{"id":536,"date":"2022-01-31T16:22:29","date_gmt":"2022-01-31T15:22:29","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/?post_type=chapter&#038;p=536"},"modified":"2022-02-20T16:32:37","modified_gmt":"2022-02-20T15:32:37","slug":"eine-gesellschaft-voller-ungleichheit","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/chapter\/eine-gesellschaft-voller-ungleichheit\/","title":{"raw":"Eine Gesellschaft voller Ungleichheit","rendered":"Eine Gesellschaft voller Ungleichheit"},"content":{"raw":"<p style=\"text-align: justify\">Im ersten Jahrhundert nach Christus lebte etwa eine Million Menschen in der Stadt Rom. Doch nicht alle waren gleichgestellt: Wer das r\u00f6mische B\u00fcrgerrecht besass, genoss Privilegien und Sicherheiten, von denen die \u00fcbrigen R\u00f6mer*innen nur tr\u00e4umen konnten. So wurden r\u00f6mische B\u00fcrger*innen, die eines Kapitalverbrechens f\u00fcr schuldig befunden worden waren, weniger streng bestraft als Nichtb\u00fcrger*innen. Doch auch unter den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern waren nicht alle gleich. So konnten nur erwachsene M\u00e4nner abstimmen und f\u00fcr \u00c4mter kandidieren.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\">Sch\u00e4tzungen gehen davon aus, dass 10\u201325% der Bev\u00f6lkerung Sklavinnen und Sklaven waren. Sie geh\u00f6rten ihren Herrinnen und Herren und galten als Sache. Das Wort <em>servus\/serva <\/em>stammt vermutlich von dem indoeurop\u00e4ischen Wort f\u00fcr \u00abBeute\u00bb, und tats\u00e4chlich waren Sklavinnen und Sklaven meistens Kriegsgefangene oder deren Nachkommen. Die R\u00f6mer haben die Sklaverei \u00fcbrigens nicht erfunden; auch in Griechenland und im Orient wurden die Bewohner*innen eroberter St\u00e4dte versklavt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\">Die R\u00f6mer*innen hatten ein komplexes Verh\u00e4ltnis zur Sklaverei: Als Romulus und Remus Rom gr\u00fcndeten, nahmen sie auch geflohene Sklaven in ihre Reihen auf, und einer ihrer sieben K\u00f6nige, Servius Tullius, soll selbst der Sohn einer Sklavin gewesen sein. Da f\u00fcr gew\u00f6hnlich das Kriegsgl\u00fcck dar\u00fcber entschied, ob jemand versklavt wurde, war vielen Herrinnen und Herren bewusst, dass ihre Sklavinnen und Sklaven Menschen waren wie sie selbst. Dennoch behandelten sie sie sehr unterschiedlich: Manche gingen respektvoll mit ihnen um, vertrauten ihnen in wichtigen Angelegenheiten, zahlten ihnen einen kleinen Lohn und liessen sie nach einer gewissen Zeit in ihren Diensten frei. Es gab aber Sklavinnen und Sklaven, die schon bei kleinen Vergehen \u00fcbertrieben hart bestraft wurden; auch sexueller Missbrauch war weit verbreitet.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_1414\" align=\"alignleft\" width=\"257\"]<a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/01\/Sklave-1-1-scaled.jpeg\"><img src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/01\/Sklave-1-1-200x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"257\" height=\"386\" class=\"wp-image-1414 \" \/><\/a> Sklavenhalskette mit der Aufschrift \u00abFVGI TENE ME \/ CVM REVOCV \/ VERIS ME D(OMINO) M(EO) \/ ZONINO ACCIPIS \/ SOLIDVM\u00bb[\/caption]\r\n<p style=\"text-align: justify\">Welches Schicksal eine Sklavin, einen Sklaven erwartete, hing einerseits von deren Ausbildung und Begabung ab: Waren sie klug, konnten sie lesen und schreiben, so wurden sie gern als Sekret\u00e4re oder Hauslehrer eingesetzt. Solche Sklaven waren wertvoll, und es lag im Interesse der Besitzerin, sie gut zu behandeln. Geschickte Sklav*innen arbeiteten als Handwerker*innen und waren nicht unbedingt schlechter dran als arme Freie. H\u00fcbsche Jungen und M\u00e4dchen wurden dagegen oft Opfer sexueller \u00dcbergriffe; viele Sklavinnen mussten auch als Prostituierte in Bordellen arbeiten.\u00a0Noch schlimmer traf es die Sklaven, die in Bergwerken eingesetzt wurden. Die Lebensbedingungen dort waren derart katastrophal, dass die meisten nach kurzer Zeit starben.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\">Zwar hatten Sklavinnen und Sklaven keine Rechte; sie konnten auch nicht heiraten oder ihren Besitz vererben. Trotzdem waren sie ihren Besitzern und Besitzerinnen nicht immer schutzlos ausgeliefert. In der Kaiserzeit wurden Gesetze erlassen, die das T\u00f6ten von Sklavinnen und Sklaven verboten, und wer seinen Sklaven grausam behandelte, konnte gezwungen werden, ihn zu verkaufen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\">Sklavinnen und Sklaven, die freigelassen worden waren, erhielten das r\u00f6mische B\u00fcrgerrecht, wodurch sie manchmal sogar bessergestellt waren als freie Nichtb\u00fcrger*innen. Einige Freigelassene brachten es zu grossem Reichtum und Einfluss.<\/p>","rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Im ersten Jahrhundert nach Christus lebte etwa eine Million Menschen in der Stadt Rom. Doch nicht alle waren gleichgestellt: Wer das r\u00f6mische B\u00fcrgerrecht besass, genoss Privilegien und Sicherheiten, von denen die \u00fcbrigen R\u00f6mer*innen nur tr\u00e4umen konnten. So wurden r\u00f6mische B\u00fcrger*innen, die eines Kapitalverbrechens f\u00fcr schuldig befunden worden waren, weniger streng bestraft als Nichtb\u00fcrger*innen. Doch auch unter den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern waren nicht alle gleich. So konnten nur erwachsene M\u00e4nner abstimmen und f\u00fcr \u00c4mter kandidieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sch\u00e4tzungen gehen davon aus, dass 10\u201325% der Bev\u00f6lkerung Sklavinnen und Sklaven waren. Sie geh\u00f6rten ihren Herrinnen und Herren und galten als Sache. Das Wort <em>servus\/serva <\/em>stammt vermutlich von dem indoeurop\u00e4ischen Wort f\u00fcr \u00abBeute\u00bb, und tats\u00e4chlich waren Sklavinnen und Sklaven meistens Kriegsgefangene oder deren Nachkommen. Die R\u00f6mer haben die Sklaverei \u00fcbrigens nicht erfunden; auch in Griechenland und im Orient wurden die Bewohner*innen eroberter St\u00e4dte versklavt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die R\u00f6mer*innen hatten ein komplexes Verh\u00e4ltnis zur Sklaverei: Als Romulus und Remus Rom gr\u00fcndeten, nahmen sie auch geflohene Sklaven in ihre Reihen auf, und einer ihrer sieben K\u00f6nige, Servius Tullius, soll selbst der Sohn einer Sklavin gewesen sein. Da f\u00fcr gew\u00f6hnlich das Kriegsgl\u00fcck dar\u00fcber entschied, ob jemand versklavt wurde, war vielen Herrinnen und Herren bewusst, dass ihre Sklavinnen und Sklaven Menschen waren wie sie selbst. Dennoch behandelten sie sie sehr unterschiedlich: Manche gingen respektvoll mit ihnen um, vertrauten ihnen in wichtigen Angelegenheiten, zahlten ihnen einen kleinen Lohn und liessen sie nach einer gewissen Zeit in ihren Diensten frei. Es gab aber Sklavinnen und Sklaven, die schon bei kleinen Vergehen \u00fcbertrieben hart bestraft wurden; auch sexueller Missbrauch war weit verbreitet.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1414\" aria-describedby=\"caption-attachment-1414\" style=\"width: 257px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/01\/Sklave-1-1-scaled.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/01\/Sklave-1-1-200x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"257\" height=\"386\" class=\"wp-image-1414\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/01\/Sklave-1-1-200x300.jpeg 200w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/01\/Sklave-1-1-683x1024.jpeg 683w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/01\/Sklave-1-1-768x1152.jpeg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/01\/Sklave-1-1-1024x1536.jpeg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/01\/Sklave-1-1-1365x2048.jpeg 1365w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/01\/Sklave-1-1-65x98.jpeg 65w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/01\/Sklave-1-1-225x338.jpeg 225w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/01\/Sklave-1-1-350x525.jpeg 350w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/01\/Sklave-1-1-scaled.jpeg 1707w\" sizes=\"(max-width: 257px) 100vw, 257px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1414\" class=\"wp-caption-text\">Sklavenhalskette mit der Aufschrift \u00abFVGI TENE ME \/ CVM REVOCV \/ VERIS ME D(OMINO) M(EO) \/ ZONINO ACCIPIS \/ SOLIDVM\u00bb<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Welches Schicksal eine Sklavin, einen Sklaven erwartete, hing einerseits von deren Ausbildung und Begabung ab: Waren sie klug, konnten sie lesen und schreiben, so wurden sie gern als Sekret\u00e4re oder Hauslehrer eingesetzt. Solche Sklaven waren wertvoll, und es lag im Interesse der Besitzerin, sie gut zu behandeln. Geschickte Sklav*innen arbeiteten als Handwerker*innen und waren nicht unbedingt schlechter dran als arme Freie. H\u00fcbsche Jungen und M\u00e4dchen wurden dagegen oft Opfer sexueller \u00dcbergriffe; viele Sklavinnen mussten auch als Prostituierte in Bordellen arbeiten.\u00a0Noch schlimmer traf es die Sklaven, die in Bergwerken eingesetzt wurden. Die Lebensbedingungen dort waren derart katastrophal, dass die meisten nach kurzer Zeit starben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zwar hatten Sklavinnen und Sklaven keine Rechte; sie konnten auch nicht heiraten oder ihren Besitz vererben. Trotzdem waren sie ihren Besitzern und Besitzerinnen nicht immer schutzlos ausgeliefert. In der Kaiserzeit wurden Gesetze erlassen, die das T\u00f6ten von Sklavinnen und Sklaven verboten, und wer seinen Sklaven grausam behandelte, konnte gezwungen werden, ihn zu verkaufen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sklavinnen und Sklaven, die freigelassen worden waren, erhielten das r\u00f6mische B\u00fcrgerrecht, wodurch sie manchmal sogar bessergestellt waren als freie Nichtb\u00fcrger*innen. 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