{"id":3586,"date":"2022-07-12T13:27:16","date_gmt":"2022-07-12T11:27:16","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/?post_type=chapter&#038;p=3586"},"modified":"2022-07-12T13:29:32","modified_gmt":"2022-07-12T11:29:32","slug":"das-gute-leben","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/chapter\/das-gute-leben\/","title":{"raw":"Das gute Leben","rendered":"Das gute Leben"},"content":{"raw":"<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\">Lucius Annaeus Seneca, den du schon in Lektion XXV kennengelernt hast, wurde zu Beginn unserer Zeitrechnung in Corduba in Spanien als Sohn eines sehr wohlhabenden r\u00f6mischen Ritters geboren.<\/p>\r\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\">Das genaue Geburtsjahr kennen wir genauso wenig wie den Grund, aus dem er im Kleinkindalter von seiner Tante nach Rom gebracht wurde. Der Vater war dort \u00fcber lange Zeit mit rhetorischen Studien besch\u00e4ftigt und war nicht unbedingt erfreut, als sein Sohn sich schon fr\u00fch f\u00fcr Philosophie interessierte. Lucius h\u00f6rte Philosophen aus verschiedenen Philosophenschulen und wendete sich schliesslich der Stoa zu. Wie die meisten S\u00f6hne wohlhabender Eltern trat er die \u00c4mterlaufbahn an (wir wissen jedoch nur, dass er Qu\u00e4stor war), liess sich zum Anwalt ausbilden und arbeitete sp\u00e4ter auch als solcher.<\/p>\r\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\">Aufgrund einer Intrige von Messalina, der Frau des Kaisers Claudius, wurde er im Februar 41 nach Corsica verbannt.<\/p>\r\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\">Das war wohl die schlimmste Strafe f\u00fcr einen Intellektuellen aus Rom: Corsica war eine Provinz, in der nichts an die Eleganz der Hauptstadt erinnerte, eine w\u00fcste Insel mit unkultivierten Bewohnern, unter denen Seneca nur leiden konnte. So zog er sich zur\u00fcck und widmete seine Zeit dem Verfassen philosophischer Schriften.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_3587\" align=\"alignleft\" width=\"213\"]<a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/07\/32_Manuskript_Seneca-scaled.jpg\"><img src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/07\/32_Manuskript_Seneca-213x300.jpg\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"300\" class=\"wp-image-3587 size-medium\" \/><\/a> Manuskriptseite aus Senecas Briefen an Lucilius (15. Jh.)[\/caption]\r\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\">Nach der Hinrichtung der Messalina im Jahre 48 n. Chr. wurde er wieder nach Rom gerufen, und die neue Kaisergattin Agrippina, eine alte G\u00f6nnerin Senecas, liess ihn am Kaiserhof als Lehrer ihres Sohnes, des sp\u00e4teren Kaisers Nero, arbeiten. So hatte er grossen Einfluss auf den zuk\u00fcnftigen Kaiser und spielte auch eine wichtige Rolle am Hofe, nachdem Nero seinem Adoptivvater Claudius im Amt nachgefolgt war.<\/p>\r\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\">Doch das Schicksal ist launisch, und am Schluss war es der exzentrische Kaiser Nero, der Seneca im Jahre 65 n. Chr. zum Selbstmord zwang.<\/p>\r\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\">Das Werk <em>De tranquillitate animi <\/em>(\u00abVon der Seelenruhe\u00bb) ist als Dialog mit seinem Freund Annaeus Serenus aufgebaut. Serenus fragt sich, ob er eine politische Karriere im Licht der \u00d6ffentlichkeit antreten oder doch lieber zur\u00fcckgezogen leben soll, und klagt dabei \u00fcber die\u00a0eigene Antriebslosigkeit.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify\">Das Werk f\u00e4llt in eine Kategorie, die man heute vielleicht als philosophisch-psychologischen Lebensratgeber bezeichnen k\u00f6nnte, denn einerseits diskutiert es verschiedene Aspekte von Serenus\u2019 Fragestellung, andererseits besch\u00e4ftigt es sich auch intensiv mit der Frage, wie die eine oder andere T\u00e4tigkeit den seelischen Zustand eines Menschen beeinflusst. Dabei spricht Seneca auch die f\u00fcr die Menschheit verh\u00e4ngnisvolle Rolle des Geldes an.<\/p>","rendered":"<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\">Lucius Annaeus Seneca, den du schon in Lektion XXV kennengelernt hast, wurde zu Beginn unserer Zeitrechnung in Corduba in Spanien als Sohn eines sehr wohlhabenden r\u00f6mischen Ritters geboren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\">Das genaue Geburtsjahr kennen wir genauso wenig wie den Grund, aus dem er im Kleinkindalter von seiner Tante nach Rom gebracht wurde. Der Vater war dort \u00fcber lange Zeit mit rhetorischen Studien besch\u00e4ftigt und war nicht unbedingt erfreut, als sein Sohn sich schon fr\u00fch f\u00fcr Philosophie interessierte. Lucius h\u00f6rte Philosophen aus verschiedenen Philosophenschulen und wendete sich schliesslich der Stoa zu. Wie die meisten S\u00f6hne wohlhabender Eltern trat er die \u00c4mterlaufbahn an (wir wissen jedoch nur, dass er Qu\u00e4stor war), liess sich zum Anwalt ausbilden und arbeitete sp\u00e4ter auch als solcher.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\">Aufgrund einer Intrige von Messalina, der Frau des Kaisers Claudius, wurde er im Februar 41 nach Corsica verbannt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\">Das war wohl die schlimmste Strafe f\u00fcr einen Intellektuellen aus Rom: Corsica war eine Provinz, in der nichts an die Eleganz der Hauptstadt erinnerte, eine w\u00fcste Insel mit unkultivierten Bewohnern, unter denen Seneca nur leiden konnte. So zog er sich zur\u00fcck und widmete seine Zeit dem Verfassen philosophischer Schriften.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3587\" aria-describedby=\"caption-attachment-3587\" style=\"width: 213px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/07\/32_Manuskript_Seneca-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/07\/32_Manuskript_Seneca-213x300.jpg\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"300\" class=\"wp-image-3587 size-medium\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/07\/32_Manuskript_Seneca-213x300.jpg 213w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/07\/32_Manuskript_Seneca-725x1024.jpg 725w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/07\/32_Manuskript_Seneca-768x1084.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/07\/32_Manuskript_Seneca-1088x1536.jpg 1088w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/07\/32_Manuskript_Seneca-1451x2048.jpg 1451w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/07\/32_Manuskript_Seneca-65x92.jpg 65w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/07\/32_Manuskript_Seneca-225x318.jpg 225w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/07\/32_Manuskript_Seneca-350x494.jpg 350w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/amor\/wp-content\/uploads\/sites\/105\/2022\/07\/32_Manuskript_Seneca-scaled.jpg 1814w\" sizes=\"(max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3587\" class=\"wp-caption-text\">Manuskriptseite aus Senecas Briefen an Lucilius (15. 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