsbegriffe der herk\u00f6mmlichen \u201eFormenlehre\u201c wie Vorsilbe, Nachsilbe, Endung oder Stamm. Bloomfield bestimmte das Morphem als \u201eminimale Form\u201c, eine Phonemfolge, die nicht in kleinere Einheiten zerlegbar ist und die eine feste Bedeutung besitzt. Es handelt sich entsprechend um die kleinste selbst\u00e4ndig bedeutungstragende Einheit.<\/p>\n<p>\u00dcblicherweise wird aufgrund des Auftretens unterschieden zwischen<\/p>\n<ul>\n<li><b>freien Morphemen<\/b>, die als eigenst\u00e4ndige Wortform auftreten k\u00f6nnen, jedoch nicht m\u00fcssen und<\/li>\n<li><b>gebundenen Morphemen<\/b>, die nie als selbst\u00e4ndige Wortform, sondern immer nur zusammen mit andern Morphemen in einer Wortform auftreten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Basierend auf dem <i>signifi\u00e9<\/i> eines Morphems wird unteschieden zwischen<\/p>\n<ul>\n<li><b>lexikalischen Morphemen<\/b>, die eine Bedeutung im engeren Sinne tragen und entsprechend auf Aussersprachliches referieren und<\/li>\n<li><b>grammatischen Morphemen<\/b>, die innersprachliche \u00abBedeutungen\u00bb tragen. Klassische F\u00e4lle sind hier die sogenannten <i>Flexionsmorpheme, <\/i>wie Kasus-, Numerus-, Person- oder Derivationsmorpheme.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gebundene grammatische Morpheme werden als Affixe bezeichnet. Je nach Ort der Affigierung kann man <b>Pr\u00e4fixe<\/b> (vorn), <b>Suffixe<\/b> (hinten), Infixe (in ein Morphem hinein) und <b>Zirkumfixe<\/b> (um ein anderes Morphem herum) unterscheiden.<\/p>\n<p>Die Affixe werden an den <strong>Stamm <\/strong>angef\u00fcgt, wobei es sich beim Stamm um ein einzelnes freies Morphem oder auch um ein morphologischen Komplex handeln kann. Unter <strong>Wurzel<\/strong> wird hingegen ein morphologisch einfacher (nicht abgeleiteter) Stamm, sprich das zentrale lexikalische Morphem ohne jegliche Affixe, verstanden.<\/p>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 445\/778) und Linke et al. (2004: 67-68).[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Morphologisierung i-Umlaut&#8220; tab_id=&#8220;1668429271189-c227908b-b3fb&#8220;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Morphologisierung ist die Bezeichnung f\u00fcr den Wandel einer phonologischen zu einer morphologischen Erscheinung. Dieser Wandel vollzieht sich, wenn die urspr\u00fcnglich vorhandenen phonetischen Bedingungsfaktoren wegfallen und die phonetische Alternanz als bedeutungstragende, morphologische Markierung reanalysiert wird.<\/p>\n<p>Im Falle des i-Umlauts wurde die ehemals rein phonologische Alternation (z.b. a &gt; e \/_i,j) als morphologische Markierung (f\u00fcr den Plural) reanalysiert. Die urspr\u00fcngliche phonologische Alternation wird dadurch bedeutungstragend. W\u00e4hrend im Ahd. Pluralformen nur durch ein additives Verfahren (Suffigierung) gebildet wurden, kann im Mhd. der Plural zus\u00e4tzlich durch Umlaut markiert werden.<\/p>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 447) und Linke et al. (2004: 441-446).[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Numerusprofilierung&#8220; tab_id=&#8220;1668429807202-1ec2535b-65e8&#8243;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Die morphologische Markierung von Pluralformen wird verdeutlicht, was der Numerusunterscheidung von Substantiven dient. Sprachhistorisch betrachtet fand vom Mhd. zum Nhd. eine Reorganisation der deutschen Substantivflexion statt. In deren Zusammenhang wurden die Flexionsmarkierungen der Kasus abgebaut (Kasusnivellierung), w\u00e4hrend die Numerusdistinktion ausgebaut wurde.<\/p>\n<p>Nach: Szczepaniak (2021).[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Rechtsk\u00f6pfigkeit&#8220; tab_id=&#8220;1667894135113-30559100-0655&#8243;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Mit dem Begriff wird ein strukturelles Ordnungsprinzip in deutschen Wortbildungskonstruktionen bezeichnet. Unter Rechtsk\u00f6pfigkeit versteht man, dass die grammatischen Eigenschaften, die durch die finale Konstituente realisiert werden, f\u00fcr die gesamte Konstruktion gelten.<\/p>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 554).[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Reichenbachsche Ankerpunkte&#8220; tab_id=&#8220;1669038441764-f8619d40-39b2&#8243;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Reichenbach (1947) definierte drei Kriterien, die zu Beschreibung der Semantik von Tempora dienen.<\/p>\n<p>Die <strong>Sprechzeit<\/strong> bezeichnet den prim\u00e4ren Zeitpunkt, zu dem ein Ereignis in Bezug gesetzt wird. Im Normalfall ist dieser Zeitpunkt die aktuelle \u00c4usserungszeit des Sprechens, sie kann aber beispielsweise in schriftlichen Texten auch bereits versetzt sein.<\/p>\n<p>Die <strong>Ereigniszeit<\/strong> ist das Zeitintervall, in dem die beschriebene Handlung stattfindet. Sie kann vor- (Vergangenheit), nach- (Zukunft) oder gleichzeitig zur Sprechzeit liegen.<\/p>\n<p>Der Begriff der <strong>Referenzzeit<\/strong> beinhaltet zwei Bedeutungen:<br \/>\n(a) ein durch den Kontext gegebenes Zeitintervall, zu dem ein Ereignis verortet wird;<br \/>\n(b) ein Zeitintervall, innerhalb dessen ein Ereignis betrachtet wird.<\/p>\n<p>Der Unterschied zwischen Ereigniszeit und Referenzzeit erfasst den semantischen Unterschied zwischen einer prototypischen Perfekt-Semantik zu anderen Vergangenheitstempus. In beiden F\u00e4llen liegt die Ereigniszeit des Verbalereignisses vor der Sprechzeit. Der semantische Unterschied liegt in der Lage der Referenzzeit: Beim Perfekt inkludiert die Referenzzeit die Sprechzeit, das Pr\u00e4teritum verlagert die Referenzzeit vor die Sprechzeit.<\/p>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 182\/557-558\/666)[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Suppletion&#8220; tab_id=&#8220;1667892887649-251bbb51-d639&#8243;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Suppletion liegt vor, wenn flektierte Formen eines Wortes nicht durch das Anf\u00fcgen eines Affixes, sondern durch das Ersetzten des Stamms gebildet werden. Der Stamm wird dabei durch ein Allomorph ersetzt. Im Deutschen weist beispielsweise <i>sein<\/i> (<i>bin, bist, sind, war <\/i>usw.) Suppletion auf.<\/p>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 690).[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Synkretismus&#8220; tab_id=&#8220;1668429134780-b93bc2aa-5ccd&#8220;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]In der Sprachwissenschaft wird mit dem Begriff Synkretismus der formale Zusammenfall in Flexionsparadigmen bezeichnet. Dies f\u00fchrt dazu, dass die grammatischen Funktionen, die urspr\u00fcnglich durch verschiedene Flexionsmorpheme im Paradigma markiert waren, nicht mehr anhand der morphologischen Ausformung erkennbar sind.<\/p>\n<p>Neben diesem innerparadigmatischen Synkretismus tritt auch transparadigmatischer Synkretismus auf, der deutlich im Kasussystem verschiedener indogermanischer Sprachen zu beobachten ist. Bestimmte Formen fallen dabei im Laufe der Sprachentwicklung zusammen. So f\u00e4llt beispielsweise im Germanischen der idg. Vokativ mit dem Nominativ und der idg. Ablativ mit dem Dativ zusammen, w\u00e4hrend im Lateinischen beide Kasus erhalten sind.<\/p>\n<p>Nach: Meineke (2017).[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Verbalflexion&#8220; tab_id=&#8220;1669036530662-608e64b1-c48d&#8220;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]F\u00fcr das Deutsche unterscheidet man die starken von den schwachen und den unregelm\u00e4ssigen Verben. Die starken Verben haben Stammflexion, sie weisen im Pr\u00e4teritum und beim Partizip Perfekt (Partizip II), einige auch bei den Personalformen im Pr\u00e4sens, Vokalwechsel auf. Diese Vokalwechsel sind auf den Ablaut zur\u00fcckzuf\u00fchren. Aufgrund von Verners Gesetz und dem damit verbundenen grammatischen Wechsel sind in den Flexionsparadigmen der starken Verben auch Konsonantenwechsel vorhanden. Viele starken Verben geh\u00f6ren zum hochfrequenten Kernwortschatz und sind h\u00e4ufig Derivationsbasis in der Wortbildung.<\/p>\n<p>Neu gebildete Verben und verbale Lehnbildungen konjugieren stets schwach und bilden die Pr\u00e4teritums- und Partizipformen mit dem Dentalsuffix &#8211;<em>t<\/em>-.<\/p>\n<p>Eine weitere Gruppe von Verben sind die Pr\u00e4terito-Pr\u00e4sentien. Deren Pr\u00e4sensstamm stimmt formal mit dem Pr\u00e4teritum starker Verben \u00fcberein. Die Pr\u00e4teritumsformen werden wie bei den schwachen Verben mit Dentalsuffix gebildet. Mit wenigen Ausnahmen tritt im Pr\u00e4sens ein Vokalwechsel zwischen Sg.- und Pl.-St\u00e4mmen auf. Diachron sind die Pr\u00e4terito-Pr\u00e4sentien durch eine semantische Umdeutung entstanden.<\/p>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 534\/748).[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Wortbildung&#8220; tab_id=&#8220;1667892931823-3d46ef9f-a64a&#8220;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Die Wortbildung ist ein Gebiet der Sprachwissenschaft, das sich mit dem Aufbau zusammengesetzter W\u00f6rter befasst. Neben Pr\u00e4gung (Neologismus) und Entlehnung ist Wortbildung die dritte M\u00f6glichkeit, den Wortschatz zu erweitern. Die kleinste Einheit der Wortbildung ist das Morphem. Abh\u00e4ngig von den beteiligten Morphemen werden verschiedene Wortbildungsmuster unterschieden: Kombinationen von Grundmorphemen sind Komposita, Kombinationen von Grundmorphemen und Affixen sind Derivationen, Wortbildungen ohne hinzugef\u00fcgte Wortbildungselemente sind Konversionen.<\/p>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 771).[\/vc_column_text][vc_toggle title=&#8220;Derivation&#8220;]Als Wortbildungsprozess bezeichnet Derivation (auch Ableitung genannt) das Anf\u00fcgen eines Affixes an eine Derivationsbasis, z. B. <i>un<\/i><i>-fein<\/i>, <i>Ur-vater<\/i>, <i>ess-bar.<\/i><\/p>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 5).[\/vc_toggle][vc_toggle title=&#8220;Konversion&#8220;]In der Wortbildung bezeichnet Konversion ein transponierendes Wortbildungsverfahren ohne Beteiligung expliziter Wortbildungselemente, etwa in <i>laufen <\/i>[Verb] \u2013 <i>Laufen<\/i> [Subst.].<\/p>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 369).[\/vc_toggle][vc_toggle title=&#8220;Komposition&#8220;]Sammelbezeichnung f\u00fcr eine Gruppe von Wortbildungsmustern, deren gemeinsames Merkmal die Verkettung von Konstituenten basierend auf ihrer Wortf\u00e4higkeit ist. Bei der Verkettung, die im Deutschen auf dem Ordnungsprinzip der Rechtsk\u00f6pfigkeit basiert, k\u00f6nnen Fugenelemente eingef\u00fcgt werden. Es werden unterschiedliche Komposita unterschieden:<\/p>\n<ul>\n<li>Determinativkompositum: Bezeichnung f\u00fcr ein Kompositum, dessen initiale Konstituente den Geltungsbereich der finalen Konstituente bestimmt. Beispielsweise kann <em>grau<\/em> durch das Erstglied <em>dunkel<\/em>&#8211; beschrieben werden. Die finale Konstituente ist sowohl Kopf (Tr\u00e4ger der grammatischen Markierungen) als auch der semantische Kern der Bildung.<\/li>\n<li>Kopulativkompositium: Bei einem Kopulativkompositum gibt es im Kompositionsresultat nur ein geringes semantisches Hierarchiegef\u00e4lle zwischen den beteiligten Gliedern. Dies ist beispielsweise in <i>blaugrau<\/i> der Fall, wobei nicht <em>grau <\/em>spezifiert wird sondern eine gleichwertige Mischung der beiden Farben ausgedr\u00fcckt wird.<\/li>\n<li>Zusammenbildung: Bezeichnung f\u00fcr meist dreigliedrige Lexeme mit ambiger Wortbildungsstruktur. Die Elemente einer Zusammenbildung A-B-C kommen weder als A-B noch als B-C frei vor. Alle Elemente erscheinen dadurch als gleichwertig.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 140\/350\/789) und Linke et al. (2004: 70).[\/vc_toggle][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Wortform&#8220; tab_id=&#8220;1667891930216-288ebdd5-e5ad&#8220;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Flektierte Form eines \u201eWortes\u201c, wobei durch die Flexionsmarkierung (z.B. durch einen Suffix) bestimmte grammatische Merkmale (wie z.B. Kasus) ausgedr\u00fcckt werden. Die lexikalische Bedeutung und Wortklasse bleiben dadurch unver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Nach: Gl\u00fcck\/R\u00f6del (2016: 775).[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][\/vc_tta_tour][vc_separator][vc_column_text]Literaturnachweis:<\/p>\n<ul>\n<li>Ender, Andrea\/W\u00e4lchli, Bernhard (2013): W\u00f6rter. In: Auer, Peter (Hrsg.): Sprachwissenschaft. Grammatik. Interaktion. Kognition. Stuttgart: Metzler, S. 91-135.<\/li>\n<li>Gl\u00fcck, Helmut\/R\u00f6del, Michael (Hrsg.) (2016): Metzler Lexikon Sprache. 5., aktualisierte und \u00fcberarbeitete Auflage. Stuttgart: Metzler.<\/li>\n<li>Linke, Angelika\/Nussbaumer, Markus\/Portmann, Paul R. (2004): Studienbuch Linguistik. 5., erw. Auflage. T\u00fcbingen: Niemeyer (= Reihe germanistische Linguistik 121).<\/li>\n<li>Meineke, Eckhard (2017): Synkretismus. In: Schierholz, Stefan (Hrsg.): W\u00f6rterb\u00fccher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft (WSK) Online. Berlin, Boston: De Gruyter.<\/li>\n<li>Reichenbach, Hans (1947): Elements of Symbolic Logic. London. (Reprint: Reichenbach, Hans (1966): Elements of Symbolic Logic. New York: Free Press).<\/li>\n<li>Szczepaniak, Renata (2021): Numerusprofilierung. In Schierholz, Stefan (Hrsg.): W\u00f6rterb\u00fccher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft (WSK) Online. Berlin, Boston: De Gruyter.<\/li>\n<\/ul>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column width=&#8220;1\/4&#8243;][vc_btn title=&#8220;Grundbegriffe&#8220; color=&#8220;orange&#8220; align=&#8220;center&#8220; button_block=&#8220;true&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Fdlf.uzh.ch%2Fsites%2Fdialektressource%2Fstrukturlinguistik%2Fgrundbegriffe%2F|title:Grundbegriffe&#8220;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/4&#8243;][vc_btn title=&#8220;Phonologie&#8220; color=&#8220;sandy-brown&#8220; align=&#8220;center&#8220; button_block=&#8220;true&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Fdlf.uzh.ch%2Fsites%2Fdialektressource%2Fstrukturlinguistik%2Fphonologie%2F|title:Phonologie&#8220;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/4&#8243;][vc_btn title=&#8220;Morphologie&#8220; align=&#8220;center&#8220; button_block=&#8220;true&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Fdlf.uzh.ch%2Fsites%2Fdialektressource%2Fmorphologie%2F|title:Morphologie&#8220;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/4&#8243;][vc_btn title=&#8220;Syntax&#8220; color=&#8220;juicy-pink&#8220; align=&#8220;center&#8220; button_block=&#8220;true&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Fdlf.uzh.ch%2Fsites%2Fdialektressource%2Fstrukturlinguistik%2Fsyntax%2F|title:Syntax&#8220;][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][vc_tta_accordion active_section=&#8220;100&#8243; css_animation=&#8220;fadeInLeft&#8220; no_fill=&#8220;true&#8220; collapsible_all=&#8220;true&#8220;][vc_tta_section title=&#8220;\u00dcberblick&#8220; tab_id=&#8220;1692003021754-e68bd470-4806&#8243;][vc_column_text]Unter dem Begriff Morphologie wird in der klassischen Grammatikschreibung die Lehre vom Wort verstanden. 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