Hauptteil

3. Blended Course Design

Wie beginnt man nun am Besten mit dem Design eines Blended Kurses? Wir möchten davon abraten, lediglich bereits bestehende Lektionen as-is in Online-Formate umzuwandeln, sondern plädieren dafür, für jedes Lernziel nach geeigneten Aktivitäten und Medien zu suchen.

Die im Folgenden beschriebenen Schritte eignen sich nicht nur für Blended Settings, sondern sind allgemeiner hochschuldidaktischer Standard. Mit den folgenden Hilfsmitteln kann die Planung erleichtert werden.

3.1. Rückwärts planen

Eine der grössten Fallen von Blended Learning Settings ist, dass die Online-Anteile zusätzlich zum Onsite-Unterricht eingeplant werden und dadurch ein zu grosser Workload – also zu viel Lernzeit – generiert wird. Wird der Kurs dagegen nach Lernzeit und Lernzielen, d.h. Outcomes geplant, verringert sich dieses Risiko.

Ein Hinweis für alle, die sich mit Outcomes nicht anfreunden können, weil der denkerische Prozess gefährdet oder weil Wissen zu sehr portioniert wird: Ein Outcome könnte auch sein, debattieren zu lernen oder Denkwege zu entwickeln. Klar ist jedenfalls, dass Outcomes transparent machen können, was die Ziele des Kurses sind und wie sie bewertet werden.

Grob können zwei Arten von Outcomes unterschieden werden:

  • Kognitive Outcomes: Messbares Wissen oder Fähigkeiten, die die Studierenden erwerben.
  • Affektive Outcomes: Diese werden oft vergessen mit einzubeziehen und können auch schlechter gemessen werden. Da wir aber insbesondere auch über das Engagement mit der Materie lernen, sollten solche Lernziele auch formuliert werden, z.B. „[…] kann Theorie XY mit den eigenen Werten und Zielen verknüpfen“.
Tabelle 1: Beispiele für die Aufteilung in Onsite und Offsite Lernzeit bei einem Workload von 30h/ECTS
ECTS Lernzeit Onsite (Meetings) Lernzeit Offsite Total pro Woche Prüfungs-vorbereitung Total pro Semester
3 3 3+ 6+ 6 90+
6 3 9+ 12+ 12 180+

Um Outcomes definieren zu können, müssen sie zunächst von den Kurszielen unterschieden werden: Während die Ziele generellere Themen darstellen, z.B. ein bestimmtes literarisches Werk gelesen zu haben, beschreiben die Outcomes tatsächlich messbare Inhalte wie z.B. „Studierende können die vorliegende Textsorte beschreiben und x Elemente davon aufzählen“, etc.

Von der generellen Kursbeschreibung über breite Ziele zu den konkreten Outcomes (Stein 2020: 77).

Sind die Outcomes definiert, wird zuerst beschrieben, wie diese geprüft bzw. evaluiert werden können. So wird sicher gestellt, dass es sich um messbare (bewertbare) Inhalte handelt. Erst jetzt geht es darum, geeignete Aktivitäten (Interaktionen) und dazu passende Technologien auswählen.

Eine Course Design Map kann helfen, jede Lektion kompakt auf einer Karte darzustellen. Indem man diese für jede einzelne Lektion erstellt, wird die Machbarkeit schnell sichtbar. Auch können diese iterativ leicht verbessert werden, um folgende Lektionen oder Kurse ohne grossen Aufwand überarbeiten zu können.

Im folgenden Beispiel werden die Aktivitäten und Medien so gewählt, wie sie dem Outcome am Besten dienen.

Die Course Design Map macht eine einzelne Lektion übersichtlich und zeigt Ziel, Outcomes, Assessments und Aktivitäten auf einer einzelnen Karte (Stein 2020: 64).

Sind die Aktivitäten gewählt, wird für die Studierenden ein Workflow erstellt, d.h. die Aktivitäten müssen in eine Reihenfolge gebracht werden. Auf der obigen Course Design Map sind die Aktivitäten bereits in eine Reihenfolge gebracht worden, die Assessments hingegen noch nicht.

Rückwärts planen: Outcomes – assessment – activities – workflows (Stein 2020: 63)
3.2. Blended Rhythm – den Rhythmus des Kurses wählen

Die ausgewählten Aktivitäten und Medien haben nun einen Einfluss auf den Rhythmus des Kurses: Nicht für alle Lehrveranstaltungen eignet sich derselbe. Sind die meisten gewählten Aktivitäten online und asynchron, reicht es vielleicht aus, sich face-to-face (f2f) und onsite zu Beginn und Ende des Semesters zu treffen:

Das Semester wird mit zwei onsite Meetings „eingefasst“ (Stein 2020: 27).

Verlangen die gewählten Aktivitäten dagegen nach mehr f2f- oder onsite-Zeit, eignet sich vielleicht eher ein wöchentlicher Rhythmus, der onsite-Meetings mit online Aktivitäten abwechselt. Dabei können die online-Aktivitäten sowohl synchron wie auch asynchron sein.

Onsite Meetings werden mit online Aktivitäten abgewechselt (Stein 2020: 28).

 

Summary

  • Course Design Map erstellen:
    • Kurze Kursbeschreibung schreiben, die auch die generellen Ziele enthält.
    • Einzelne Lektionen bzw. Themen identifizieren, die zu jedem Ziel gehören.
  • Welche konkreten Lernziele bzw. Outcomes können aus den Zielen abgeleitet werden?
  • Wie wird jedes Lernziel überprüft (assessment)?
  • Welche Anteile einer Lektion sind onsite, offsite, synchron oder asynchron und mit welcher Interaktion oder Aktivität verknüpft?
  • Wie bringe ich die Lernziele mit den dazugehörigen Aktivitäten in einen geeigneten Workflows (Aktivitäten organisieren und in eine Timeline bringen)?
  • Blended Rhythm passend zu den Aktivitätstypen auswählen

 

Lizenz

Blended Learning Design - ein Ansatz Copyright © Leyla Ciragan. Alle Rechte vorbehalten.

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