{"id":933,"date":"2022-02-16T09:32:10","date_gmt":"2022-02-16T08:32:10","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/?post_type=chapter&#038;p=933"},"modified":"2022-07-16T17:08:49","modified_gmt":"2022-07-16T15:08:49","slug":"sag-mir-wie-du-heisst-und-ich-sage-dir-wer-du-bist","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/chapter\/sag-mir-wie-du-heisst-und-ich-sage-dir-wer-du-bist\/","title":{"raw":"Sag mir, wie du heisst, und ich sage dir, wer du bist","rendered":"Sag mir, wie du heisst, und ich sage dir, wer du bist"},"content":{"raw":"[caption id=\"attachment_3705\" align=\"alignleft\" width=\"300\"]<a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/02\/2_Sklaven-Fresko.png\"><img src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/02\/2_Sklaven-Fresko-300x237.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3705 size-medium\" width=\"300\" height=\"237\" \/><\/a> Sklaven bedienen G\u00e4ste[\/caption]\r\n<p style=\"text-align: justify\">Die r\u00f6mische Gesellschaft wurde in zwei grosse Kategorien eingeteilt: In die Freien und die Sklav*innen. \u00a0Diese wurden rechtlich als Sache betrachtet, konnten aber freigelassen werden. Als Freigelassene hatten sie fast dieselben Rechte wie freie B\u00fcrger, Wahlrecht und politische Karrierem\u00f6glichkeiten waren aber eingeschr\u00e4nkt. Erst der Sohn eines Freigelassenen war vollumf\u00e4nglich freier B\u00fcrger. Auch bei den Frauen gab es die drei verschiedenen Standeskategorien, doch hatten Frauen eingeschr\u00e4nkte B\u00fcrgerrechte, da sie nicht w\u00e4hlen durften und immer unter der rechtlichen Obhut eines Mannes (Vater, Ehemann oder Bruder) standen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\">Die r\u00f6mischen Namen bilden diese Verh\u00e4ltnisse ab: Ein freier r\u00f6mischer B\u00fcrger hatte (etwa ab der Kaiserzeit) drei Namen, das <em>praenomen<\/em> (Vornamen), das <em>nomen gentile<\/em> (Familienname) und das <em>cognomen <\/em>(ein weiterer Familienname zur Unterscheidung der Linie einer <em>gens<\/em>).\u00a0So heisst das Familienoberhaupt unserer Familie Titus Manlius Crassus.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\">Das <strong><em>praenomen<\/em> <\/strong>wurde normalerweise abgek\u00fcrzt: T. Manlius Crassus.<\/p>\r\n\r\n<table class=\"grid\" style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 30px\" border=\"0\">\r\n<tbody>\r\n<tr style=\"height: 15px\">\r\n<td style=\"width: 25%;height: 15px\">T. \u21fe Titus<\/td>\r\n<td style=\"width: 25%;height: 15px\">Q. \u21fe Quintus<\/td>\r\n<td style=\"width: 25%;height: 15px\">C. \u21fe G\u0101ius<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr style=\"height: 15px\">\r\n<td style=\"width: 25%;height: 15px\">M. \u21fe M\u0101rcus<\/td>\r\n<td style=\"width: 25%;height: 15px\">L. \u21fe L\u016bcius<\/td>\r\n<td style=\"width: 25%;height: 15px;text-align: justify\">P. \u21fe P\u016bblius<\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<p style=\"text-align: justify\">Das <strong><em>nomen gentile <\/em><\/strong>und das <strong><em>cognomen<\/em> <\/strong>wurden auf die S\u00f6hne vererbt, der \u00e4lteste Sohn bekam normalerweise dasselbe <em>praenomen<\/em> wie der Vater. Um Verwechslungen zwischen den Generationen vorzubeugen wurde nach dem eigenen Vornamen und Familiennamen der Name des Vaters (in der Formel <em>Tit\u012b f\u012blius <\/em>\u00abSohn des Titus\u00bb), im Zweifelsfalle sogar der des Grossvaters in Abk\u00fcrzung mit angegeben.\u00a0Der \u00e4lteste Sohn unseres T. Manlius Crassus heisst also Titus Manlius Tit\u012b f\u012blius Crassus.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Frauen<\/strong> nahmen die weibliche Form des <em>nomen gentile<\/em> der Familie, in die sie hineingeboren wurden, an, im Falle der T\u00f6chter unserer Familie also Manlia. Dazu traten zur Unterscheidung Bezeichnungen wie Maior (die \u00e4ltere) oder Minor (die j\u00fcngere), Tertia (die dritte) etc.. Auch bei Frauen wurde zur genauen Unterscheidung der Name des Vaters mit derselben Formel angegeben.\u00a0Die \u00e4lteste Tochter unseres T. Manlius Crassus heisst also Manlia Titi filia Maior.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Sklaven<\/strong> hatten nur einen Namen, der oft ihre Herkunft anzeigte (D\u0113lia <em>aus Delos, <\/em>Lesbia <em>aus Lesbos<\/em>, Syrus <em>aus Syria <\/em>etc.). Um sie n\u00e4her zu bezeichnen, gab man den Namen des Herrn im Genitiv mit an, unser Sklave Cretus w\u00e4re also als Cretus Crassi bezeichnet worden.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Freigelassene<\/strong> \u00fcbernahmen <em>praenomen<\/em> und <em>nomen gentile<\/em> ihres Herrn. Der Sklavenname wurde dann zum <em>cognomen<\/em>. Zur genauen Unterscheidung wurde statt des Namens des Vaters der Name des Freilassers angegeben. Unser Cretus hiesse also nach der Freilassung Titus Manlius Titi libertus Cretus.<\/p>","rendered":"<figure id=\"attachment_3705\" aria-describedby=\"caption-attachment-3705\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/02\/2_Sklaven-Fresko.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/02\/2_Sklaven-Fresko-300x237.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3705 size-medium\" width=\"300\" height=\"237\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/02\/2_Sklaven-Fresko-300x237.png 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/02\/2_Sklaven-Fresko-1024x810.png 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/02\/2_Sklaven-Fresko-768x608.png 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/02\/2_Sklaven-Fresko-65x51.png 65w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/02\/2_Sklaven-Fresko-225x178.png 225w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/02\/2_Sklaven-Fresko-350x277.png 350w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/02\/2_Sklaven-Fresko.png 1034w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3705\" class=\"wp-caption-text\">Sklaven bedienen G\u00e4ste<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Die r\u00f6mische Gesellschaft wurde in zwei grosse Kategorien eingeteilt: In die Freien und die Sklav*innen. \u00a0Diese wurden rechtlich als Sache betrachtet, konnten aber freigelassen werden. Als Freigelassene hatten sie fast dieselben Rechte wie freie B\u00fcrger, Wahlrecht und politische Karrierem\u00f6glichkeiten waren aber eingeschr\u00e4nkt. Erst der Sohn eines Freigelassenen war vollumf\u00e4nglich freier B\u00fcrger. Auch bei den Frauen gab es die drei verschiedenen Standeskategorien, doch hatten Frauen eingeschr\u00e4nkte B\u00fcrgerrechte, da sie nicht w\u00e4hlen durften und immer unter der rechtlichen Obhut eines Mannes (Vater, Ehemann oder Bruder) standen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die r\u00f6mischen Namen bilden diese Verh\u00e4ltnisse ab: Ein freier r\u00f6mischer B\u00fcrger hatte (etwa ab der Kaiserzeit) drei Namen, das <em>praenomen<\/em> (Vornamen), das <em>nomen gentile<\/em> (Familienname) und das <em>cognomen <\/em>(ein weiterer Familienname zur Unterscheidung der Linie einer <em>gens<\/em>).\u00a0So heisst das Familienoberhaupt unserer Familie Titus Manlius Crassus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das <strong><em>praenomen<\/em> <\/strong>wurde normalerweise abgek\u00fcrzt: T. Manlius Crassus.<\/p>\n<table class=\"grid\" style=\"border-collapse: collapse;width: 100%;height: 30px\">\n<tbody>\n<tr style=\"height: 15px\">\n<td style=\"width: 25%;height: 15px\">T. \u21fe Titus<\/td>\n<td style=\"width: 25%;height: 15px\">Q. \u21fe Quintus<\/td>\n<td style=\"width: 25%;height: 15px\">C. \u21fe G\u0101ius<\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"height: 15px\">\n<td style=\"width: 25%;height: 15px\">M. \u21fe M\u0101rcus<\/td>\n<td style=\"width: 25%;height: 15px\">L. \u21fe L\u016bcius<\/td>\n<td style=\"width: 25%;height: 15px;text-align: justify\">P. \u21fe P\u016bblius<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: justify\">Das <strong><em>nomen gentile <\/em><\/strong>und das <strong><em>cognomen<\/em> <\/strong>wurden auf die S\u00f6hne vererbt, der \u00e4lteste Sohn bekam normalerweise dasselbe <em>praenomen<\/em> wie der Vater. 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Manlius Crassus heisst also Manlia Titi filia Maior.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Sklaven<\/strong> hatten nur einen Namen, der oft ihre Herkunft anzeigte (D\u0113lia <em>aus Delos, <\/em>Lesbia <em>aus Lesbos<\/em>, Syrus <em>aus Syria <\/em>etc.). Um sie n\u00e4her zu bezeichnen, gab man den Namen des Herrn im Genitiv mit an, unser Sklave Cretus w\u00e4re also als Cretus Crassi bezeichnet worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Freigelassene<\/strong> \u00fcbernahmen <em>praenomen<\/em> und <em>nomen gentile<\/em> ihres Herrn. Der Sklavenname wurde dann zum <em>cognomen<\/em>. Zur genauen Unterscheidung wurde statt des Namens des Vaters der Name des Freilassers angegeben. 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