 {"id":241,"date":"2022-08-30T13:28:17","date_gmt":"2022-08-30T13:28:17","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/dialektressource\/?page_id=241"},"modified":"2023-08-22T11:01:19","modified_gmt":"2023-08-22T11:01:19","slug":"transfer-ideen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/dialektressource\/linguistik-in-der-schule-einleitung\/transfer-ideen\/","title":{"rendered":"Ideen f\u00fcr Transfer: Linguistik &gt; Sprachdidaktik"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#8220;1\/3&#8243;][vc_btn title=&#8220;Ideen f\u00fcr Transfer: Linguistik &gt; Sprachdidaktik&#8220; align=&#8220;center&#8220; button_block=&#8220;true&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Fdlf.uzh.ch%2Fsites%2Fdialektressource%2Flinguistik-in-der-schule-einleitung%2Ftransfer-ideen%2F|title:Ideen%20f%C3%BCr%20Transfer&#8220;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/3&#8243;][vc_btn title=&#8220;Unterrichtsvorschl\u00e4ge&#8220; color=&#8220;peacoc&#8220; align=&#8220;center&#8220; button_block=&#8220;true&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Fdlf.uzh.ch%2Fsites%2Fdialektressource%2Flinguistik-in-der-schule-einleitung%2Funterrichtsvorschlaege%2F|title:Unterrichtsvorschl%C3%A4ge&#8220;][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/3&#8243;][vc_btn title=&#8220;Linguistic landscapes&#8220; color=&#8220;blue&#8220; align=&#8220;center&#8220; button_block=&#8220;true&#8220; link=&#8220;url:https%3A%2F%2Fdlf.uzh.ch%2Fsites%2Fdialektressource%2Flinguistik-in-der-schule-einleitung%2Flinguistic-landscapes%2F|title:Linguistic%20landscapes&#8220;][\/vc_column][\/vc_row][vc_row css_animation=&#8220;fadeInLeft&#8220;][vc_column][vc_tta_accordion active_section=&#8220;100&#8243; no_fill=&#8220;true&#8220; collapsible_all=&#8220;true&#8220;][vc_tta_section title=&#8220;Allgemeine Hinweise&#8220; tab_id=&#8220;1692016514762-a76b3f3c-5821&#8243;][vc_column_text]In diesem Bereich stellen wir linguistische Themen (in Form von grob skizzierten Themen; ausgearbeitete Unterrichtsvorschl\u00e4ge finden sich <a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/dialektressource\/linguistik-in-der-schule-einleitung\/unterrichtsvorschlaege\/\">hier<\/a>) vor, die sich f\u00fcr die Behandlung in der Schule eignen. Die Zielgruppe umfasst dabei vorrangig Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der Sekundarstufe II, manche Themen eignen sich aber auch f\u00fcr die Sekundarstufe I. Die ausgew\u00e4hlten Inhalte passen thematisch zum Kompetenzbereich \u201eSprache und Sprachgebrauch\u201c reflektieren: Hierbei geht es um die F\u00e4higkeit, \u201edie Systematik und Struktur von Sprache wie auch ihre kommunikativen und medialen Verwendungsweisen zum Gegenstand der Reflexion zu machen\u201c (Feilke\/Jost 2015: 236). Dazu geh\u00f6rt auch, die Struktur und Funktion von Sprachvariet\u00e4ten zu beschreiben (siehe Feilke\/Jost 2015: 238). Unter \u201eKompetenzbereich\u201c sind Leistungsanforderungen im fachlichen Bereich zu verstehen, auch bekannt als \u201eBildungsstandards\u201c (vgl. f\u00fcr einen \u00dcberblick \u00fcber die Bildungsstandards f\u00fcr das Fach Deutsch, Becker-Mrotzek et al. 2015). Im Kompetenzbereich \u201eSprache und Sprachgebrauch\u201c gibt es nun, wie das obige Zitat zeigt, einen sprach<em>systematischen<\/em> Aspekt (Sprache als System) und einen sprach<em>funktionalen<\/em> Aspekt (Sprache als Kommunikationsmedium). Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sollen nachvollziehen, dass Sprache nach bestimmten Regeln funktioniert und dass Sprache aus verschiedenen Gestaltungsmitteln besteht, welche man f\u00fcr eine (gelungene) Kommunikation einsetzt.[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][\/vc_tta_accordion][\/vc_column][\/vc_row][vc_row css_animation=&#8220;fadeInRight&#8220;][vc_column][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_tta_tour color=&#8220;sky&#8220; controls_size=&#8220;md&#8220; active_section=&#8220;1&#8243;][vc_tta_section title=&#8220;Arealtypologie&#8220; tab_id=&#8220;1675888020527-64c12800-bf6c&#8220;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Die \u201eTypologie\u201c ist eine Teildisziplin der Linguistik, die die Sprachen der Welt auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede vergleicht, in Bezug auf eine bestimmte Eigenschaft wie die Wortstellung oder die Negation.<\/p>\n<p>Die \u201eArealtypologie\u201c ber\u00fccksichtigt bei der Suche und Erforschung von Gemeinsamkeiten und Unterschiede auch die Sprachgeografie, und fragt sich zum Beispiel, ob dasselbe Muster in zwei geografisch benachbarten Sprachen durch Sprachkontakt entstanden ist. Dies ist besonders interessant, wenn die beiden benachbarten Sprachen aus zwei verschiedenen Sprachfamilien stammen (siehe dazu <a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/dialektressource\/linguistik\/grundbegriffe\/#1666087649538-f8c3972b-1244\">germanische Sprachen<\/a> und <a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/dialektressource\/linguistik\/grundbegriffe\/#1666087264615-4841488b-cecb\">indoeurop\u00e4ische Sprachfamilie<\/a>).<\/p>\n<p>Wenn die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler Englisch beherrschen, dann k\u00f6nnte man mit ihnen gemeinsam die Webseite \u201eWorld Atlas of Language Structures\u201c (Dryer\/Haspelmath 2013) (kurz: WALS) n\u00e4her anschauen: <a href=\"https:\/\/wals.info\/\">WALS<\/a> und folgende Beispiele \u00fcberpr\u00fcfen:<\/p>\n<p>-Frage: Wo kommen Sprachen mit bedeutungsunterscheidendem Kontrast zwischen nasalen und nicht-nasalen Vokalen vor (wie im Franz\u00f6sischen \/p\u025b\u0303\/ pain \u201aBrot\u2018 vs. \/p\u025b\/ paix \u201aFrieden\u2018)?<\/p>\n<p>Antwort: Solche Sprachen kommen fast ausschliesslich in tropischen Regionen S\u00fcdamerikas und Afrikas, dem n\u00f6rdlichen Teil des s\u00fcdasiatischen Subkontinents und in grossen Gebieten Nordamerikas vor (vgl. Blumenthal-Dram\u00e9\/Kortmann 2013: 307 sowie Merkmal 20 \u201eVowel Nasalization\u201c im WALS).<\/p>\n<p>&#8211; Frage: Wo werden Pronomen eingesetzt, um H\u00f6flichkeit auszudr\u00fccken, so wie im Deutschen \u201edu\u201c vs. \u201eSie\u201c?<\/p>\n<p>&#8211; Antwort: Merkmal 45 \u201ePoliteness Distinctions in Pronouns\u201c im WALS.[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Dialektgliederung des Deutschen&#8220; tab_id=&#8220;1675888020536-1c54b8a8-33cd&#8220;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Ein Teilbereich der Linguistik, die forensische Linguistik, findet praktische Anwendung bei der Polizei: Sprechdaten (z.B. anonymer Anruf) oder auch schriftliche Daten (z.B. Erpresserbrief) werden von Linguistinnen und Linguisten auf verschiedene Merkmale hin \u00fcberpr\u00fcft. Die Merkmale k\u00f6nnen Auskunft geben \u00fcber die Herkunft der Verfasserin oder des Verfassers. Man kann h\u00f6ren, aus welcher Region jemand kommt, ob jemand muttersprachlich Deutsch spricht oder \u00fcber eine andere\/weitere Sprache als Muttersprache verf\u00fcgt. Was die Dialektgliederung des Deutschen betrifft, so findet man einen guten \u00dcberblick \u00fcber Isoglossen im deutschsprachigen Raum in K\u00f6nig (2015), auch in Form von Abbildungen. Die Dialektgliederung des Deutschen ist regelhaft, sie l\u00e4sst sich als <a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/sites\/dialektressource\/linguistik\/phonologie\/#1661778261966-563b3456-ec4b\">zweite Lautverschiebung<\/a> abbilden.[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Dialektsyntax&#8220; tab_id=&#8220;1675888036407-3ad33c6f-72c8&#8243;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler k\u00f6nnten sich n\u00e4her mit der Syntax des Schweizerdeutschen befassen: Die einzelnen Kantone unterscheiden sich nicht nur lautlich voneinander, sondern auch im Bereich des Satzbaus. Hierzu k\u00f6nnte man die Ergebnisse (sowie Methode) einer grossangelegten Dialekterhebung zur Syntax des Schweizerdeutschen n\u00e4her untersuchen sowie selbst Karten zeichnen: <a href=\"https:\/\/dialektsyntax.linguistik.uzh.ch\/\">SADS online<\/a> (Seiler et al. 2021). Je nachdem, wie heterogen bzw. homogen die Klasse ist in Bezug auf die Herkunft der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, k\u00f6nnten diese mit und an ihren Klassenkameradinnen und -kameraden einzelne Fragebogenfragen testen. Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler k\u00f6nnten so \u00fcberpr\u00fcfen, ob die Ergebnisse des &#8222;<a href=\"https:\/\/www.dialektsyntax.uzh.ch\/de.html\">Syntaktischen Atlas der deutschen Schweiz (SADS)<\/a>&#8220; mit ihrer eigenen kleinen Datenerhebung \u00fcbereinstimmen.[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Diglossie&#8220; tab_id=&#8220;1675888037126-90e58b34-d173&#8243;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Der Terminus \u201eDiglossie\u201c wurde von Charles Ferguson eingef\u00fchrt und beschreibt eine stabile Sprachsituation, in welcher &#8222;zwei Varianten einer Sprache nebeneinander bestehen und jede von ihnen eine bestimmte Rolle zu spielen hat&#8220; (Ferguson 1982: 254). Ferguson illustriert den Begriff am Beispiel von vier verschiedenen Sprachkontaktsituationen, unter Anderem auch am Schweizerdeutschen. Wichtig sind die Begriffe &#8222;H-Variante&#8220; (f\u00fcr <em>high<\/em>) und &#8222;L-Variante&#8220; (f\u00fcr <em>low<\/em>). Die H-Variante wird \u00fcblicherweise in formellen Kontexten verwendet (z.B. Vorlesung an der Universit\u00e4t, Zeitungsartikel), die L-Variante in informellen Situationen (z.B. Unterhaltung mit Freunden\/Familie, volkst\u00fcmliche Literatur). Ferguson macht eine diglossische Situation an verschiedenen Merkmalen fest, u.a. Funktion (formell\/informell), Prestige, literarisches Erbe und Spracherwerb. (Vgl. f\u00fcr diesen Abschnitt, Ferguson 1982).<\/p>\n<p>Da in der Schweiz, etwas vereinfacht formuliert, die Funktionsaufteilung nach dem Medium erfolgt (Dialekt wird <em>gesprochen<\/em>, Standard wird <em>geschrieben<\/em>), wird die Sprachsituation auch als \u201emediale Diglossie\u201c charakterisiert. Weitere Informationen zur Sprachsituation in der Schweiz, siehe Haas (2004) sowie zum Begriff der medialen und funktionalen Diglossie, Burger\/Luginbu\u0308hl (2014: 390).<\/p>\n<p>Im Unterricht k\u00f6nnte man mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern bearbeiten, welche \u201eSprache\u201c man in welchen Kontexten\/Situationen spricht oder schreibt: Schulaufsatz vs. Bewerbungsschreiben, M\u00fcndlichkeit vs. Schriftlichkeit, Sprache der N\u00e4he vs. Sprache der Distanz (Koch\/Osterreicher 1985), Gespr\u00e4ch mit Freunden vs. Vorstellungsgespr\u00e4ch. Man k\u00f6nnte auch die Sprachsituation in der Schweiz mit jener in Deutschland (und \u00d6sterreich) vergleichen: Dort gibt es keine Diglossie, sondern man spricht (zumindest f\u00fcr S\u00fcddeutschland) von einem \u201eKontinuum\u201c: Es gibt keine klare Trennung zwischen Dialekt und Standard, sondern ein Kontinuum (viele kleine \u00dcberg\u00e4nge) zwischen den beiden Variet\u00e4ten. Man kann mal mehr oder weniger Dialekt\/Standard sprechen, es gibt Abstufungen, vgl. dazu z.B. Ammon (1995), Spiekermann (2007).[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Mehrsprachigkeit&#8220; tab_id=&#8220;1675888038282-102b807c-4bc9&#8243;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Mehrsprachigkeit bedeutet, dass eine Sprecherin oder ein Sprecher \u201ein den meisten Situationen ohne weiteres von der einen Sprache zur anderen umschalten kann, wenn es n\u00f6tig ist\u201c (Riehl 2013: 377). Mehrsprachigkeit treffen wir \u00fcberall, interessant f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler k\u00f6nnte zum Beispiel die Mehrsprachigkeit in urbanen R\u00e4umen sei (vgl. Wiese 2020). Eine besondere Form der Mehrsprachigkeit ist nat\u00fcrlich die mehrsprachige Schweiz selbst. Dabei k\u00f6nnte man auf die drei verschiedenen Formen der Mehrsprachigkeit (nach L\u00fcdi 1996) eingehen: (a) individuelle Mehrsprachigkeit, also Mehrsprachigkeit in Bezug auf die einzelne Sprecherin und den einzelnen Sprecher, (b) gesellschaftliche Mehrsprachigkeit, also Sprachgebrauch in mehrsprachigen Staaten oder Regionen und (c) institutionelle Mehrsprachigkeit, also der Sprachgebrauch mehrerer Sprachen auf der Ebene der Institutionen.[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Sprachevolution&#8220; tab_id=&#8220;1675888038780-2ef9c14a-6138&#8243;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Bei diesem Thema w\u00fcrde sich die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus der Biologie und Geschichte anbieten. \u201eSprachevolution\u201c ist ein komplexes Thema, dem man nur mit einem interdisziplin\u00e4ren Ansatz auf die Schliche kommen kann.<\/p>\n<p>Bei der Evolution von Sprache geht es um die Entwicklung von kommunikativen F\u00e4higkeiten und die Ausbildung von grammatischen Strukturen, die uns erlauben, komplexe Sachverhalte auszudr\u00fccken und mitzuteilen. Die Erkl\u00e4rung der menschlichen Sprachf\u00e4higkeiten besteht aus dem Zusammenspiel von (a) genetisch-biologischer Evolution und (b) kultureller Evolution. Unter \u201egenetisch-biologischer Evolution\u201c sind biologische Ver\u00e4nderungen (via \u00dcbertragung des Erbguts oder Mutation) zu verstehen, beispielsweise im menschlichen Vokaltrakt, die uns eine differenzierte Lautproduktion erm\u00f6glichen. Unter \u201ekultureller Evolution\u201c ist die \u00dcbertragung von Informationen zu verstehen (via Imitation oder Instruktion). Dadurch gelingt und verbessern wir den Einsatz von Artefakten (wie Sehhilfen oder immer schnelleren Fortbewegungsmittel) und wir sichern mittels Sprache den sozialen Zusammenhalt. Zusammenfassend stellt die menschliche Sprachf\u00e4higkeit einen selektiven Vorteil und evolution\u00e4ren Nutzen dar.<\/p>\n<p>Dieser Abschnitt basiert auf Behrens\/Pf\u00e4nder (2013: 319-322).[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Sprachinseln&#8220; tab_id=&#8220;1675888039327-d485808e-63d1&#8243;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Eine Sprachinsel ist eine \u201erelativ kleine geschlossene Sprach- und Siedlungsgemeinschaften in einem anderssprachigen, relativ gr\u00f6\u00dferen Gebiet\u201c (Wiesinger 1983: 901). Eine Sprachinsel entsteht, wenn Sprecherinnen und Sprecher ihre Heimat verlassen, zum Beispiel aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden oder \u00f6konomischen Gr\u00fcnden. Der Kontakt zur alten Heimat bricht ab und die ausgewanderten Sprecherinnen und Sprecher kommen stattdessen mit der neuen Umgebungssprache in Kontakt. Sprecherinnen und Sprecher von Sprachinseln sind also mehrsprachig.<\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr eine schweizerdeutsche Sprachinsel im Ausland ist das Amish Shwitzer in Nordamerika: Die Variet\u00e4t hat ihre Wurzeln im Berndeutschen des 18. und 19. Jahrhunderts, als T\u00e4ufer in die Vereinigten Staaten ausgewandert sind (vgl. Seiler 2017 sowie die Webseite zum <a href=\"https:\/\/www.ds.uzh.ch\/de\/projekte\/shwitzer\/information.html\">Amish Shwitzer<\/a>).<\/p>\n<p>Es gibt aber auch ganz in unserer N\u00e4he Sprachinseln, zum Beispiel im Jura (vgl. Siebenhaar 2004) oder im Tessin mit Bosco Gurin (vgl. Bachmann\/Glaser 2019).<\/p>\n<p>Besonders interessant f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler k\u00f6nnten soziolinguistische Aspekte und geschichtliche Aspekte sein: Wann und warum mussten Menschen aus ihrer Heimat auswandern? Und in welchen Situationen sprechen die Menschen welche Sprache?[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][vc_tta_section title=&#8220;Wortstellungstypologie&#8220; tab_id=&#8220;1675888092508-a680614f-c08b&#8220;][vc_empty_space height=&#8220;5px&#8220;][vc_column_text]Joseph Greenberg (1963) hat beim Vergleich der Wortstellung vieler Sprachen der Welt drei dominierende Abfolgen festgestellt (V = Verb, S = Subjekt, O = Objekt): <strong>VSO<\/strong>, z.B. Irisch, <strong>SVO<\/strong>, z.B. Englisch und Franz\u00f6sisch und<strong> SOV<\/strong>, z.B. T\u00fcrkisch.<\/p>\n<p>Das Deutsche hat leider keine so eindeutige Wortstellung. Denn: Wie sieht die Wortstellung im Hauptsatz und wie im Nebensatz aus?<\/p>\n<p>&#8222;Die Kinder freuen sich auf die Schule.&#8220; Dies ist ein Hauptsatz und wir haben die Abfolge S (<em>die Kinder<\/em>), V (<em>freuen<\/em>), O (<em>die Schule<\/em>). SVO<\/p>\n<p>&#8222;weil die Lehrerinnen und Lehrer den Unterricht gut vorbereiten.&#8220; Dies ist ein Nebensatz und wir haben die Abfolge S (<em>die Lehrerinnen und Lehrer<\/em>), O (<em>den Unterricht<\/em>), V (<em>vorbereiten<\/em>). SOV<\/p>\n<p>Im Deutschen ist also sowohl SVO und SOV m\u00f6glich. Das wird besonders deutlich, wenn man das Deutsche z.B. mit dem Englischen oder Franz\u00f6sischen vergleicht. Hier k\u00f6nnten die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler nun jeweils einen Haupt- und Nebensatz bilden \u2013 und feststellen, dass in beiden Sprachen die Abfolge immer SVO ist.<\/p>\n<p>Ein Beispiel aus dem Englischen: &#8222;The children love chips&#8220; &#8218;Die Kinder lieben Pommes&#8216; mit der Abfolge SVO. Und im Nebensatz ebenfalls SVO: &#8222;Because they can eat them with their fingers.&#8220; &#8218;Weil sie diese mit den Fingern essen k\u00f6nnen&#8220;.[\/vc_column_text][\/vc_tta_section][\/vc_tta_tour][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][vc_separator][vc_column_text]Literaturnachweis:<\/p>\n<ul>\n<li>Ammon, Ulrich (1995): Die deutsche Sprache in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz. Das Problem der nationalen Variet\u00e4ten. Berlin\/New York: De Gruyter.<\/li>\n<li>Bachmann, Sandro\/Glaser, Elvira (2019): Bosco Gurin \u2013 Das Walserdorf im Tessin und seine Sprache(n). In: Swiss Academies Reports 414, SAGW, Bern.<\/li>\n<li>Becker-Mrotzek, Michael\/K\u00e4mper-van den Boogaart, Michael\/K\u00f6ster, Juliane K\u00f6ster\/Stanat, Petra Stanat\/Gippner, Gabriele Gippner (2015) (Hrsg.): Bildungsstandards aktuell: Deutsch in der Sekundarstufe II. Braunschweig: Westermann Schroedel Diesterweg Sch\u00f6ningh Winklers GmbH.<\/li>\n<li>Behrens, Heike\/Pf\u00e4nder, Stefan (2013): Die Entstehung von Sprache. In: Peter Auer (Hg.): Sprachwissenschaft. Stuttgart: Metzler, 319-322.<\/li>\n<li>Blumenthal-Dram\u00e9, Alice\/Kortmann, Bernd (2013): Die Verschiedenheit der Sprachen. In: Peter Auer (Hg.): Sprachwissenschaft. Stuttgart: Metzler, 285-317.<\/li>\n<li>Burger, Harald\/Martin Luginbu\u0308hl (2014): Mediensprache. Eine Einfu\u0308hrung in Sprache und Kommunikationsformen der Massenmedien. Berlin: De Gruyter.<\/li>\n<li>Dryer, Matthew S. &amp; Haspelmath, Martin (eds.) 2013. The World Atlas of Language Structures Online. Leipzig: Max Planck Institute for Evolutionary Anthropology. (Available online at http:\/\/wals.info, Accessed on 2022-10-17.)<\/li>\n<li>Feilke, Helmuth\/Jost, J\u00f6rg (2015), unter Mitarbeit von Angelika Buss und Ulrich Nill: Sprache und Sprachgebrauch reflektieren. In: Becker-Mrotzek, Michael\/K\u00e4mper-van den Boogaart, Michael\/K\u00f6ster, Juliane K\u00f6ster\/Stanat, Petra Stanat\/Gippner, Gabriele Gippner (2015) (Hrsg.): Bildungsstandards aktuell: Deutsch in der Sekundarstufe II. Braunschweig: Westermann Schroedel Diesterweg Sch\u00f6ningh Winklers GmbH, 236-296.<\/li>\n<li>Ferguson, Charles A. (1982): Diglossie. In: Steger, Hugo (Hg.): Anwendungsbereiche der Soziolinguistik. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 253-276 [\u00dcbersetzung von: Ders. (1959): Diglossia. In: Word. Journal of the Linguistic Circle of New York 15, 325-340].<\/li>\n<li>Greenberg, Joseph (1963): Some Universals of Grammar with Particular Reference to the Order of Meaningful Elements. In: Joseph Greenberg (Hrsg.): Universals of Language, Cambridge\/MA: MIT Press Cambridge, S. 58-90.<\/li>\n<li>Haas, Walter (2004): Die Sprachsituation in der deutschen Schweiz und das Konzept der Diglossie. In: Helen Christen (Hrsg.): Dialekt, Regiolekt und Standardsprache im sozialen und zeitlichen Raum. Wien, S. 81-110.<\/li>\n<li>Keller, Rudolf E. (1995): Die deutsche Sprache. 2. Auflage. Hamburg: Buske.<\/li>\n<li>Koch, Peter\/Oesterreicher, Wulf (1985): Sprache der N\u00e4he \u2013 Sprache der Distanz. M\u00fcndlichkeit und Schriftlichkeit im Spannungsfeld von Sprachtheorie und Sprachgeschichte. In: Romanistisches Jahrbuch 36, 15-43.<\/li>\n<li>K\u00f6nig, Werner (2015): dtv-Atlas Deutsche Sprache, 18., durchgesehene und korrigierte Auflage. M\u00fcnchen: dtv.<\/li>\n<li>L\u00fcdi, Georges (1996): Mehrsprachigkeit. In: Goebl, Hans et al. (Hrsg.): Kontaktlinguistik\/Contact Linguistics\/La Linguistique de Contact (HSK), Band 1, S. 233-245.<\/li>\n<li>Riehl, Claudia M. (2013): Mehrsprachigkeit und Sprachkontakt. In: Peter Auer (Hrsg.): Sprachwissenschaft. Stuttgart: Metzler, 377-404.<\/li>\n<li>Schmidt, Wilhelm (2013): Geschichte der deutschen Sprache: Ein Lehrbuch f\u00fcr das germanistische Studium. 11., verbesserte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Hirzel.<\/li>\n<li>Seiler, Guido (2017): Wenn Dialekte Sprachen sind, dann ist Dialektkontakt Sprachkontakt: Zum \u201eShwitzer\u201c der Amischen in Adams County, Indiana (USA). In: Zeitschrift f\u00fcr Dialektologie und Linguistik 84, S. 202-231.<\/li>\n<li>Seiler, Guido\/Bachmann, Sandro\/Gra\u00ebn, Johannes\/Rajovi\u0107, Nikolina\/van der Lek, Adrian\/Hachfi, Ghazi\/Musta\u010d, Igor\/Glaser, Elvira\/Ranacher, Peter\/Weibel, Robert (2021): Syntaktischer Atlas der deutschen Schweiz online (SADS online), IV.23. Deutsches Seminar\/Linguistic Research Infrastructure\/UFSP Sprache und Raum, Universit\u00e4t Z\u00fcrich. [https:\/\/dialektsyntax.linguistik.uzh.ch\/]<\/li>\n<li>Siebenhaar, Beat (2004): Die deutschen Sprachinseln auf den Jurah\u00f6hen der franz\u00f6sischsprachigen Schweiz. In: Zeitschrift f\u00fcr Dialektologie und Linguistik 71, 180\u2013212.<\/li>\n<li>Spiekermann, Helmut (2007): Standardsprache im DaF-Unterricht: Normstandard \u2013 nationale Standardvariet\u00e4ten \u2013 regionale Standardvariet\u00e4ten. In: Linguistik online 32.3.<\/li>\n<li>Wiese, Heike (2020): Contact in the City. In:\u00a0 Raymond Hickey (Hrsg.): Wiley Handbook of Language Contact. Hoboken: Wiley-Blackwell, S.261-279.<\/li>\n<li>Wiesinger, Peter (1983): Die Einteilung der deutschen Dialekte. 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