{"id":39,"date":"2021-12-30T13:13:35","date_gmt":"2021-12-30T12:13:35","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/chapter\/die-suche-nach-einem-gluecklichen-leben\/"},"modified":"2023-03-07T10:08:46","modified_gmt":"2023-03-07T09:08:46","slug":"die-suche-nach-einem-gluecklichen-leben","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/chapter\/die-suche-nach-einem-gluecklichen-leben\/","title":{"raw":"Die Stoa: Suche nach dem gl\u00fccklichen Leben","rendered":"Die Stoa: Suche nach dem gl\u00fccklichen Leben"},"content":{"raw":"<p style=\"text-align: justify\">Was ist ein gl\u00fcckliches Leben? Oft werden wir fremdbestimmt durch Machtstreben, Ehrgeiz und Geldgier. Auch Furcht - vor allem die Todesfurcht \u2013 hindert uns daran, gl\u00fccklich zu sein. Wie k\u00f6nnen wir uns von all dem befreien? Antworten darauf kann uns die Philosophie geben.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\">Das griechische Wort \u03c6\u03b9\u03bb\u03bf\u03c3\u03bf\u03c6\u03af\u03b1 bedeutet \u00abLiebe zur Weisheit\u00bb. W\u00e4hrend sich die vorsokratischen Philosophen vor allem mit dem Kosmos auseinandergesetzt haben, wird sp\u00e4ter im Hellenismus die Suche nach einem gl\u00fccklichen Leben, nach der \u1f10\u03c5\u03b4\u03b1\u03b9\u03bc\u03bf\u03bd\u03af\u03b1 (<em>eudaimonia<\/em>), zum beherrschenden Thema der verschiedenen Philosophenschulen. Der Mensch und sein Leben und Handeln stehen nun im Mittelpunkt. Den Bereich der Philosophie, der sich mit der Frage, wie ein Mensch gut und gl\u00fccklich leben kann, befasst, nennen wir Ethik.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\">Eine der wichtigsten Philosophenschulen dieser Zeit war die Stoa. Ihren Namen erhielt sie von der bunten S\u00e4ulenhalle <em>stoa poikile<\/em>, einem zentralen Versammlungsort auf der Athener Agora. Die Stoiker waren der Meinung, dass die Vernunft das h\u00f6chste Gut und Ziel des Lebens sei. Nur der Weise (lat. <em>sapiens<\/em>) verf\u00fcgt \u00fcber diese Vernunft, kann somit gut handeln und ist gl\u00fccklich. Frei von Leidenschaften (<em>apatheia<\/em>) und im Besitz einer unersch\u00fctterlichen Seelenruhe (<em>ataraxia<\/em>) hat er Anteil an der Weltvernunft, die als feuriger Hauch den ganzen\u00a0Kosmos und alle Menschen durchstr\u00f6mt. Dieses m\u00e4chtige und g\u00f6ttliche Prinzip ist in allem lebendig und wirksam und ist gleichbedeutend mit Gott, Natur, Vorsehung oder Schicksal.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_38\" align=\"alignright\" width=\"300\"]<a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2021\/12\/Stoa_in_Athens.jpg\"><img src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2021\/12\/Stoa_in_Athens-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" class=\"wp-image-38 size-medium\" \/><\/a> Die antike Stoa des Attalos in Athen (Rekonstruktion)[\/caption]\r\n<p style=\"text-align: justify\">Alles geschieht deswegen mit einer Notwendigkeit. Der Mensch kann am \u00e4usseren Weltlauf nichts \u00e4ndern, sondern nur innerlich auf unterschiedliche Weise dazu Stellung nehmen. Dadurch bestimmt er, ob er in gl\u00fccklicher Harmonie mit sich selbst und mit der Natur lebt oder nicht. Der Mensch gleicht einem Hund, der an einen Wagen gebunden ist: Ist er klug, l\u00e4uft er freiwillig und zufrieden mit. Wehrt er sich jedoch, wird er vom Wagen mitgezogen und leidet dabei. Der Sklave Epiktet - ein wichtiger Vertreter der Stoa - verwendet einen anderen Vergleich: \u00abDenke daran, dass du Darsteller bist in einem St\u00fcck, das der Regisseur bestimmt, und zwar eines kurzen, wenn er es kurz, eines langen, wenn er es lang w\u00fcnscht. Wenn er w\u00fcnscht, dass du einen Bettler darstellen sollst, musst du auch diesen angemessen spielen, und so, wenn du einen Kr\u00fcppel, einen Herrscher, eine Privatperson darstellen sollst. Denn deine Sache ist es, die zugewiesene Rolle ordentlich zu spielen; sie auszuw\u00e4hlen, ist Sache eines anderen.\u00bb<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\">Das Ziel der Stoikerinnen und Stoiker ist, unter allen Umst\u00e4nden im Einklang mit der Natur zu leben. Frei von Leidenschaften f\u00fchren sie ihr Leben in Ruhe und Gelassenheit. Sogar im Schmerz sind sie gl\u00fccklich.<\/p>","rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Was ist ein gl\u00fcckliches Leben? Oft werden wir fremdbestimmt durch Machtstreben, Ehrgeiz und Geldgier. Auch Furcht &#8211; vor allem die Todesfurcht \u2013 hindert uns daran, gl\u00fccklich zu sein. Wie k\u00f6nnen wir uns von all dem befreien? Antworten darauf kann uns die Philosophie geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das griechische Wort \u03c6\u03b9\u03bb\u03bf\u03c3\u03bf\u03c6\u03af\u03b1 bedeutet \u00abLiebe zur Weisheit\u00bb. W\u00e4hrend sich die vorsokratischen Philosophen vor allem mit dem Kosmos auseinandergesetzt haben, wird sp\u00e4ter im Hellenismus die Suche nach einem gl\u00fccklichen Leben, nach der \u1f10\u03c5\u03b4\u03b1\u03b9\u03bc\u03bf\u03bd\u03af\u03b1 (<em>eudaimonia<\/em>), zum beherrschenden Thema der verschiedenen Philosophenschulen. Der Mensch und sein Leben und Handeln stehen nun im Mittelpunkt. Den Bereich der Philosophie, der sich mit der Frage, wie ein Mensch gut und gl\u00fccklich leben kann, befasst, nennen wir Ethik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine der wichtigsten Philosophenschulen dieser Zeit war die Stoa. Ihren Namen erhielt sie von der bunten S\u00e4ulenhalle <em>stoa poikile<\/em>, einem zentralen Versammlungsort auf der Athener Agora. Die Stoiker waren der Meinung, dass die Vernunft das h\u00f6chste Gut und Ziel des Lebens sei. Nur der Weise (lat. <em>sapiens<\/em>) verf\u00fcgt \u00fcber diese Vernunft, kann somit gut handeln und ist gl\u00fccklich. Frei von Leidenschaften (<em>apatheia<\/em>) und im Besitz einer unersch\u00fctterlichen Seelenruhe (<em>ataraxia<\/em>) hat er Anteil an der Weltvernunft, die als feuriger Hauch den ganzen\u00a0Kosmos und alle Menschen durchstr\u00f6mt. Dieses m\u00e4chtige und g\u00f6ttliche Prinzip ist in allem lebendig und wirksam und ist gleichbedeutend mit Gott, Natur, Vorsehung oder Schicksal.<\/p>\n<figure id=\"attachment_38\" aria-describedby=\"caption-attachment-38\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2021\/12\/Stoa_in_Athens.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2021\/12\/Stoa_in_Athens-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" class=\"wp-image-38 size-medium\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2021\/12\/Stoa_in_Athens-300x225.jpg 300w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2021\/12\/Stoa_in_Athens-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2021\/12\/Stoa_in_Athens-768x576.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2021\/12\/Stoa_in_Athens-65x49.jpg 65w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2021\/12\/Stoa_in_Athens-225x169.jpg 225w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2021\/12\/Stoa_in_Athens-350x263.jpg 350w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2021\/12\/Stoa_in_Athens.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-38\" class=\"wp-caption-text\">Die antike Stoa des Attalos in Athen (Rekonstruktion)<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\">Alles geschieht deswegen mit einer Notwendigkeit. 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