Hauptteil

2. Keine Definition – ein Praxis-Guide

Die folgende Grafik verdeutlicht, dass der Begriff Blended Learning nie eindeutig definiert werden können wird: Es handelt sich nur um graduelle Abstufungen von Technologie- bzw. Medieneinsätzen.

Ein älteres Blended Learning Konzeptmodell. Quelle: Picciano, A.G. (2009): Blending with purpose: The multimodal model. Journal of the Research Center for Educational Technology, 5(1). Kent, OH: Kent State University.

Blended Learning sagt also schlicht, dass die Lehrveranstaltung mit „gemischten“ Medien angeboten wird. Gerade zu Beginn des Internets in den 1990ern war der Begriff wichtig, um Online vs. Präsenzlehre voneinander abgrenzen zu können. Die Technologien waren neu und entwickelten sich schnell: Die ersten MOOCs entstanden ab 2008, vor nicht allzu langer Zeit. Häufig hatte man sich zu Beginn deshalb auf technologische Aspekte des Begriffs beschränkt.

Aktuelle Literatur geht sogar davon aus, dass der Begriff „blended“ in den nächsten Jahren verschwinden wird (Stein 2020: 9). Gerade in dieser Zeit, in der Technologie ein wesentlicher Bestandteil des Alltags geworden ist, kann es nicht mehr darum gehen, die beiden Modi „online“ vs. „Präsenz“ in Opposition zu bringen. Ebenso wenig sollte man nur danach fragen, welches Tool zur Verfügung steht, sondern wie gut die didaktische Umsetzung des eigenen (Lehr-)Formats gelingt (Picciano 2016: 3).

The most important aspect of the blend is the pedagogy, how you teach and how students learn during the online time to increase active learning, develop an engaged learning community, and promote learner autonomy. These pedagogical aspects are supported by the structural aspects of a blended course. (Stein 2020: 11)

Zur guten pädagogischen Umsetzung gehört, wie Stein bemerkt, die engagierte learning community: Nur wenn die Lerner*innen motiviert und engagiert sind, kann gut gelernt werden (Stein 2020: 47). Nicht die physische Distanz spielt die grösste Rolle, sondern die psychologische:

[…] physical distance is not as important as psychological distance when it comes to engaging learners. For example, a student might feel emotionally closer to an online instructor on the other side of the world who he interacts with personally than to an onsite classroom instructor with 100 students who develops no personal relationship with the students.

Ziel des vorliegenden Openbooks ist es daher nicht, der theoretischen Diskussion eine weitere Definition zu liefern, sondern mögliche Herangehensweisen für die praktische Umsetzung des Blended Course Designs zu zeigen und konkrete Umsetzungsbeispiele zu geben.

 

Lizenz

Blended Learning Design - ein Ansatz Copyright © Leyla Ciragan. Alle Rechte vorbehalten.

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