{"id":174,"date":"2022-05-31T17:09:33","date_gmt":"2022-05-31T15:09:33","guid":{"rendered":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/?post_type=chapter&#038;p=174"},"modified":"2022-06-27T14:46:43","modified_gmt":"2022-06-27T12:46:43","slug":"weiter-im-sinne-rahns-konrad-escher-als-nachfolger-von-zemp","status":"publish","type":"chapter","link":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/chapter\/weiter-im-sinne-rahns-konrad-escher-als-nachfolger-von-zemp\/","title":{"raw":"Weiter im Sinne Rahns: Konrad Escher als Nachfolger von Zemp","rendered":"Weiter im Sinne Rahns: Konrad Escher als Nachfolger von Zemp"},"content":{"raw":"[caption id=\"attachment_176\" align=\"alignleft\" width=\"215\"]<a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_10.jpg\"><img src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_10-215x300.jpg\" alt=\"Konrad Escher\" class=\"wp-image-176 size-medium\" width=\"215\" height=\"300\" \/><\/a> Abb. 10: Konrad Escher, undatiert (1930er Jahre?).<br \/>Archiv KHIST, Foto: KHIST.[\/caption]\r\n\r\nMit Zemps vorzeitigem R\u00fccktritt von seiner Universit\u00e4tsprofessur im Jahr 1928 stellte sich \u2013 wie bereits 1912 nach der Emeritierung Rahns \u2013 erneut die Frage, wie es weitergehen solle mit der Z\u00fcrcher Kunstgeschichte. War die 1923 erfolgte Wahl W\u00f6lfflins explizit als Erg\u00e4nzung zu der damals durch Zemp vertretenen positivistischen Kunstgeschichte der Rahn-Schule gedacht gewesen,<a href=\"#_ftn1\" id=\"return-footnote-45\"><sup>[45]<\/sup><\/a> so war nun zu \u00fcberlegen, wie dieses Gleichgewicht perpetuiert werden konnte. Die L\u00f6sung hiess Konrad Escher (1882\u20131944; Abb. 10). Escher hatte in Z\u00fcrich bei Rahn und Zemp studiert, ausserdem bei Georg Dehio in Strassburg (1902\u20131904) und bei W\u00f6lfflin in Berlin.<a href=\"#_ftn2\" id=\"return-footnote-46\"><sup>[46]<\/sup><\/a> Nach der Promotion, die 1905 an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich auf Basis einer Arbeit \u00fcber <em>Wand- und Deckenmalerei in der Schweiz vom 9. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts <\/em>erfolgt war, wurde Escher Assistent an der \u00d6ffentlichen Kunstsammlung Basel. In Basel wurde Escher 1909 mit seiner Studie zu <em>Barock und Klassizismus<\/em> habilitiert, doch liess sich Escher neun Jahre sp\u00e4ter an die Universit\u00e4t Z\u00fcrich umhabilitieren und erhielt hier 1918 die Venia legendi f\u00fcr mittelalterliche und neuere Kunstgeschichte.<a href=\"#_ftn3\" id=\"return-footnote-47\"><sup>[47]<\/sup><\/a> Das 1922 parallel zum Antrag der Fakult\u00e4t auf Bef\u00f6rderung Zemps vom Extraordinarius zum Ordinarius gestellte Gesuch auf Bef\u00f6rderung des Privatdozenten Konrad Escher zum Extraordinarius in der Nachfolge des kurz zuvor pensionierten Carl Brun wurde von den \u00fcbergeordneten Beh\u00f6rden abgelehnt und als Kompensation ein vierst\u00fcndiger Lehrauftrag sowie die Ernennung zum Titularprofessor bewilligt.<a href=\"#_ftn4\" id=\"return-footnote-48\"><sup>[48]<\/sup><\/a> Begr\u00fcndet wurde die Ablehnung damit, dass \u00abder Vorgeschlagene\u00bb zwar \u00abdurch gro\u00dfen Flei\u00df, durch gr\u00fcndliches Wissen und durch anerkennenswerte Erfolge als Forscher auf dem Gebiet der Kunstgeschichte sich ausgewiesen\u00bb habe, seine Lehrt\u00e4tigkeit aber \u00abnoch nicht allen Anforderungen\u00bb entspreche.<a href=\"#_ftn5\" id=\"return-footnote-49\"><sup>[49]<\/sup><\/a> Wichtiger aber scheinen pekuni\u00e4re \u00dcberlegungen gewesen zu sein: \u00abWesentlich ist sodann, da\u00df Prof. Brun nicht ein volles Extraordinariat inne hatte, was in seiner Lehrverpflichtung und demgem\u00e4\u00df auch in einem verminderten Besoldungsansatz Ausdruck fand.\u00bb Die Schaffung eines vollen Extraordinariates sei deshalb \u00abf\u00fcr den Staat mit einer Mehrausgabe verbunden\u00bb und ergo zu vermeiden.<a href=\"#_ftn6\" id=\"return-footnote-50\"><sup>[50]<\/sup><\/a>\r\n\r\n[caption id=\"attachment_177\" align=\"alignright\" width=\"212\"]<a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_11.jpg\"><img src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_11-212x300.jpg\" alt=\"Schreiben des Dekans an die Erziehungsdirektion\" class=\"wp-image-177 size-medium\" width=\"212\" height=\"300\" \/><\/a> Abb. 11: Auch der Dekan der Philosophischen Fakult\u00e4t I hatte in seinem Schreiben \u00aban die hohe Erziehungsdirektion des Kantons Z\u00fcrich\u00bb vom 30. Juli 1928 die Notwendigkeit betont, \u00abdass das Fach der Kunstgeschichte an unserer Universit\u00e4t immer doppelt besetzt sei\u00bb.<br \/>UZH-Archiv AL.7.41; Foto: Carola J\u00e4ggi.[\/caption]\r\n\r\nBei der Diskussion um die Nachfolge Zemps kam Escher dann aber doch noch zum Zuge: Zum Wintersemester 1928\/29 erfolgte seine Ernennung zum ausserordentlichen Professor f\u00fcr mittlere und neuere Kunstgeschichte mit einer Lehrverpflichtung von 5\u20138 Wochenstunden. Im entsprechenden Regierungsratsbescheid vom 23. August 1928 wird betont, dass Escher eine perfekte Erg\u00e4nzung darstelle zu W\u00f6lfflin, in dessen H\u00e4nden die \u00abHauptprofessur\u00bb liege, und \u2013 vielleicht wichtiger noch \u2013 \u00abda\u00df es notwendig sei, auch in der Zukunft zwei kunstgeschichtliche Professuren zu unterhalten\u00bb.<a href=\"#_ftn7\" id=\"return-footnote-51\"><sup>[51]<\/sup><\/a> (Abb. 11) Dieser letztgenannte Punkt war auch im Antrag des Dekans an die Erziehungsdirektion vom 19. Juli 1928, der dem Wahlentscheid zugrunde lag, mit Nachdruck formuliert, ja gefordert worden: Auch nach dem absehbaren Ausscheiden seien zwei Kunstgeschichtsprofessuren zwingend notwendig, liege es doch \u00abim Wesen der Sache [...], dass in diesem Fache eine mehr stofflich und auf Einzeltatsachen gerichtete Forscherpers\u00f6nlichkeit erg\u00e4nzt werden muss durch eine zur Systematik und allgemein geisteshistorischen Gesichtspunkten neigende\u00bb.<a href=\"#_ftn8\" id=\"return-footnote-52\"><sup>[52]<\/sup><\/a> Das Lehrgebiet von Escher sei deshalb nur provisorisch zu bestimmen, \u00abum sp\u00e4ter nicht der andern Professur hinderlich zu sein\u00bb. Bei einer \u00abNeuordnung der Dinge\u00bb k\u00f6nne der Lehrauftrag Eschers dann eventuell \u00abin dem Sinne, dass die schweizerischen Kunstdenkm\u00e4ler in den Mittelpunkt seiner T\u00e4tigkeit gestellt werden\u00bb, neu umschrieben werden.\r\n\r\nEschers Lehrt\u00e4tigkeit deckte ein schwindelerregend breites Themenfeld ab, von der Kunst des Fr\u00fchmittelalters \u00fcber die romanische Baukunst, die Interdependenz von Mystik und bildender Kunst, Leonardo und die Kunst der Renaissance bis zu den k\u00fcnstlerischen Bewegungen am Anfang des 20. Jahrhunderts, nicht selten begleitet durch Exkursionen in der Schweiz und ins Ausland, was damals eine Neuerung darstellte.<a href=\"#_ftn9\" id=\"return-footnote-53\"><sup>[53]<\/sup><\/a> Von der Anziehungskraft konnte es Escher mit W\u00f6lfflin aber nicht aufnehmen. Dennoch war auch Escher ein \u00abMann der \u00d6ffentlichkeit\u00bb, indem er sich \u2013 ganz in der Tradition Rahns \u2013 auch ausserhalb der Universit\u00e4t f\u00fcr kunsthistorische Anliegen engagierte, sei es als Pr\u00e4sident der Gesellschaft f\u00fcr Schweizerische Kunstgeschichte (GSK) oder als erster Vorsitzender der Volkshochschule Z\u00fcrich, an der er auch kunsthistorische Kurse anbot.<a href=\"#_ftn10\" id=\"return-footnote-54\"><sup>[54]<\/sup><\/a>\r\n<div>\r\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn1\"><\/a>[45] W\u00f6lfflin selbst sah die Kunstgeschichte nicht im Deutungszwang durch die Historie, sondern umgekehrt, denn \u00aballes Anschauliche ist ja viel deutlicher als das durch das Wort \u00dcberlieferte\u00bb; Zitat aus W\u00f6lfflins Z\u00fcrcher Antrittsvorlesung vom 14. Juni 1924, hier zitiert nach Reinle 1976 (wie Anm. 1), S. 86. <a href=\"#return-footnote-45\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 45\">\u21b5<\/a><\/div>\r\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn2\"><\/a>[46] Alle Informationen zur Biographie von Escher sind Dokumenten im UZH-Archiv entnommen, vgl. die nachfolgenden Anmerkungen. Vgl. auch Jedlicka, G[otthard]: Professor Konrad Escher, 21. Oktober 1882 bis 18. September 1944 (Nekrolog), in: JbUZH 1944\/45, S. 57\u201359; Reinle 1976 (wie Anm. 1), S. 83f. sowie den Beitrag von Ylva Gasser in diesem Band. <a href=\"#return-footnote-46\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 46\">\u21b5<\/a><\/div>\r\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn3\"><\/a>[47] Protokoll des Erziehungsrates des Kantons ZH vom 31. Mai 1918, Nr. 767 (UZH-Archiv AB.1.0228). <a href=\"#return-footnote-47\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 47\">\u21b5<\/a><\/div>\r\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn4\"><\/a>[48] Vgl. den Brief des Dekans der Philosophischen Fakult\u00e4t I vom 28. Oktober 1922 an die Erziehungsdirektion sowie den RRB vom 23. November 1922, Nr. 2919 (beides im UZH-Archiv AB.1.1164). <a href=\"#return-footnote-48\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 48\">\u21b5<\/a><\/div>\r\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn5\"><\/a>[49] RRB vom 26. September 1922, Nr. 934 (UZH-Archiv AB.1.1164). <a href=\"#return-footnote-49\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 49\">\u21b5<\/a><\/div>\r\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn6\"><\/a>[50] Ebd. <a href=\"#return-footnote-50\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 50\">\u21b5<\/a><\/div>\r\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn7\"><\/a>[51] RRB vom 23. August 1928, Nr. 1592 (UZH-Archiv AB.1.0228). <a href=\"#return-footnote-51\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 51\">\u21b5<\/a><\/div>\r\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn8\"><\/a>[52] UZH-Archiv AB.1.0228. Bekr\u00e4ftigt wurde dieses Anliegen 14 Tage sp\u00e4ter (30. Juli 1928) mit einem weiteren Brief des Dekans an die Erziehungsdirektion (vgl. Abb. 11). <a href=\"#return-footnote-52\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 52\">\u21b5<\/a><\/div>\r\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn9\"><\/a>[53] Eine Auflistung der von Escher angebotenen Veranstaltungen findet sich bei Vignau-Wilbert 1976 (wie Anm. 4), S. 121f. Zu den Exkursionen s. Reinle 1976 (wie Anm. 1), S. 84 und den Beitrag von Ylva Gasser in diesem Band. <a href=\"#return-footnote-53\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 53\">\u21b5<\/a><\/div>\r\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn10\"><\/a>[54] Vgl. Anm. 46. Das Zitat stammt aus dem Nachruf von Jedlicka auf Escher im JbUZH 1944\/45, S. 57. <a href=\"#return-footnote-54\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 54\">\u21b5<\/a><\/div>\r\n<\/div>","rendered":"<figure id=\"attachment_176\" aria-describedby=\"caption-attachment-176\" style=\"width: 215px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_10.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_10-215x300.jpg\" alt=\"Konrad Escher\" class=\"wp-image-176 size-medium\" width=\"215\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_10-215x300.jpg 215w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_10-733x1024.jpg 733w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_10-768x1073.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_10-1099x1536.jpg 1099w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_10-65x91.jpg 65w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_10-225x314.jpg 225w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_10-350x489.jpg 350w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_10.jpg 1181w\" sizes=\"(max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-176\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 10: Konrad Escher, undatiert (1930er Jahre?).<br \/>Archiv KHIST, Foto: KHIST.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit Zemps vorzeitigem R\u00fccktritt von seiner Universit\u00e4tsprofessur im Jahr 1928 stellte sich \u2013 wie bereits 1912 nach der Emeritierung Rahns \u2013 erneut die Frage, wie es weitergehen solle mit der Z\u00fcrcher Kunstgeschichte. War die 1923 erfolgte Wahl W\u00f6lfflins explizit als Erg\u00e4nzung zu der damals durch Zemp vertretenen positivistischen Kunstgeschichte der Rahn-Schule gedacht gewesen,<a href=\"#_ftn1\" id=\"return-footnote-45\"><sup>[45]<\/sup><\/a> so war nun zu \u00fcberlegen, wie dieses Gleichgewicht perpetuiert werden konnte. Die L\u00f6sung hiess Konrad Escher (1882\u20131944; Abb. 10). Escher hatte in Z\u00fcrich bei Rahn und Zemp studiert, ausserdem bei Georg Dehio in Strassburg (1902\u20131904) und bei W\u00f6lfflin in Berlin.<a href=\"#_ftn2\" id=\"return-footnote-46\"><sup>[46]<\/sup><\/a> Nach der Promotion, die 1905 an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich auf Basis einer Arbeit \u00fcber <em>Wand- und Deckenmalerei in der Schweiz vom 9. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts <\/em>erfolgt war, wurde Escher Assistent an der \u00d6ffentlichen Kunstsammlung Basel. In Basel wurde Escher 1909 mit seiner Studie zu <em>Barock und Klassizismus<\/em> habilitiert, doch liess sich Escher neun Jahre sp\u00e4ter an die Universit\u00e4t Z\u00fcrich umhabilitieren und erhielt hier 1918 die Venia legendi f\u00fcr mittelalterliche und neuere Kunstgeschichte.<a href=\"#_ftn3\" id=\"return-footnote-47\"><sup>[47]<\/sup><\/a> Das 1922 parallel zum Antrag der Fakult\u00e4t auf Bef\u00f6rderung Zemps vom Extraordinarius zum Ordinarius gestellte Gesuch auf Bef\u00f6rderung des Privatdozenten Konrad Escher zum Extraordinarius in der Nachfolge des kurz zuvor pensionierten Carl Brun wurde von den \u00fcbergeordneten Beh\u00f6rden abgelehnt und als Kompensation ein vierst\u00fcndiger Lehrauftrag sowie die Ernennung zum Titularprofessor bewilligt.<a href=\"#_ftn4\" id=\"return-footnote-48\"><sup>[48]<\/sup><\/a> Begr\u00fcndet wurde die Ablehnung damit, dass \u00abder Vorgeschlagene\u00bb zwar \u00abdurch gro\u00dfen Flei\u00df, durch gr\u00fcndliches Wissen und durch anerkennenswerte Erfolge als Forscher auf dem Gebiet der Kunstgeschichte sich ausgewiesen\u00bb habe, seine Lehrt\u00e4tigkeit aber \u00abnoch nicht allen Anforderungen\u00bb entspreche.<a href=\"#_ftn5\" id=\"return-footnote-49\"><sup>[49]<\/sup><\/a> Wichtiger aber scheinen pekuni\u00e4re \u00dcberlegungen gewesen zu sein: \u00abWesentlich ist sodann, da\u00df Prof. Brun nicht ein volles Extraordinariat inne hatte, was in seiner Lehrverpflichtung und demgem\u00e4\u00df auch in einem verminderten Besoldungsansatz Ausdruck fand.\u00bb Die Schaffung eines vollen Extraordinariates sei deshalb \u00abf\u00fcr den Staat mit einer Mehrausgabe verbunden\u00bb und ergo zu vermeiden.<a href=\"#_ftn6\" id=\"return-footnote-50\"><sup>[50]<\/sup><\/a><\/p>\n<figure id=\"attachment_177\" aria-describedby=\"caption-attachment-177\" style=\"width: 212px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_11-212x300.jpg\" alt=\"Schreiben des Dekans an die Erziehungsdirektion\" class=\"wp-image-177 size-medium\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_11-212x300.jpg 212w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_11-724x1024.jpg 724w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_11-768x1087.jpg 768w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_11-1085x1536.jpg 1085w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_11-1447x2048.jpg 1447w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_11-65x92.jpg 65w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_11-225x318.jpg 225w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_11-350x495.jpg 350w, https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-content\/uploads\/sites\/116\/2022\/05\/Jaeggi_Abb_11.jpg 1590w\" sizes=\"(max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-177\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 11: Auch der Dekan der Philosophischen Fakult\u00e4t I hatte in seinem Schreiben \u00aban die hohe Erziehungsdirektion des Kantons Z\u00fcrich\u00bb vom 30. Juli 1928 die Notwendigkeit betont, \u00abdass das Fach der Kunstgeschichte an unserer Universit\u00e4t immer doppelt besetzt sei\u00bb.<br \/>UZH-Archiv AL.7.41; Foto: Carola J\u00e4ggi.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bei der Diskussion um die Nachfolge Zemps kam Escher dann aber doch noch zum Zuge: Zum Wintersemester 1928\/29 erfolgte seine Ernennung zum ausserordentlichen Professor f\u00fcr mittlere und neuere Kunstgeschichte mit einer Lehrverpflichtung von 5\u20138 Wochenstunden. Im entsprechenden Regierungsratsbescheid vom 23. August 1928 wird betont, dass Escher eine perfekte Erg\u00e4nzung darstelle zu W\u00f6lfflin, in dessen H\u00e4nden die \u00abHauptprofessur\u00bb liege, und \u2013 vielleicht wichtiger noch \u2013 \u00abda\u00df es notwendig sei, auch in der Zukunft zwei kunstgeschichtliche Professuren zu unterhalten\u00bb.<a href=\"#_ftn7\" id=\"return-footnote-51\"><sup>[51]<\/sup><\/a> (Abb. 11) Dieser letztgenannte Punkt war auch im Antrag des Dekans an die Erziehungsdirektion vom 19. Juli 1928, der dem Wahlentscheid zugrunde lag, mit Nachdruck formuliert, ja gefordert worden: Auch nach dem absehbaren Ausscheiden seien zwei Kunstgeschichtsprofessuren zwingend notwendig, liege es doch \u00abim Wesen der Sache [&#8230;], dass in diesem Fache eine mehr stofflich und auf Einzeltatsachen gerichtete Forscherpers\u00f6nlichkeit erg\u00e4nzt werden muss durch eine zur Systematik und allgemein geisteshistorischen Gesichtspunkten neigende\u00bb.<a href=\"#_ftn8\" id=\"return-footnote-52\"><sup>[52]<\/sup><\/a> Das Lehrgebiet von Escher sei deshalb nur provisorisch zu bestimmen, \u00abum sp\u00e4ter nicht der andern Professur hinderlich zu sein\u00bb. Bei einer \u00abNeuordnung der Dinge\u00bb k\u00f6nne der Lehrauftrag Eschers dann eventuell \u00abin dem Sinne, dass die schweizerischen Kunstdenkm\u00e4ler in den Mittelpunkt seiner T\u00e4tigkeit gestellt werden\u00bb, neu umschrieben werden.<\/p>\n<p>Eschers Lehrt\u00e4tigkeit deckte ein schwindelerregend breites Themenfeld ab, von der Kunst des Fr\u00fchmittelalters \u00fcber die romanische Baukunst, die Interdependenz von Mystik und bildender Kunst, Leonardo und die Kunst der Renaissance bis zu den k\u00fcnstlerischen Bewegungen am Anfang des 20. Jahrhunderts, nicht selten begleitet durch Exkursionen in der Schweiz und ins Ausland, was damals eine Neuerung darstellte.<a href=\"#_ftn9\" id=\"return-footnote-53\"><sup>[53]<\/sup><\/a> Von der Anziehungskraft konnte es Escher mit W\u00f6lfflin aber nicht aufnehmen. Dennoch war auch Escher ein \u00abMann der \u00d6ffentlichkeit\u00bb, indem er sich \u2013 ganz in der Tradition Rahns \u2013 auch ausserhalb der Universit\u00e4t f\u00fcr kunsthistorische Anliegen engagierte, sei es als Pr\u00e4sident der Gesellschaft f\u00fcr Schweizerische Kunstgeschichte (GSK) oder als erster Vorsitzender der Volkshochschule Z\u00fcrich, an der er auch kunsthistorische Kurse anbot.<a href=\"#_ftn10\" id=\"return-footnote-54\"><sup>[54]<\/sup><\/a><\/p>\n<div>\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn1\" id=\"_ftn1\"><\/a>[45] W\u00f6lfflin selbst sah die Kunstgeschichte nicht im Deutungszwang durch die Historie, sondern umgekehrt, denn \u00aballes Anschauliche ist ja viel deutlicher als das durch das Wort \u00dcberlieferte\u00bb; Zitat aus W\u00f6lfflins Z\u00fcrcher Antrittsvorlesung vom 14. Juni 1924, hier zitiert nach Reinle 1976 (wie Anm. 1), S. 86. <a href=\"#return-footnote-45\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 45\">\u21b5<\/a><\/div>\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn2\" id=\"_ftn2\"><\/a>[46] Alle Informationen zur Biographie von Escher sind Dokumenten im UZH-Archiv entnommen, vgl. die nachfolgenden Anmerkungen. Vgl. auch Jedlicka, G[otthard]: Professor Konrad Escher, 21. Oktober 1882 bis 18. September 1944 (Nekrolog), in: JbUZH 1944\/45, S. 57\u201359; Reinle 1976 (wie Anm. 1), S. 83f. sowie den Beitrag von Ylva Gasser in diesem Band. <a href=\"#return-footnote-46\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 46\">\u21b5<\/a><\/div>\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn3\" id=\"_ftn3\"><\/a>[47] Protokoll des Erziehungsrates des Kantons ZH vom 31. Mai 1918, Nr. 767 (UZH-Archiv AB.1.0228). <a href=\"#return-footnote-47\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 47\">\u21b5<\/a><\/div>\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn4\" id=\"_ftn4\"><\/a>[48] Vgl. den Brief des Dekans der Philosophischen Fakult\u00e4t I vom 28. Oktober 1922 an die Erziehungsdirektion sowie den RRB vom 23. November 1922, Nr. 2919 (beides im UZH-Archiv AB.1.1164). <a href=\"#return-footnote-48\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 48\">\u21b5<\/a><\/div>\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn5\" id=\"_ftn5\"><\/a>[49] RRB vom 26. September 1922, Nr. 934 (UZH-Archiv AB.1.1164). <a href=\"#return-footnote-49\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 49\">\u21b5<\/a><\/div>\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn6\" id=\"_ftn6\"><\/a>[50] Ebd. <a href=\"#return-footnote-50\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 50\">\u21b5<\/a><\/div>\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn7\" id=\"_ftn7\"><\/a>[51] RRB vom 23. August 1928, Nr. 1592 (UZH-Archiv AB.1.0228). <a href=\"#return-footnote-51\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 51\">\u21b5<\/a><\/div>\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn8\" id=\"_ftn8\"><\/a>[52] UZH-Archiv AB.1.0228. Bekr\u00e4ftigt wurde dieses Anliegen 14 Tage sp\u00e4ter (30. Juli 1928) mit einem weiteren Brief des Dekans an die Erziehungsdirektion (vgl. Abb. 11). <a href=\"#return-footnote-52\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 52\">\u21b5<\/a><\/div>\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn9\" id=\"_ftn9\"><\/a>[53] Eine Auflistung der von Escher angebotenen Veranstaltungen findet sich bei Vignau-Wilbert 1976 (wie Anm. 4), S. 121f. Zu den Exkursionen s. Reinle 1976 (wie Anm. 1), S. 84 und den Beitrag von Ylva Gasser in diesem Band. <a href=\"#return-footnote-53\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 53\">\u21b5<\/a><\/div>\n<div class=\"footnote\"><a name=\"_ftn10\" id=\"_ftn10\"><\/a>[54] Vgl. Anm. 46. Das Zitat stammt aus dem Nachruf von Jedlicka auf Escher im JbUZH 1944\/45, S. 57. <a href=\"#return-footnote-54\" class=\"return-footnote\" aria-label=\"Return to footnote 54\">\u21b5<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"author":3,"menu_order":5,"template":"","meta":{"pb_show_title":"on","pb_short_title":"","pb_subtitle":"","pb_authors":["carola-jaeggi"],"pb_section_license":""},"chapter-type":[],"contributor":[61],"license":[],"class_list":["post-174","chapter","type-chapter","status-publish","hentry","contributor-carola-jaeggi"],"part":84,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/174"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters"}],"about":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/types\/chapter"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/174\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":861,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/174\/revisions\/861"}],"part":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-json\/pressbooks\/v2\/parts\/84"}],"metadata":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapters\/174\/metadata\/"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=174"}],"wp:term":[{"taxonomy":"chapter-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-json\/pressbooks\/v2\/chapter-type?post=174"},{"taxonomy":"contributor","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/contributor?post=174"},{"taxonomy":"license","embeddable":true,"href":"https:\/\/dlf.uzh.ch\/openbooks\/150jahrekunstgeschichte\/wp-json\/wp\/v2\/license?post=174"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}