{"id":41,"date":"2024-11-10T14:49:29","date_gmt":"2024-11-10T13:49:29","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/xii-dies-romanicus-turicensis\/?post_type=chapter&#038;p=41"},"modified":"2025-05-09T09:33:30","modified_gmt":"2025-05-09T07:33:30","slug":"graf-cathomas","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/xii-dies-romanicus-turicensis\/chapter\/graf-cathomas\/","title":{"raw":"<em>New Speaker<\/em> des R\u00e4toromanischen in der deutschschweizerischen Diaspora \u2013 Erste Erkenntnisse zu ihrer Bedeutung f\u00fcr die Sprachweitergabe","rendered":"<em>New Speaker<\/em> des R\u00e4toromanischen in der deutschschweizerischen Diaspora \u2013 Erste Erkenntnisse zu ihrer Bedeutung f\u00fcr die Sprachweitergabe"},"content":{"raw":"<h6 style=\"font-weight: 400\">Institut f\u00fcr Kulturforschung Graub\u00fcnden<\/h6>\r\n<strong>Abstract:<\/strong> An increasing number of Romansh speakers is living in the Swiss-German diaspora. An exploratory study by the Institute for Cultural Research Graub\u00fcnden analyses their sociolinguistic situation. The role of new speakers who acquire Romansh through immersion or as adult learners has been little researched to date. Initial data indicate that subjectively perceived affiliation, self-assessed language competence and attitudes towards code-switching are decisive factors for language transmission. Positive childhood experiences and ideological motives drive parents to pass on the language to their children. However, linguistic insecurities and a tendency towards linguistic purism can prevent some parents from passing on the language. There is a need for further research, particularly with regard to the role of new speakers and parents with passive language skills in the maintenance of Romansh.\r\n<span style=\"color: #ffffff\">c<\/span>\r\n<strong>Keywords:<\/strong> New Speakers; language maintenance; Romansh; minority language; Code-Switching\r\n<h1>1\u00a0\u00a0\u00a0 R\u00e4toromanisch in der Deutschschweiz - eine Bestandsaufnahme<\/h1>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Die Mehrheit der ca. 41\u2019000 R\u00e4toromaninnen und R\u00e4toromanen lebt heute ausserhalb des r\u00e4toromanischen Sprachgebiets, in der sogenannten <em>Di&shy;aspora rumantscha<\/em> (Bundesamt f\u00fcr Statistik BFS 2021). Diese Bezeich\u00adnung wird sowohl von der Sprach\u00adgemeinschaft selbst als auch von Bund und Kanton verwendet. Die Strukturerhebung des Bundes zeigt zudem, dass mehr als zwei Drittel der r\u00e4toromanisch\u00ad\u00adsprachigen Kinder in Haushalten aufwachsen, in denen noch weitere Sprachen gesprochen werden, haupts\u00e4chlich Schweizerdeutsch (Roth 2019). Wie sich die Sprach\u00adweitergabe des R\u00e4toromanischen an die n\u00e4chste Generation in der Diaspora konkret gestaltet, ist aus den statistischen Daten nicht ableitbar und bisher auch noch nicht erforscht. Es ist aber davon auszugehen, dass diese f\u00fcr die Eltern eine Herausforderung darstellt, da sich der Sprachinput vorwiegend auf den Familienkreis und wenige weitere Kontakte beschr\u00e4nkt. Vor diesem Hintergrund situiert sich ein Forschungsprojekt des Instituts f\u00fcr Kultur\u00adforschung Graub\u00fcnden, das die soziolinguistische Situation in der Deutschschweizer Diaspora rumantscha untersucht. F\u00fcr diese explorative Studie wurde ein qualitatives Vorgehen gew\u00e4hlt.<\/p>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Mit der Abnahme von Sprechenden einer Minderheitensprache w\u00e4chst in der Forschung zunehmend das Interesse an den sogenannten New Speakern und wie diese zum Spracherhalt beitragen k\u00f6nnen (\u00d3 Murchadha <em>et al<\/em>. 2018). Die Definition des Begriffs wird breit diskutiert (vgl. Smith-Christmas <em>et al<\/em>. 2018). Wir st\u00fctzen uns im Folgenden auf die Definition von O\u2019Rourke, Pujolar &amp; Ramallo\u00a0(2015: 1). Demnach sind New Speaker \u00abindividuals with little or no home or community exposure to a minority language but who instead acquire it through immersion or bilingual educational programs, revital\u00adization projects or as adult language learners\u00bb. Ihre Bedeutung f\u00fcr die Weitergabe des R\u00e4toromanischen wurde bisher noch nicht erforscht. Unsere explorative Studie, in der New Speaker nicht explizit Bestandteil des Samples waren, macht aber deutlich, dass eine intensivere Besch\u00e4ftigung mit dieser Gruppe wichtig w\u00e4re. Wir unterscheiden zwischen New Speakern, die im Sprachgebiet aufgewachsen sind, zu Hause aber eine andere Sprache gesprochen haben und solchen, die nicht im Sprachgebiet aufgewachsen sind und R\u00e4toromanisch im Erwachsenenalter gelernt haben.<\/p>\r\n\r\n<h1>2\u00a0\u00a0\u00a0 Zugeh\u00f6rigkeit und Identit\u00e4t<\/h1>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Am Beispiel der New Speaker, die im r\u00e4toromanischen Sprachgebiet aufgewachsen sind, l\u00e4sst sich die Bedeutung von subjektiv empfundener Zugeh\u00f6rigkeit und selbst eingesch\u00e4tzter Sprachkompetenz f\u00fcr die Sprach\u00adweitergabe an die eigenen Kinder illustrieren. Die Erfahrungen in der Kindheit und Jugend k\u00f6nnen sich stark unterscheiden. Eine Person, die in einer deutschsprachigen Familie aufwuchs, berichtet von ihren Erfahrungen im Sprachgebiet:<\/p>\r\n\r\n<blockquote>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Als Kind wirst du einfach von den Einheimischen gemobbt. Du geh\u00f6rst nicht dazu, es wird dir immer unter die Nase gerieben, dass du keine Einheimische bist. \u201cDu kannst gar nicht richtig Romanisch, du bist keine von uns.\u201d [\u2026] Nachher im Lehrerseminar [im deutschsprachigen Chur] war das kein Thema mehr. Dort habe ich zu den Romanischen geh\u00f6rt. (Elternteil)<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Dieses Zitat zeigt beispielhaft, wie sehr soziale und sprachliche Identit\u00e4t verkn\u00fcpft sind und wie Identit\u00e4t besonders dann bewusst wird, wenn sie in Frage gestellt wird. Identit\u00e4t ist eine Positionierung im sozialen Raum durch sich selbst und durch die anderen (vgl. Hall 1990: 225). Die Alterit\u00e4t \u2013 also die Abgrenzung vom und die Ausgrenzung des Anderen \u2013 wird im vorliegenden Zitat mit den angeblich ungen\u00fcgenden Sprachkenntnissen begr\u00fcndet. Sprachkenntnisse werden demnach als Indikator f\u00fcr die Zugeh\u00f6rigkeit zur sozialen Gruppe der Einheimischen angef\u00fchrt. Interessanterweise wird die hier zitierte Person ausserhalb des Sprach\u00adgebiets als R\u00e4toromanisch\u00ad\u00adsprechende wahrgenommen und ihre R\u00e4toromanisch\u00adkompetenzen werden nicht bem\u00e4ngelt. Dort ist sie Teil der sich \u00fcber die Sprache definierenden sozialen Gruppe, noch mehr, sie wird sogar ermuntert, das R\u00e4toromanische zu pflegen, sei es in der Ausbildung oder in der Weitergabe an ihre Kinder. Dieses Beispiel zeigt die Fluidit\u00e4t und Kontextualit\u00e4t sozialer und sprachlicher Identit\u00e4ten. Verschiedene R\u00e4toromanisch\u00ad\u00adsprechende k\u00f6nnen deshalb zugleich als \u00e4hnlich oder als unterschiedlich wahrgenommen werden, was Hall (1990: 227) als\u00a0\u00abthe \u201cdoubleness\u201d of similarity and difference\u00bb bezeichnet. Aus einer weiteren Perspektive \u2013 der Deutschschweiz \u2013 sind sie eins, unabh\u00e4ngig ihres Idioms oder der Art des Spracherwerbs. Dementsprechend treten sie auch als R\u00e4toromanisch\u00ad\u00adsprechende auf, um ihre Interessen zu vertreten. Von Nahem betrachtet treten Unterschiede st\u00e4rker hervor. Die Sprechenden nehmen unterschiedliche Kategorisierungen vor, schliessen sich zu Gruppen desselben Idioms zusammen oder grenzen New Speaker aus. \u00c4hnliches wird auch in anderen Minderheitensprachen beobachtet. New Speaker einer Minderheitensprache f\u00fchlen sich oft verunsichert und der Sprachgruppe nicht voll zugeh\u00f6rig oder nicht dazu legitimiert, die Sprache zu sprechen (vgl. Ortega <em>et al<\/em>. 2015; \u00d3 Murchadha <em>et al<\/em>. 2018). Dies kann zum Verzicht der Sprach\u00adweitergabe f\u00fchren (vgl. Ciriza 2019: 371).<\/p>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Andererseits k\u00f6nnen positive Kindheitserfahrungen die Zugeh\u00f6rigkeit zur r\u00e4toromanischen Bev\u00f6lkerung zu einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit machen und motivieren dadurch zur Sprach\u00adweitergabe trotz famili\u00e4rer Sozialisierung auf Schweizerdeutsch.<\/p>\r\n\r\n<blockquote>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">[Ich spreche mit meinem Kind R\u00e4toromanisch], weil ich nichts Anderes kenne. Ich bin in Scuol aufgewachsen, das ist f\u00fcr mich meine Heimat. Und ich finde es schade, diese Sprache, [\u2026] es hiess immer Aussterben und so. Wenn ich diese Sprache kann, warum das nicht auch weitergeben? Oder zumindest so ein wenig das Geh\u00f6r daf\u00fcr. [\u2026] Mir ist auch alles, was mit Engadin [zu tun hat], wichtig, das mitzugeben, auch Tradition, Brauchtum. Dass er weiss, was ist ein Chalandamarz. Und die Sprache geh\u00f6rt f\u00fcr mich dazu. (Elternteil)<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Die Motivation f\u00fcr die Sprach\u00adweitergabe liegt hier \u2013 gleich wie bei den interviewten Muttersprachigen \u2013 in einer emotionalen Verbundenheit und dem damit verbundenen Wunsch, die Wurzeln und Traditionen weiter\u00adzugeben, sowie in der St\u00e4rkung der kulturellen Identit\u00e4t durch die Verwendung der Sprache (vgl. K\u00f6nig 2014). Dazu kommt die ideologische Motivation, eine vom Aussterben bedrohte Sprache zu bewahren (vgl. De Houwer 1999; Riches &amp; Curdt-Christiansen 2010; Schwartz 2010).<\/p>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Die New Speaker, die R\u00e4toromanisch im Erwachsenenalter lernten, taten dies vorwiegend ungesteuert. Sie werden von ihren r\u00e4toromanisch\u00ad\u00adsprachigen Partnerinnen bzw. Partnern mehrheitlich als sprachinteressiert und sprachbegabt beschrieben. Aus deren \u00c4usserungen l\u00e4sst sich vermuten, dass beim Entscheid, die Sprache zu lernen und auch anzuwenden, ideologische Motive eine Rolle spielten (vgl. Nandi <em>et al<\/em>. 2022), aber auch der Wunsch zur Integration in die Familie der Partnerin bzw. des Partners. Dies zeigen auch Studien zum Baskischen, Katalanischen und Irischen (Puigdevall <em>et al<\/em>. 2018). Gemeinsam ist diesen New Speakern eine positive Einstellung zum Sprachenlernen und zur Sprachverwendung.<\/p>\r\n\r\n<blockquote>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Mein Mann ist eigentlich nicht romanischsprachig. Und dann hatte er pl\u00f6tzlich das Gef\u00fchl, dass wir in Chur wahrscheinlich etwas M\u00fche haben werden, das [mit dem Romanischsprechen] durchzuziehen. Unser Kind hat begonnen, mehr auf mich zu h\u00f6ren [\u2026]. Und dann hat er gemeint: \u201cWenn du es auf Romanisch sagst, dann sage ich es halt auch auf Romanisch\u201d. Und dann hat er begonnen, mit den Kindern zu lernen. (Elternteil)<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Diese Familie schafft zu Hause eine Sprachinsel<em>, <\/em>auf der sich die nicht-dominante Sprache als Familiensprache st\u00e4rken kann. Unsere Daten lassen auch einen positiven Effekt von Elternteilen mit passiven Sprach\u00adkenntnissen vermuten. Denn auch diese erm\u00f6glichen eine r\u00e4toromanische Kommunikation der anderen Familienmitglieder, ohne dass dadurch jemand ausgeschlossen werden w\u00fcrde.<\/p>\r\n\r\n<h1>3\u00a0\u00a0\u00a0 <em>Code-Switching<\/em> und die Einstellung zur Sprachmischung<\/h1>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Aufgrund der beschriebenen Dominanz des Schweizer\u00addeutschen und Stan\u00addarddeutschen als Umgebungssprachen ist auch die r\u00e4toromanische Sprache stark durch Einfl\u00fcsse der deutschen Variet\u00e4ten gepr\u00e4gt. Code-Switching, d.h. das gleichzeitige Verwenden mehrerer Sprachen innerhalb oder zwischen Sprach\u00e4usserungen (den Begriff pr\u00e4gte u.a. Auer 1999), ist ein in Sprachkontaktsituationen bekanntes Ph\u00e4nomen und kann im Fall von Minderheitensprachen sowohl Ausdruck von Sprach\u00advitalit\u00e4t als auch von Sprachwandel sein (Gardner-Chloros 2020: 188). Studien zum Code-Switching bei in der Regel bilingualen R\u00e4toromanisch\u00ad\u00adsprachigen zeigen, dass es sich hierbei oft um Einbettungen von Elementen aus dem Deutschen in die r\u00e4toromanische Satzstruktur handelt. Ganze Wechsel in eine andere Sprache, die f\u00fcr andere Sprachkontaktsituationen typisch sind, sind im R\u00e4toromanischen seltener und oft auf isolierte Einwort\u00e4usserungen oder fixe Wendungen aus dem Deutschen beschr\u00e4nkt (vgl. Cathomas 2021), wie auch ein Beispiel aus den erhobenen Daten illustriert:<\/p>\r\n\r\n<blockquote>\r\n<p style=\"font-weight: 400\"><em>Igl o e da far cun ina certa<\/em> Zuegh\u00f6rigkeit. Also eba, <em>ni<\/em>... (Elternteil)\r\n(\u2018Es hat auch mit einer gewissen Zugeh\u00f6rigkeit zu tun. Also eben, oder...\u2019)<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Diese starke Pr\u00e4senz des Deutschen in der r\u00e4toromanischen Alltagssprache erf\u00fcllt verschiedene Funktionen. Neben diskursiven und expressiven Funktionen ergibt sich in der spezifischen Situation von Minder\u00adheitensprachen verst\u00e4rkt ein weiterer Grund f\u00fcr die Verwendung von Code-Switching: die \u00dcberbr\u00fcckung von Wortfindungsschwierigkeiten (vgl. Zentella 1997). Diese Motivation f\u00fcr die Verwendung des Deutschen im R\u00e4toromanischen ist bei allen Sprechenden weit verbreitet, k\u00f6nnte jedoch bei New Speakern eine noch bedeutendere Rolle spielen. Gerade bei Sprechenden, die ausserhalb des r\u00e4toromanischen Sprachgebiets wohnen und deren t\u00e4gliche Interaktionen \u00fcberwiegend auf Deutsch stattfinden, ist der deutsche Wortschatz oft gr\u00f6sser und differenzierter als der r\u00e4toromanische, weshalb er als lexikalische St\u00fctze in Form von Insertionen dienen kann. Neben den individuellen Bedingungen f\u00fcr eine lexikalische Dominanz des Deutschen, wie zum Beispiel der Besuch von deutsch\u00adsprachigen Schulen, kann diese Dominanz auch als eine strukturelle Eigenschaft des R\u00e4toromanischen angesehen werden, da in verschiedenen Bereichen spezifische r\u00e4toromanische Lexik fehlt, wie das folgende Zitat einer Biologielehrperson des Gymnasiums illustriert.<\/p>\r\n\r\n<blockquote>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Das Unterrichten in Romanisch ist noch recht schwierig, weil es gibt einfach viele W\u00f6rter nicht. [\u2026] Die Sch\u00fcler nehmen dann Alltagsw\u00f6rter und \u00fcbersetzen diese und dann stimmt es biologisch nicht. [\u2026] Dort komme ich jetzt ziemlich in einen Clinch, gebe ich ihnen ein deutsches Wort, daf\u00fcr ist es das Fachvokabular, oder gebe ich ihnen ein romanisches Wort, das das deutsche Wort umschreibt, sie dann aber kein Fachvokabular haben. (Lehrperson)<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Die Verwendung des Deutschen als lexikalische Erg\u00e4nzung erweist sich als eine g\u00e4ngige Strategie, die auch dazu verhilft, nicht ganz ins Deutsche wechseln zu m\u00fcssen. Dabei befinden sich diese Einsch\u00fcbe aus dem Deutschen in einem Kontinuum zwischen spontaner und integrierter Entlehnung und wirken im Gespr\u00e4ch entsprechend mehr oder weniger markiert. Diese Form von Code-Switching kann als markantes Charak\u00adteristikum der r\u00e4toromanischen Alltagssprache bezeichnet werden und ist nicht nur f\u00fcr New Speaker typisch.<\/p>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Trotzdem f\u00e4llt in den Interviews auf, dass gerade Eltern, die grossen Wert darauf legen, ihren Kindern einen differenzierten Wortschatz zu vermitteln, aber gleichzeitig ihre Sprachkenntnisse als ungen\u00fcgend einstufen, auf die Sprach\u00adweitergabe verzichten. Sie sehen die Sprachmischung als Bedrohung der Sprache. In ihrem Fall f\u00fchrt jedoch gerade diese Einstellung, gepaart mit Unsicherheiten in der Lexik, zur Sprachaufgabe:<\/p>\r\n\r\n<blockquote>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Mein Hauptproblem war: Ich wollte ihm etwas zeigen und dann kommt <em>Kran<\/em> und <em>Lastwagen<\/em> und (atmet laut aus) \u201c<em>Quest un kran, quest un lastwaga.<\/em>\u201d Ja super, weisst du so <em>camiun<\/em> [\u2018Lastwagen\u2019] kommt mir dann nachher schon, aber beim Betonmischer h\u00f6rt es dann schon auf und das sind halt W\u00f6rter, die ich sowieso nie gebraucht habe. Und dann kommt man so ins Stackeln und das finde ich einfach doof, wenn man vor einem Kind anf\u00e4ngt zu stackeln, weil einem die W\u00f6rter nicht in den Sinn kommen. (Elternteil)<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Eine solche tendenziell sprachpuristische Haltung von New Speakern konnte auch in anderen Minderheitensprachen festgestellt werden, beispielsweise im Baskischen. Diese Haltung wird nicht zuletzt auch durch das Umfeld beeinflusst. So zeigt Lantto (2018), wie Code-Switching je nach Spracherwerbssituation unterschiedlich bewertet wird. Wird es von sogenannten <em>Native Speakern<\/em> praktiziert, wird dies als authentisches informelles Sprechen bezeichnet. Dieselbe Strategie wird bei im Sprachgebiet aufgewachsenen New Speakern jedoch als Ausdruck eines sprachlichen Defizits interpretiert. Dies f\u00fchrt laut Lantto (2018: 167) zu \u00abpurist tendencies in new Basque speakers\u2019 code-switching patterns\u00bb. Verbreitet ist auch die Sorge von New Speaker<em>-<\/em>Eltern, dass ihre Sprachverwendung zu wenig \u00abnat\u00fcrlich\u00bb oder \u00abauthentisch\u00bb sei, weshalb sie auf die Sprach\u00adweitergabe verzichten (vgl. Lantto 2018, Ortega <em>et al<\/em>. 2015).<\/p>\r\n\r\n<blockquote>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Wenn ich im Zoo einen Pfau sehe, dann m\u00f6chte ich meinem Kind sagen k\u00f6nnen: \u201cOh schau, das ist ein Pfau\u201d und wenn meine Freundin ihrem Kind sagt: \u201c<em>Oh guarda, quist es \u00fcn grond utsch\u00e8<\/em>\u201d [Rumantsch Vallader: \u2018Oh schau, das ist ein grosser Vogel\u2019], dann st\u00f6rt mich das, genauso wie es mich st\u00f6rt, wenn Leute ihren Kindern sagen: \u201cOh, da kommt der Wauwau.\u201d Ich finde es ganz wichtig, dass man von Beginn an schon ganz kleinen Kindern die richtigen W\u00f6rter lehrt. [\u2026] Lieber kein Romanisch als so ein halbes. (Elternteil).<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Andererseits kann Code-Switching auf lexikalischer Ebene auch sprachf\u00f6rdernd wirken, weil damit ein kompletter Wechsel ins Deutsche verhindert wird. Eine erfolgreiche Sprach\u00adweitergabe h\u00e4ngt somit unter anderem auch von der elterlichen Einstellung zu Sprachmischungen und zu ihren Anspr\u00fcchen an die Qualit\u00e4t der Sprache ab.<\/p>\r\n\r\n<h1>4\u00a0\u00a0\u00a0 Fazit<\/h1>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Unsere Untersuchung deutet auf eine noch wenig erkannte Bedeutung von New Speakern und Personen mit passiven R\u00e4toromanischkenntnissen f\u00fcr die Sprach\u00adweitergabe hin. Im Kontext der stetig abnehmenden Sprechenden des R\u00e4toromanischen kommt ihnen aber eine wichtige Rolle zuteil. Durch ihre Sprach\u00adkompetenzen kann der Sprachinput erh\u00f6ht und der Sprachwechsel innerhalb einer Gruppe vermieden werden. Sprachrevitalisierung sollte demnach als gemeins\u00adchaftliches Unternehmen von Sprechenden mit unterschiedlichen Sprachkompetenzen verstanden werden (vgl. Ciriza 2019; Puigdevall <em>et al<\/em>. 2018). Dies bedingt jedoch eine Anerkennung von New Speakern als legitimierte Sprechende des R\u00e4toromanischen innerhalb und ausserhalb des traditionellen Sprach\u00adgebiets.<\/p>\r\n<p style=\"font-weight: 400\">Trotz zahlreicher \u00dcbereinstimmungen unserer Forschungsergebnisse mit jenen zu anderen Sprachminderheiten bestehen Wissensl\u00fccken zu ver\u00adschiedenen Aspekten in Bezug auf die New Speaker im R\u00e4toromanischen, etwa zum Einfluss des Umfelds und der Erwerbssituation auf die Motivation zur Sprach\u00adweitergabe sowie den Sprachpraktiken dieser Zielgruppe. Ebenso fehlen Untersuchungen zum Einfluss von Elternteilen mit passiven R\u00e4toromanischkenntnissen auf die Familiensprache(n) sowie die Sprach\u00adweitergabe an die Kinder. Und schliesslich dauern die Diskussionen um die Bedeutung von Qualit\u00e4t, Quantit\u00e4t und Vielfalt des Sprachinputs auf den Spracherwerb an (vgl. u.a. Lanza &amp; Lomeu Gomes 2020).<\/p>\r\n\r\n<h1 style=\"font-weight: 400\"><strong>Bibliographie<\/strong><\/h1>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Auer, Peter (1999). \u00abFrom codeswitching via language mixing to fused lects: toward a dynamic typology of bilingual speech\u00bb, <em>International Journal of Bilingualism <\/em>3.4, 309-332.<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Bundesamt f\u00fcr Statistik (2021). \u00abStrukturerhebung. Hauptsprache nach Kanton, 2017-2021\u00bb, in: &lt;<a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/grundlagen\/volkszaehlung\/vier-kernelemente\/strukturerhebung.html\">https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/grundlagen\/volkszaehlung\/vier-kernelemente\/strukturerhebung.html<\/a>&gt; [08.03.2024].<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Cathomas, Claudia (2021). \u00ab<em>Ju a detg jeu fetsch bu il verstellen mei <\/em>\u2013 <em>Davart fuormas e funcziuns da code-switching el tuatschin<\/em>\u00bb, <em>Annalas da la Societad Retorumantscha <\/em>134, 103-123.<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Ciriza, Mar\u00eda del Puy (2019). \u00abTowards a parental <em>muda <\/em>for new Basque speakers: Assessing emotional factors and language ideologies\u00bb, <em>Journal of Sociolinguistics <\/em>23, 367-385.<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">De Houwer, Annick (1999). \u00abEnvironmental factors in early bilingual development: The role of parental beliefs and attitudes\u00bb, in: Extra, Guus\u00a0&amp; Ludo Verhoeven (Hrsg.), <em>Bilingualism and migration<\/em>, Berlin\/New York, De Gruyter Mouton,\u00a075-95.<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Gardner-Chloros, Penelope (2020). \u00abContact and Code-Switching\u00bb, in: Hick&shy;ey, Raymond (Hrsg.), <em>The Handbook of Language Contact<\/em>, Hoboken (NJ), John Wiley &amp; Sons, 181-189.<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Hall, Stuart (1990). \u00abCultural identity and diaspora\u00bb, in: Rutherford, Jonathan (Hrsg.), <em>Identity, Community, Culture, Difference<\/em>, London, Lawrence &amp; Wishart, 222-237.<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">K\u00f6nig, Katharina (2014). <em>Spracheinstellungen und Identit\u00e4tskonstruktion: eine gespr\u00e4chsanalytische Untersuchung sprachbiographischer Interviews mit Deutsch-Vietnamesen<\/em>, Berlin\/Boston, De Gruyter.<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Lantto, Hanna (2018). \u00abNew Basques and Code-Switching: Purist Tendencies, Social Pressures\u00bb, in: Smith-Christmas, Cassie, Noel P. \u00d3 Murchadha, Michael Hornsby &amp; M\u00e1ir\u00e9ad Moriarty (Hrsg.),<em> New Speakers of Minority Languages. Linguistic Ideologies and Practices<\/em>, London, Palgrave Macmillan, 165-187.<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Lanza, Elizabeth &amp; Rafael Lomeu Gomes (2020). \u00abFamily language policy: Foundations, theoretical perspectives and critical approaches\u00bb, in: Schalley, Andrea C. &amp; Susana A. Eisenchlas (Hrsg.), <em>Handbook of Home Language Maintenance and Development<\/em>, Berlin\/Boston, De Gruyter Mouton, 153-173.<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Nandi, Anik, Ibon Manterola, Facundo Reyna-Muniain &amp; Paula Kasares (2022). \u00abEffective Family Language Policies and Intergenerational Transmission of Minority Languages: Parental Language Governance in Indigenous and Diasporic Contexts\u00bb, in: Hornsby, Michael &amp; Wilson McLeod (Hrsg.), <em>Transmitting Minority Languages<\/em>, <em>Palgrave Studies in Minority Languages and Communities<\/em>, Cham, Springer, 305-329.<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">\u00d3 Murchadha, Noel P., Michael Hornsby, Cassie Smith-Christmas &amp; M\u00e1ir\u00e9ad Moriarty (2018). \u00abNew Speakers, Familiar Concepts?\u00bb, in: Smith-Christmas, Cassie, Noel P. \u00d3 Murchadha, Michael Hornsby &amp; M\u00e1ir\u00e9ad Moriarty (Hrsg.), <em>New Speakers of Minority Languages. Linguistic Ideologies and Practices<\/em>, London, Palgrave Macmillan, 1-22.<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">O\u2019Rourke, Bernadette, Joan Pujolar &amp; Fernando Ramallo (2015). \u00abNew speakers of minority languages: the challenging opportunity \u2013 Foreword\u00bb, <em>International Journal of the Sociology of the language<\/em> 231, 1-20.<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Ortega, Ane, Jacqueline Urla, Estibaliz Amorrortu, Jone Goirigolzarri &amp; Belen Uranga (2015). \u00abLinguistic identity among new speakers of Basque\u00bb, <em>International Journal of the Sociology of Language <\/em>231, 85-105.<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Puigdevall, Maite, John Walsh, Estibaliz Amorrortu &amp; Ane Ortega (2018). \u00ab\u201cI\u2019ll be one of them\u201d: linguistic mudes and new speakers in three minority language contexts\u00bb, <em>Journal of Multilingual and Multicultural Development<\/em> 39 (5), 445-457.<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Riches, Caroline &amp; Xiao Lan Curdt-Christiansen (2010). \u00abA tale of two Montreal communities: Parents\u2019 perspectives on their children\u2019s language and literacy development in a multilingual context\u00bb, <em>The Canadian Modern Language Review<\/em> 66 (4), 525-555.<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Roth, Maik (2019). \u00abDie ra\u0308toromanische Sprachminderheit in der Schweiz\u00bb, <em>Demos 2, BFS Aktuell<\/em>, 6-10.<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Schwartz, Mila (2010). \u00abFamily language policy: Core issues of an emerging field\u00bb, <em>Applied Linguistics Review<\/em> 1, 171-192.<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Smith-Christmas, Cassie, Noel P. \u00d3 Murchadha, Michael Hornsby &amp; M\u00e1ir\u00e9ad Moriarty (Hrsg.) (2018). <em>New Speakers of Minority Languages. Linguistic Ideologies and Practices<\/em>, London, Palgrave Macmillan.<\/p>\r\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Zentella, Ana Celia (1997). <em>Growing up bilingual: Puerto Rican children in New York<\/em>, Oxford\/Malden (MA), Blackwell.<\/p>","rendered":"<h6 style=\"font-weight: 400\">Institut f\u00fcr Kulturforschung Graub\u00fcnden<\/h6>\n<p><strong>Abstract:<\/strong> An increasing number of Romansh speakers is living in the Swiss-German diaspora. An exploratory study by the Institute for Cultural Research Graub\u00fcnden analyses their sociolinguistic situation. The role of new speakers who acquire Romansh through immersion or as adult learners has been little researched to date. Initial data indicate that subjectively perceived affiliation, self-assessed language competence and attitudes towards code-switching are decisive factors for language transmission. Positive childhood experiences and ideological motives drive parents to pass on the language to their children. However, linguistic insecurities and a tendency towards linguistic purism can prevent some parents from passing on the language. There is a need for further research, particularly with regard to the role of new speakers and parents with passive language skills in the maintenance of Romansh.<br \/>\n<span style=\"color: #ffffff\">c<\/span><br \/>\n<strong>Keywords:<\/strong> New Speakers; language maintenance; Romansh; minority language; Code-Switching<\/p>\n<h1>1\u00a0\u00a0\u00a0 R\u00e4toromanisch in der Deutschschweiz &#8211; eine Bestandsaufnahme<\/h1>\n<p style=\"font-weight: 400\">Die Mehrheit der ca. 41\u2019000 R\u00e4toromaninnen und R\u00e4toromanen lebt heute ausserhalb des r\u00e4toromanischen Sprachgebiets, in der sogenannten <em>Di&shy;aspora rumantscha<\/em> (Bundesamt f\u00fcr Statistik BFS 2021). Diese Bezeich\u00adnung wird sowohl von der Sprach\u00adgemeinschaft selbst als auch von Bund und Kanton verwendet. Die Strukturerhebung des Bundes zeigt zudem, dass mehr als zwei Drittel der r\u00e4toromanisch\u00ad\u00adsprachigen Kinder in Haushalten aufwachsen, in denen noch weitere Sprachen gesprochen werden, haupts\u00e4chlich Schweizerdeutsch (Roth 2019). Wie sich die Sprach\u00adweitergabe des R\u00e4toromanischen an die n\u00e4chste Generation in der Diaspora konkret gestaltet, ist aus den statistischen Daten nicht ableitbar und bisher auch noch nicht erforscht. Es ist aber davon auszugehen, dass diese f\u00fcr die Eltern eine Herausforderung darstellt, da sich der Sprachinput vorwiegend auf den Familienkreis und wenige weitere Kontakte beschr\u00e4nkt. Vor diesem Hintergrund situiert sich ein Forschungsprojekt des Instituts f\u00fcr Kultur\u00adforschung Graub\u00fcnden, das die soziolinguistische Situation in der Deutschschweizer Diaspora rumantscha untersucht. F\u00fcr diese explorative Studie wurde ein qualitatives Vorgehen gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Mit der Abnahme von Sprechenden einer Minderheitensprache w\u00e4chst in der Forschung zunehmend das Interesse an den sogenannten New Speakern und wie diese zum Spracherhalt beitragen k\u00f6nnen (\u00d3 Murchadha <em>et al<\/em>. 2018). Die Definition des Begriffs wird breit diskutiert (vgl. Smith-Christmas <em>et al<\/em>. 2018). Wir st\u00fctzen uns im Folgenden auf die Definition von O\u2019Rourke, Pujolar &amp; Ramallo\u00a0(2015: 1). Demnach sind New Speaker \u00abindividuals with little or no home or community exposure to a minority language but who instead acquire it through immersion or bilingual educational programs, revital\u00adization projects or as adult language learners\u00bb. Ihre Bedeutung f\u00fcr die Weitergabe des R\u00e4toromanischen wurde bisher noch nicht erforscht. Unsere explorative Studie, in der New Speaker nicht explizit Bestandteil des Samples waren, macht aber deutlich, dass eine intensivere Besch\u00e4ftigung mit dieser Gruppe wichtig w\u00e4re. Wir unterscheiden zwischen New Speakern, die im Sprachgebiet aufgewachsen sind, zu Hause aber eine andere Sprache gesprochen haben und solchen, die nicht im Sprachgebiet aufgewachsen sind und R\u00e4toromanisch im Erwachsenenalter gelernt haben.<\/p>\n<h1>2\u00a0\u00a0\u00a0 Zugeh\u00f6rigkeit und Identit\u00e4t<\/h1>\n<p style=\"font-weight: 400\">Am Beispiel der New Speaker, die im r\u00e4toromanischen Sprachgebiet aufgewachsen sind, l\u00e4sst sich die Bedeutung von subjektiv empfundener Zugeh\u00f6rigkeit und selbst eingesch\u00e4tzter Sprachkompetenz f\u00fcr die Sprach\u00adweitergabe an die eigenen Kinder illustrieren. Die Erfahrungen in der Kindheit und Jugend k\u00f6nnen sich stark unterscheiden. Eine Person, die in einer deutschsprachigen Familie aufwuchs, berichtet von ihren Erfahrungen im Sprachgebiet:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400\">Als Kind wirst du einfach von den Einheimischen gemobbt. Du geh\u00f6rst nicht dazu, es wird dir immer unter die Nase gerieben, dass du keine Einheimische bist. \u201cDu kannst gar nicht richtig Romanisch, du bist keine von uns.\u201d [\u2026] Nachher im Lehrerseminar [im deutschsprachigen Chur] war das kein Thema mehr. Dort habe ich zu den Romanischen geh\u00f6rt. (Elternteil)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400\">Dieses Zitat zeigt beispielhaft, wie sehr soziale und sprachliche Identit\u00e4t verkn\u00fcpft sind und wie Identit\u00e4t besonders dann bewusst wird, wenn sie in Frage gestellt wird. Identit\u00e4t ist eine Positionierung im sozialen Raum durch sich selbst und durch die anderen (vgl. Hall 1990: 225). Die Alterit\u00e4t \u2013 also die Abgrenzung vom und die Ausgrenzung des Anderen \u2013 wird im vorliegenden Zitat mit den angeblich ungen\u00fcgenden Sprachkenntnissen begr\u00fcndet. Sprachkenntnisse werden demnach als Indikator f\u00fcr die Zugeh\u00f6rigkeit zur sozialen Gruppe der Einheimischen angef\u00fchrt. Interessanterweise wird die hier zitierte Person ausserhalb des Sprach\u00adgebiets als R\u00e4toromanisch\u00ad\u00adsprechende wahrgenommen und ihre R\u00e4toromanisch\u00adkompetenzen werden nicht bem\u00e4ngelt. Dort ist sie Teil der sich \u00fcber die Sprache definierenden sozialen Gruppe, noch mehr, sie wird sogar ermuntert, das R\u00e4toromanische zu pflegen, sei es in der Ausbildung oder in der Weitergabe an ihre Kinder. Dieses Beispiel zeigt die Fluidit\u00e4t und Kontextualit\u00e4t sozialer und sprachlicher Identit\u00e4ten. Verschiedene R\u00e4toromanisch\u00ad\u00adsprechende k\u00f6nnen deshalb zugleich als \u00e4hnlich oder als unterschiedlich wahrgenommen werden, was Hall (1990: 227) als\u00a0\u00abthe \u201cdoubleness\u201d of similarity and difference\u00bb bezeichnet. Aus einer weiteren Perspektive \u2013 der Deutschschweiz \u2013 sind sie eins, unabh\u00e4ngig ihres Idioms oder der Art des Spracherwerbs. Dementsprechend treten sie auch als R\u00e4toromanisch\u00ad\u00adsprechende auf, um ihre Interessen zu vertreten. Von Nahem betrachtet treten Unterschiede st\u00e4rker hervor. Die Sprechenden nehmen unterschiedliche Kategorisierungen vor, schliessen sich zu Gruppen desselben Idioms zusammen oder grenzen New Speaker aus. \u00c4hnliches wird auch in anderen Minderheitensprachen beobachtet. New Speaker einer Minderheitensprache f\u00fchlen sich oft verunsichert und der Sprachgruppe nicht voll zugeh\u00f6rig oder nicht dazu legitimiert, die Sprache zu sprechen (vgl. Ortega <em>et al<\/em>. 2015; \u00d3 Murchadha <em>et al<\/em>. 2018). Dies kann zum Verzicht der Sprach\u00adweitergabe f\u00fchren (vgl. Ciriza 2019: 371).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Andererseits k\u00f6nnen positive Kindheitserfahrungen die Zugeh\u00f6rigkeit zur r\u00e4toromanischen Bev\u00f6lkerung zu einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit machen und motivieren dadurch zur Sprach\u00adweitergabe trotz famili\u00e4rer Sozialisierung auf Schweizerdeutsch.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400\">[Ich spreche mit meinem Kind R\u00e4toromanisch], weil ich nichts Anderes kenne. Ich bin in Scuol aufgewachsen, das ist f\u00fcr mich meine Heimat. Und ich finde es schade, diese Sprache, [\u2026] es hiess immer Aussterben und so. Wenn ich diese Sprache kann, warum das nicht auch weitergeben? Oder zumindest so ein wenig das Geh\u00f6r daf\u00fcr. [\u2026] Mir ist auch alles, was mit Engadin [zu tun hat], wichtig, das mitzugeben, auch Tradition, Brauchtum. Dass er weiss, was ist ein Chalandamarz. Und die Sprache geh\u00f6rt f\u00fcr mich dazu. (Elternteil)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400\">Die Motivation f\u00fcr die Sprach\u00adweitergabe liegt hier \u2013 gleich wie bei den interviewten Muttersprachigen \u2013 in einer emotionalen Verbundenheit und dem damit verbundenen Wunsch, die Wurzeln und Traditionen weiter\u00adzugeben, sowie in der St\u00e4rkung der kulturellen Identit\u00e4t durch die Verwendung der Sprache (vgl. K\u00f6nig 2014). Dazu kommt die ideologische Motivation, eine vom Aussterben bedrohte Sprache zu bewahren (vgl. De Houwer 1999; Riches &amp; Curdt-Christiansen 2010; Schwartz 2010).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Die New Speaker, die R\u00e4toromanisch im Erwachsenenalter lernten, taten dies vorwiegend ungesteuert. Sie werden von ihren r\u00e4toromanisch\u00ad\u00adsprachigen Partnerinnen bzw. Partnern mehrheitlich als sprachinteressiert und sprachbegabt beschrieben. Aus deren \u00c4usserungen l\u00e4sst sich vermuten, dass beim Entscheid, die Sprache zu lernen und auch anzuwenden, ideologische Motive eine Rolle spielten (vgl. Nandi <em>et al<\/em>. 2022), aber auch der Wunsch zur Integration in die Familie der Partnerin bzw. des Partners. Dies zeigen auch Studien zum Baskischen, Katalanischen und Irischen (Puigdevall <em>et al<\/em>. 2018). Gemeinsam ist diesen New Speakern eine positive Einstellung zum Sprachenlernen und zur Sprachverwendung.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400\">Mein Mann ist eigentlich nicht romanischsprachig. Und dann hatte er pl\u00f6tzlich das Gef\u00fchl, dass wir in Chur wahrscheinlich etwas M\u00fche haben werden, das [mit dem Romanischsprechen] durchzuziehen. Unser Kind hat begonnen, mehr auf mich zu h\u00f6ren [\u2026]. Und dann hat er gemeint: \u201cWenn du es auf Romanisch sagst, dann sage ich es halt auch auf Romanisch\u201d. Und dann hat er begonnen, mit den Kindern zu lernen. (Elternteil)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400\">Diese Familie schafft zu Hause eine Sprachinsel<em>, <\/em>auf der sich die nicht-dominante Sprache als Familiensprache st\u00e4rken kann. Unsere Daten lassen auch einen positiven Effekt von Elternteilen mit passiven Sprach\u00adkenntnissen vermuten. Denn auch diese erm\u00f6glichen eine r\u00e4toromanische Kommunikation der anderen Familienmitglieder, ohne dass dadurch jemand ausgeschlossen werden w\u00fcrde.<\/p>\n<h1>3\u00a0\u00a0\u00a0 <em>Code-Switching<\/em> und die Einstellung zur Sprachmischung<\/h1>\n<p style=\"font-weight: 400\">Aufgrund der beschriebenen Dominanz des Schweizer\u00addeutschen und Stan\u00addarddeutschen als Umgebungssprachen ist auch die r\u00e4toromanische Sprache stark durch Einfl\u00fcsse der deutschen Variet\u00e4ten gepr\u00e4gt. Code-Switching, d.h. das gleichzeitige Verwenden mehrerer Sprachen innerhalb oder zwischen Sprach\u00e4usserungen (den Begriff pr\u00e4gte u.a. Auer 1999), ist ein in Sprachkontaktsituationen bekanntes Ph\u00e4nomen und kann im Fall von Minderheitensprachen sowohl Ausdruck von Sprach\u00advitalit\u00e4t als auch von Sprachwandel sein (Gardner-Chloros 2020: 188). Studien zum Code-Switching bei in der Regel bilingualen R\u00e4toromanisch\u00ad\u00adsprachigen zeigen, dass es sich hierbei oft um Einbettungen von Elementen aus dem Deutschen in die r\u00e4toromanische Satzstruktur handelt. Ganze Wechsel in eine andere Sprache, die f\u00fcr andere Sprachkontaktsituationen typisch sind, sind im R\u00e4toromanischen seltener und oft auf isolierte Einwort\u00e4usserungen oder fixe Wendungen aus dem Deutschen beschr\u00e4nkt (vgl. Cathomas 2021), wie auch ein Beispiel aus den erhobenen Daten illustriert:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400\"><em>Igl o e da far cun ina certa<\/em> Zuegh\u00f6rigkeit. Also eba, <em>ni<\/em>&#8230; (Elternteil)<br \/>\n(\u2018Es hat auch mit einer gewissen Zugeh\u00f6rigkeit zu tun. Also eben, oder&#8230;\u2019)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400\">Diese starke Pr\u00e4senz des Deutschen in der r\u00e4toromanischen Alltagssprache erf\u00fcllt verschiedene Funktionen. Neben diskursiven und expressiven Funktionen ergibt sich in der spezifischen Situation von Minder\u00adheitensprachen verst\u00e4rkt ein weiterer Grund f\u00fcr die Verwendung von Code-Switching: die \u00dcberbr\u00fcckung von Wortfindungsschwierigkeiten (vgl. Zentella 1997). Diese Motivation f\u00fcr die Verwendung des Deutschen im R\u00e4toromanischen ist bei allen Sprechenden weit verbreitet, k\u00f6nnte jedoch bei New Speakern eine noch bedeutendere Rolle spielen. Gerade bei Sprechenden, die ausserhalb des r\u00e4toromanischen Sprachgebiets wohnen und deren t\u00e4gliche Interaktionen \u00fcberwiegend auf Deutsch stattfinden, ist der deutsche Wortschatz oft gr\u00f6sser und differenzierter als der r\u00e4toromanische, weshalb er als lexikalische St\u00fctze in Form von Insertionen dienen kann. Neben den individuellen Bedingungen f\u00fcr eine lexikalische Dominanz des Deutschen, wie zum Beispiel der Besuch von deutsch\u00adsprachigen Schulen, kann diese Dominanz auch als eine strukturelle Eigenschaft des R\u00e4toromanischen angesehen werden, da in verschiedenen Bereichen spezifische r\u00e4toromanische Lexik fehlt, wie das folgende Zitat einer Biologielehrperson des Gymnasiums illustriert.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400\">Das Unterrichten in Romanisch ist noch recht schwierig, weil es gibt einfach viele W\u00f6rter nicht. [\u2026] Die Sch\u00fcler nehmen dann Alltagsw\u00f6rter und \u00fcbersetzen diese und dann stimmt es biologisch nicht. [\u2026] Dort komme ich jetzt ziemlich in einen Clinch, gebe ich ihnen ein deutsches Wort, daf\u00fcr ist es das Fachvokabular, oder gebe ich ihnen ein romanisches Wort, das das deutsche Wort umschreibt, sie dann aber kein Fachvokabular haben. (Lehrperson)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400\">Die Verwendung des Deutschen als lexikalische Erg\u00e4nzung erweist sich als eine g\u00e4ngige Strategie, die auch dazu verhilft, nicht ganz ins Deutsche wechseln zu m\u00fcssen. Dabei befinden sich diese Einsch\u00fcbe aus dem Deutschen in einem Kontinuum zwischen spontaner und integrierter Entlehnung und wirken im Gespr\u00e4ch entsprechend mehr oder weniger markiert. Diese Form von Code-Switching kann als markantes Charak\u00adteristikum der r\u00e4toromanischen Alltagssprache bezeichnet werden und ist nicht nur f\u00fcr New Speaker typisch.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Trotzdem f\u00e4llt in den Interviews auf, dass gerade Eltern, die grossen Wert darauf legen, ihren Kindern einen differenzierten Wortschatz zu vermitteln, aber gleichzeitig ihre Sprachkenntnisse als ungen\u00fcgend einstufen, auf die Sprach\u00adweitergabe verzichten. Sie sehen die Sprachmischung als Bedrohung der Sprache. In ihrem Fall f\u00fchrt jedoch gerade diese Einstellung, gepaart mit Unsicherheiten in der Lexik, zur Sprachaufgabe:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400\">Mein Hauptproblem war: Ich wollte ihm etwas zeigen und dann kommt <em>Kran<\/em> und <em>Lastwagen<\/em> und (atmet laut aus) \u201c<em>Quest un kran, quest un lastwaga.<\/em>\u201d Ja super, weisst du so <em>camiun<\/em> [\u2018Lastwagen\u2019] kommt mir dann nachher schon, aber beim Betonmischer h\u00f6rt es dann schon auf und das sind halt W\u00f6rter, die ich sowieso nie gebraucht habe. Und dann kommt man so ins Stackeln und das finde ich einfach doof, wenn man vor einem Kind anf\u00e4ngt zu stackeln, weil einem die W\u00f6rter nicht in den Sinn kommen. (Elternteil)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400\">Eine solche tendenziell sprachpuristische Haltung von New Speakern konnte auch in anderen Minderheitensprachen festgestellt werden, beispielsweise im Baskischen. Diese Haltung wird nicht zuletzt auch durch das Umfeld beeinflusst. So zeigt Lantto (2018), wie Code-Switching je nach Spracherwerbssituation unterschiedlich bewertet wird. Wird es von sogenannten <em>Native Speakern<\/em> praktiziert, wird dies als authentisches informelles Sprechen bezeichnet. Dieselbe Strategie wird bei im Sprachgebiet aufgewachsenen New Speakern jedoch als Ausdruck eines sprachlichen Defizits interpretiert. Dies f\u00fchrt laut Lantto (2018: 167) zu \u00abpurist tendencies in new Basque speakers\u2019 code-switching patterns\u00bb. Verbreitet ist auch die Sorge von New Speaker<em>&#8211;<\/em>Eltern, dass ihre Sprachverwendung zu wenig \u00abnat\u00fcrlich\u00bb oder \u00abauthentisch\u00bb sei, weshalb sie auf die Sprach\u00adweitergabe verzichten (vgl. Lantto 2018, Ortega <em>et al<\/em>. 2015).<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400\">Wenn ich im Zoo einen Pfau sehe, dann m\u00f6chte ich meinem Kind sagen k\u00f6nnen: \u201cOh schau, das ist ein Pfau\u201d und wenn meine Freundin ihrem Kind sagt: \u201c<em>Oh guarda, quist es \u00fcn grond utsch\u00e8<\/em>\u201d [Rumantsch Vallader: \u2018Oh schau, das ist ein grosser Vogel\u2019], dann st\u00f6rt mich das, genauso wie es mich st\u00f6rt, wenn Leute ihren Kindern sagen: \u201cOh, da kommt der Wauwau.\u201d Ich finde es ganz wichtig, dass man von Beginn an schon ganz kleinen Kindern die richtigen W\u00f6rter lehrt. [\u2026] Lieber kein Romanisch als so ein halbes. (Elternteil).<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"font-weight: 400\">Andererseits kann Code-Switching auf lexikalischer Ebene auch sprachf\u00f6rdernd wirken, weil damit ein kompletter Wechsel ins Deutsche verhindert wird. Eine erfolgreiche Sprach\u00adweitergabe h\u00e4ngt somit unter anderem auch von der elterlichen Einstellung zu Sprachmischungen und zu ihren Anspr\u00fcchen an die Qualit\u00e4t der Sprache ab.<\/p>\n<h1>4\u00a0\u00a0\u00a0 Fazit<\/h1>\n<p style=\"font-weight: 400\">Unsere Untersuchung deutet auf eine noch wenig erkannte Bedeutung von New Speakern und Personen mit passiven R\u00e4toromanischkenntnissen f\u00fcr die Sprach\u00adweitergabe hin. Im Kontext der stetig abnehmenden Sprechenden des R\u00e4toromanischen kommt ihnen aber eine wichtige Rolle zuteil. Durch ihre Sprach\u00adkompetenzen kann der Sprachinput erh\u00f6ht und der Sprachwechsel innerhalb einer Gruppe vermieden werden. Sprachrevitalisierung sollte demnach als gemeins\u00adchaftliches Unternehmen von Sprechenden mit unterschiedlichen Sprachkompetenzen verstanden werden (vgl. Ciriza 2019; Puigdevall <em>et al<\/em>. 2018). Dies bedingt jedoch eine Anerkennung von New Speakern als legitimierte Sprechende des R\u00e4toromanischen innerhalb und ausserhalb des traditionellen Sprach\u00adgebiets.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Trotz zahlreicher \u00dcbereinstimmungen unserer Forschungsergebnisse mit jenen zu anderen Sprachminderheiten bestehen Wissensl\u00fccken zu ver\u00adschiedenen Aspekten in Bezug auf die New Speaker im R\u00e4toromanischen, etwa zum Einfluss des Umfelds und der Erwerbssituation auf die Motivation zur Sprach\u00adweitergabe sowie den Sprachpraktiken dieser Zielgruppe. Ebenso fehlen Untersuchungen zum Einfluss von Elternteilen mit passiven R\u00e4toromanischkenntnissen auf die Familiensprache(n) sowie die Sprach\u00adweitergabe an die Kinder. Und schliesslich dauern die Diskussionen um die Bedeutung von Qualit\u00e4t, Quantit\u00e4t und Vielfalt des Sprachinputs auf den Spracherwerb an (vgl. u.a. Lanza &amp; Lomeu Gomes 2020).<\/p>\n<h1 style=\"font-weight: 400\"><strong>Bibliographie<\/strong><\/h1>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Auer, Peter (1999). \u00abFrom codeswitching via language mixing to fused lects: toward a dynamic typology of bilingual speech\u00bb, <em>International Journal of Bilingualism <\/em>3.4, 309-332.<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Bundesamt f\u00fcr Statistik (2021). \u00abStrukturerhebung. Hauptsprache nach Kanton, 2017-2021\u00bb, in: &lt;<a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/grundlagen\/volkszaehlung\/vier-kernelemente\/strukturerhebung.html\">https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/grundlagen\/volkszaehlung\/vier-kernelemente\/strukturerhebung.html<\/a>&gt; [08.03.2024].<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Cathomas, Claudia (2021). \u00ab<em>Ju a detg jeu fetsch bu il verstellen mei <\/em>\u2013 <em>Davart fuormas e funcziuns da code-switching el tuatschin<\/em>\u00bb, <em>Annalas da la Societad Retorumantscha <\/em>134, 103-123.<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Ciriza, Mar\u00eda del Puy (2019). \u00abTowards a parental <em>muda <\/em>for new Basque speakers: Assessing emotional factors and language ideologies\u00bb, <em>Journal of Sociolinguistics <\/em>23, 367-385.<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">De Houwer, Annick (1999). \u00abEnvironmental factors in early bilingual development: The role of parental beliefs and attitudes\u00bb, in: Extra, Guus\u00a0&amp; Ludo Verhoeven (Hrsg.), <em>Bilingualism and migration<\/em>, Berlin\/New York, De Gruyter Mouton,\u00a075-95.<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Gardner-Chloros, Penelope (2020). \u00abContact and Code-Switching\u00bb, in: Hick&shy;ey, Raymond (Hrsg.), <em>The Handbook of Language Contact<\/em>, Hoboken (NJ), John Wiley &amp; Sons, 181-189.<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Hall, Stuart (1990). \u00abCultural identity and diaspora\u00bb, in: Rutherford, Jonathan (Hrsg.), <em>Identity, Community, Culture, Difference<\/em>, London, Lawrence &amp; Wishart, 222-237.<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">K\u00f6nig, Katharina (2014). <em>Spracheinstellungen und Identit\u00e4tskonstruktion: eine gespr\u00e4chsanalytische Untersuchung sprachbiographischer Interviews mit Deutsch-Vietnamesen<\/em>, Berlin\/Boston, De Gruyter.<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Lantto, Hanna (2018). \u00abNew Basques and Code-Switching: Purist Tendencies, Social Pressures\u00bb, in: Smith-Christmas, Cassie, Noel P. \u00d3 Murchadha, Michael Hornsby &amp; M\u00e1ir\u00e9ad Moriarty (Hrsg.),<em> New Speakers of Minority Languages. Linguistic Ideologies and Practices<\/em>, London, Palgrave Macmillan, 165-187.<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Lanza, Elizabeth &amp; Rafael Lomeu Gomes (2020). \u00abFamily language policy: Foundations, theoretical perspectives and critical approaches\u00bb, in: Schalley, Andrea C. &amp; Susana A. Eisenchlas (Hrsg.), <em>Handbook of Home Language Maintenance and Development<\/em>, Berlin\/Boston, De Gruyter Mouton, 153-173.<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Nandi, Anik, Ibon Manterola, Facundo Reyna-Muniain &amp; Paula Kasares (2022). \u00abEffective Family Language Policies and Intergenerational Transmission of Minority Languages: Parental Language Governance in Indigenous and Diasporic Contexts\u00bb, in: Hornsby, Michael &amp; Wilson McLeod (Hrsg.), <em>Transmitting Minority Languages<\/em>, <em>Palgrave Studies in Minority Languages and Communities<\/em>, Cham, Springer, 305-329.<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">\u00d3 Murchadha, Noel P., Michael Hornsby, Cassie Smith-Christmas &amp; M\u00e1ir\u00e9ad Moriarty (2018). \u00abNew Speakers, Familiar Concepts?\u00bb, in: Smith-Christmas, Cassie, Noel P. \u00d3 Murchadha, Michael Hornsby &amp; M\u00e1ir\u00e9ad Moriarty (Hrsg.), <em>New Speakers of Minority Languages. Linguistic Ideologies and Practices<\/em>, London, Palgrave Macmillan, 1-22.<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">O\u2019Rourke, Bernadette, Joan Pujolar &amp; Fernando Ramallo (2015). \u00abNew speakers of minority languages: the challenging opportunity \u2013 Foreword\u00bb, <em>International Journal of the Sociology of the language<\/em> 231, 1-20.<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Ortega, Ane, Jacqueline Urla, Estibaliz Amorrortu, Jone Goirigolzarri &amp; Belen Uranga (2015). \u00abLinguistic identity among new speakers of Basque\u00bb, <em>International Journal of the Sociology of Language <\/em>231, 85-105.<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Puigdevall, Maite, John Walsh, Estibaliz Amorrortu &amp; Ane Ortega (2018). \u00ab\u201cI\u2019ll be one of them\u201d: linguistic mudes and new speakers in three minority language contexts\u00bb, <em>Journal of Multilingual and Multicultural Development<\/em> 39 (5), 445-457.<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Riches, Caroline &amp; Xiao Lan Curdt-Christiansen (2010). \u00abA tale of two Montreal communities: Parents\u2019 perspectives on their children\u2019s language and literacy development in a multilingual context\u00bb, <em>The Canadian Modern Language Review<\/em> 66 (4), 525-555.<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Roth, Maik (2019). \u00abDie ra\u0308toromanische Sprachminderheit in der Schweiz\u00bb, <em>Demos 2, BFS Aktuell<\/em>, 6-10.<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Schwartz, Mila (2010). \u00abFamily language policy: Core issues of an emerging field\u00bb, <em>Applied Linguistics Review<\/em> 1, 171-192.<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Smith-Christmas, Cassie, Noel P. \u00d3 Murchadha, Michael Hornsby &amp; M\u00e1ir\u00e9ad Moriarty (Hrsg.) (2018). <em>New Speakers of Minority Languages. Linguistic Ideologies and Practices<\/em>, London, Palgrave Macmillan.<\/p>\n<p class=\"hanging-indent\" style=\"font-weight: 400\">Zentella, Ana Celia (1997). <em>Growing up bilingual: Puerto Rican children in New York<\/em>, Oxford\/Malden (MA), Blackwell.<\/p>\n","protected":false},"author":419,"menu_order":1,"template":"","meta":{"pb_show_title":"on","pb_short_title":"New Speaker des R\u00e4toromanischen in der deutschschweizerischen Diaspora","pb_subtitle":"","pb_authors":["flurina-graf","claudia-cathomas"],"pb_section_license":""},"chapter-type":[],"contributor":[71,70],"license":[],"class_list":["post-41","chapter","type-chapter","status-publish","hentry","contributor-claudia-cathomas","contributor-flurina-graf"],"part":3,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/xii-dies-romanicus-turicensis\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/41","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/xii-dies-romanicus-turicensis\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/xii-dies-romanicus-turicensis\/wp-json\/wp\/v2\/types\/chapter"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/xii-dies-romanicus-turicensis\/wp-json\/wp\/v2\/users\/419"}],"version-history":[{"count":67,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/xii-dies-romanicus-turicensis\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/41\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":685,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/xii-dies-romanicus-turicensis\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/41\/revisions\/685"}],"part":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/xii-dies-romanicus-turicensis\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts\/3"}],"metadata":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/xii-dies-romanicus-turicensis\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/41\/metadata\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/xii-dies-romanicus-turicensis\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=41"}],"wp:term":[{"taxonomy":"chapter-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/xii-dies-romanicus-turicensis\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapter-type?post=41"},{"taxonomy":"contributor","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/xii-dies-romanicus-turicensis\/wp-json\/wp\/v2\/contributor?post=41"},{"taxonomy":"license","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/xii-dies-romanicus-turicensis\/wp-json\/wp\/v2\/license?post=41"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}