Wir sind attraktiv!

Hildegard

Prof. Dr. Hildegard Keller empfängt mich unprätentiös in ihrer Dachwohnung an der Zollikerstrasse. Augenfällig sind die Bücher, die hinter ihrem Schreibtisch eine ganze Wand einnehmen und auch auf den Tischen und Fenstersimsen liegen. Als sie mich begrüsst, läuft an ihrem Arbeitsplatz noch der Computer. Sie schreibt gerade an der Biographie von Alfonsina Storni, ihrem aktuellen Projekt. Das tut sie an der gleichen Stelle, an der schon Max Frisch in die Tasten haute, als er in diesem Haus noch das Familienleben genoss. Im Interview spricht die Literaturwissenschaftlerin und -kritikerin, Jurorin, Autorin und Regisseurin über Höhepunkte des letzten Blockseminars, die Mängel der Universität Zürich und die Unstimmigkeiten im „Literaturclub“ von SRF.

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Geherzte Zeilen

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Stephanie spricht Manuel mit folgenden Zeilen direkt aus der Seele:

„Der Schwerpunkt des ersten Buchs liegt auf Stadens Gefangenschaft bei den Tupinambá. In diesen Kapiteln steht die subjektive Erfahrung von Staden im Zentrum. Die „Wirklichkeit“ schliesst Stadens Konzeption der Wilden und vor allem auch sich selbst mit ein. Daher ist eine Analyse, welche Beschreibungen von Staden fiktiv sein könnten und welche nicht, nicht sinnvoll. Vielmehr geht es um die schlüssige Konstruktion einer subjektiven Wahrheit.“

Diese Aussage sollte für die Diskussionen immer im Hinterkopf behalten werden, oder sogar (nach einem Vorschlag von Manuel) fett an die Schulzimmerwand geschrieben werden.

by Noemi

Ein paar Worte zum Schluss

Hervorgehoben

In den drei Tagen des Blockseminars waren wir auf hoher See und haben eine lange Reise unternommen. Glücklicherweise versorgte uns die Kapitänin mit viel Proviant sowohl geistiger wie auch materieller Natur. Nicole hat uns zudem mit Speisen der fremden Destination beglückt. Trotz der Angst vor Gefahren wie Kannibalismus, Krankheiten und Monstern unter uns im Meer, haben wir unsere Augen geöffnet und viele Einblicke in eine scheinbar andere Welt erhascht, die eigentlich gar nicht so verschieden von unserer ist.

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Leider hat alles ein Ende. Die Reise mag vorbei sein, aber die spannenden Geschichten, neuen Eindrücke und Bekanntschaften werden uns noch lange begleiten. Sie kreisen in unserem Kopf und formen die Frage: Wann ist das nächste Blockseminar?

by Nathalie

 

Gewaltfreie Piraten und ihre Gegner

Fatima Stadler fühlt einem Webpiraten auf den Zahn (inspiriert vom Stichwort Nachdrucke oder eigentlich Raubdrucke im 16. Jahrhundert) und lässt einen Widersacher zu Wort kommen. Basierend auf realgeführten Interviews setzt Fatima Piraten und Piratenjäger in Szene. In den jeweiligen Rollen des kurzen Zweiakters brillieren die Autorin selbst und Marcel Herwehe. Eine brisante Expedition ins 21. Jahrhundert, die zum Denken anregt.

by Raoul

Unveröffentlichte Tagebucheinträge: Hans Staden in Zürich

Wie würde Hans Staden das 21. Jahrhundert beschreiben? Diese Frage beantwortet Marcel Herwehe in einem literarischen Versuch. In einem fiktiven Tagebucheintrag beschreibt Staden seine Erfahrungen im heutigen Zürich, wo er dank eines indigenen Zaubertrankes gestrandet ist. Angetan von Victorias Sekreten und Marcels Verkupplungskünsten bleibt dem Söldner aus dem 16. Jahrhundert nichts erspart. Das wohl grösste Abenteuer Stadens – exklusiv auf unserem Blog!

by Raoul

Damals, weisst Du noch?

Seit dem Blockseminar ist einige Zeit verstrichen. Der Alltag hat uns wieder eingeholt und die meisten kämpfen wahrscheinlich schon wieder mit Prüfungen und Seminararbeiten. Statt zu lernen, schreibe ich lieber diesen Rückblick. Beim Schreiben kann ich mich an die gemeinsame Reise in eine andere Zeit erinnern. An eine Reise, in der alles bis auf das Blockseminar so weit weg schien. Wir durften nette Menschen treffen, wurden kulinarisch verwöhnt… Doch halt! stopp! Ich möchte hier nicht das Feedback der anderen Mitreisenden vorwegnehmen. Sie sollen nämlich selbst zu Wort kommen. Ihnen wurden vier unterschiedliche Aussagen vorgelegt, auf die sie auf verschiedene Weise reagieren konnten: In schriftlicher und zeichnerischer Form.

Äußerst witzig fand ich:

  • Männer in Hotpants (mit oder ohne Strumpfhose)
  • Marcels Wortspiele mit Victoria’s SEKRET und dem SCHAM-PO.

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Der Höhepunkt des Blockseminars:
Neben den spannenden Diskussionen, die leider teils etwas kurz gehalten werden mussten, war für mich das im Seminar entstandene Gemeinschaftsgefühl das eigentliche Highlight. Und natürlich der Apéro am Freitag… 😉

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Ein (un-)willkommener Besuch im Landesmuseum

Die Diskussionen und Vorträge des Blockseminars verfolgten wir mit Spannung. Trotzdem freuten wir uns über Abwechslung in Form von Ausflügen – besonders am letzten Tag. Raus aus dem muffigen Seminarraum und ab ins Landesmuseum! Kaum angekommen, wollte uns ein Mitarbeiter die Ausstellung Expedition ins Glück ausreden und uns nur Zutritt zur normalen Ausstellung gewähren. Natürlich war das anders abgemacht. Wir gaben vor, seinen Anweisungen zu folgen. Die Dauerausstellung wollten wir sowieso sehen. Da sahen wir Heiligenbilder, die sich als Landschaftsbilder tarnten und hatten Déjà-vus von nackten Menschen, Wilden und Söldnern. Wir schienen auch hier besondere Gäste zu sein. Jedesmal, wenn sich einer von uns auch nur auf einen halben Meter einem der wertvollen Ausstellungsstücken näherte, liess uns ein Alarm zusammenzucken, der dem Kampfgeschrei der Tupinambàs Konkurrenz gemacht hätte.
Nach diesem Abenteuer forderte uns Hildegard implizit auf, gegen die kurzfristig umdefinierten Museums-Weisungen zu rebellieren und die Expedition ins Glück doch noch anzutreten: „Wenn die Museumswärter mich ansprechen sollten, sage ich ihnen, dass ihr erwachsen seid und selbst entscheidet, wo ihr hingeht.“ Auf unserer rebellischen Expedition überfluteten uns Eindrücke jeglicher Art: Von einem nackten, bergsteigenden Hermann Hesse bis hin zu einem dunklen Gang, in dem man Schüsse vernehmen konnte.
Nach der ganzen Aufregung konnten wir uns frischen Mutes wieder den Vorträgen und Diskussionen widmen.

LM 1

Erst im 20. Jh. entdeckte man, dass sich unter dem Tafelbild von Hans Leu dem Älteren schöne Abbildungen des Heiligen Felix und der Heiligen Regula befinden. Die wurden während der Reformation übermalt .

LM 2

Die Körper von wilden Frauen und Männern malte, wob, stickte und strickte man über und über behaart.

by Timon

Meins oder deins?

Heute sind für einmal nicht die Bezirksschüler einer Privatschule in Aarau seine Zuhörer, sondern die Hans-Staden-Truppe am Deutschen Seminar unter der Leitung von Professorin Hildegard Keller.  Als passioniertem Historiker gelingt es Andi zweifelsohne, dem kritischen Publikum Norbert Gstreins Zitat und seinen Bezug zu unserem Seminarthema fassbar zu machen:

Es ist immer eine Okkupation, eine fremde Geschichte zur eigenen zu machen, selbst wenn man die eigene in der fremden nur spiegelt.“

Dass Gstreins Aussage die entgegengesetzte Situation von Johann Dryanders Bemühungen darstellt, den Wahrheitsanspruch der Wahrhaftigen Historia Hans Stadens mit allen Mitteln zu untermauern, leuchtet ein. Doktor Dryander schrieb die Vorrede zu Stadens Reisebericht.

Andreas

Der Historiker und Germanist, Blogspezialist und vieles mehr bringt’s auf den Punkt: Historia beweist nicht, sie erzählt. Wahrheit ist eine Frage der Perspektive, subjektiv!

Merci, Andi

by Sunniva